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Wie der ganze Cyclus der Vorträge ein wohl bemessenes, in einander greifen-des Ganze bildete, so wirkte die verschiedene Individualität eines jeden der drei Pre-diger auf verschiedene Kreise der Zuhörer, und alle zusammen doch unverrückt zuEinem Ziele. Der Priester, welcher am ersten Tag die Mission eingeleitet hatte,gab seinen Vorträgen bei aller Popularität doch zugleich einen wissenschaftlichen Ge-halt und eine wissenschaftliche Form in der Art der Conferences der französischen Prediger, und manche seiner Vorträge können den Vorträgen des Pater Lacordaire an die Seite gestellt werden, so wie er denn selbst mit gleicher Fertigkeit deutsch undfranzösisch predigt. Der jüngste unter seinen Mitgliedern stellte sich die Aufgabeeiner gründlichen, aber einfachen Belehrung wie für Katechumenen, und wußte dabeidie Herzen zu bewegen und zu gewinnen; der dritte bildete eine gute Vermittlungdieser beiden Pole. Die Konferenzen jenes ersten Redners wurden von einem großenTheile der studirenden Jugend mit sichtbarem Interesse gehört, und füllten für dieKatholiken unter denselben, wenn freilich nur vorübergehend, eine an der UniversitätHeidelberg als badische Landesanstalt bestehende Lücke aus.
Es sind nämlich an derselben zwar zwei evangelische Universitätsprediger ange-stellt, aber kein katholischer; auch besteht nicht wie etwa sonst wohl bei paritätischenconfessionellen Verhältnissen der Bevölkerung, wie z. B. an der Universität Bonn , einStatut oder eine Uebung, wornack man bei den Lehrstellen der Geschichte und derPhilosophie auf die katholischen Söhne des Landes Rücksicht nähme. So werdendann die meisten derselben, weil sie bei fast ausschließlich entgegenstehenden Einflüssenzu einer etwaS bessern Einsicht in das Wesen der katholischen Kirche und einer wissen-schaftlichen und überhaupt geistigern Auffassung hierin nicht gelangen, ihrer Religiongänzlich entfremdet, was für ihre eigene Person und, wenn sie einmal Antheil ander Verwaltung und Gesetzgebung nehmen, auch für die allgemeinen Interessen nichtanders als höchst nachthcilig seyn kann. Unter den Zuhörern bemekte man auchStudirende der protestantischen Theologie, welche sehr eifrig nachschrieben. Wenn ihreAufzeichnungen etwa als Grundlage künftiger Kritiken gelten sollen, so ist nur zuwünschen, daß diese Aufzeichnungen mit dem gehörigen Geschick und mit der nöthigenUnbefangenheit gemacht wurden. Derjenige unter den drei Vätern, welcher die dog-matische Begründung zur Aufgabe hatte, trat ohne Anmaßung, aber doch mit großerSicherheit und Entschiedenheit auf; er erklärte sich bereit, jedem einzelnen Zuhörer,welcher es verlange und welcher neue Einwendungen zu machen habe, Rede stehnoder doch weitere Erläuterungen und Auflösungen der Bedenken geben zu wollen.Bei ihm, so wie bei den übrigen beiden Rednern bemerkte man unverkennbar, wieman auch die individuelle Befähigung jedes einzelnen beurtheilen mag, daß sie aufdem Boden kräftiger Ueberzeugung und eines festen, konsequenten, durch das Nach-denken und die Lebenserfahrungen von Jahrhunderten gegründeten, in lebendiger Tra-dition erhaltenen Lehr- und Lebenssystems standen. Die Theilnahme an den Predig-ten so wie an der Ausspendung der Sakramente war sehr zahlreich und die Wirkungeine bedeutende: für die Katholiken anregend und kräftigend; für manche Gegner derMission eine andere Ansicht bewirkend, wenn schon, wie in solchen Fällen natürlichist, der größere Theil der entschiedenen Gegner auch jetzt seine Ansicht festhalten wird.
Zum Schlüsse nur noch Folgendes. Wir haben die Ueberzeugung, daß, unab-hängig davon, ob diese Missionen angenehm oder unangenehm seyn mögen, die stärk-sten sittlichen, rechtlichen, politischen Gründe dafür sprechen, daß ihnen von Seitender Katholiken, von Seiten der Protestanten, von Seiten der Regierungen keineHindernisse in den Weg gelegt werden. Für die Katholiken, wenn auch einer oderder andere sich von der Güte des Institutes nicht überzeugen würde, ist die Sacheganz einfach entschieden: wenn der Katholik bei der Kirche bleiben will (und ob erdieß thun will oder nicht, steht in seinem Willen), so kann er einer Anordnung,welche auf alter, allgemeiner kirchlicher Uebung beruht und von der zuständigen kirch-lichen Autorität, von dem deutschen Episkopate, aufs neue angeordnet undempfohlen worden ist, nicht ohne die größte Inkonsequenz entgegen treten; das ein-