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Geistiges mit Körperlichem, Höchstes mit Niederstem, so, daß du zugleich kostenkönntest, was oben, und was auf Erden ist.
Jedes Vergnügen dieser W'elt, ihr ganzer Ruhm, und was man in ihr ver-langt, ist ganz und gar wenig im Vergleich mit der Seligkeit jenseits: wenn man eSdoch noch wenig nennen will, und nicht vielmehr nichts, einen Dunst, der kurze Zeiterscheint.
Alles Irdische ist zweifelhaft und hinfällig.
Sage mir, wo sind die Liebhaber der Welt, die vor kurzer Zeit mit uns waren?Nichts ist von ihnen übrig geblieben, als Asche und Würmer. Merke fleißig auf,was sie sind, oder was sie waren. Sie waren Menschen wie du, sie aßen, tranken,lachten, brachten ihre Tage im Wohlleben zu, und fuhren zur Höllein einem Augenblick. Hier ist ihr Fleisch für die Würmer, dort ihre Seelenden Feuerflammen bestimmt, bis sie, dm*ch daS unglückselige Band wieder vereiniget,den ewigen Flammen übergeben werden, weil sie Genossen in den Lastern waren.Denn in Eine Strafe werden verwickelt, die Eine Liebe im Verbrechen verband.Was nützte ihnen der eitle Ruhm, die kurze Freude, die Macht der Welt, die Lustdes Fleisches, der falsche Reichthum, die zahlreiche Familie, die böse Begierlichkeit?Wo ist nun das Gelächter, wo der Scherz, wo die Prahlerei, wo die AnmassunglWelch ein Leid auf solche Freude! Welches Elend auf solches Wohlleben! Aus jenemJubel verfielen sie in große Trübsal, in tiefen Abgrund, in heftige Peinen. WaSihnen begegnete, kann auch dir widerfahren, weil du ein Mensch bist. Ein Erden-mensch vom Erdboden, Koth vom Kothe. Aus der Erde bist du, von der Erde lebstdu, in die Erde kehrst du zurück, wann jener letzte Tag kommt, der plötzlich kommt,und vielleicht heute seyn wird. Gewiß ist, daß du sterben wirst, aber ungewiß,wann und wie oder wo: weil dich also der Tod überall erwartet, so wirst du, wenndu weise bist, ihn ebenfalls überall erwarten.
Täuschend ist der Ruhm der Welt, und mit Recht wird er verachtet. EineHeublume ist er, ein kurzer Dunst. Hat nicht seine Beschaffenheit selbst mehr Angst,als Annehmlichkeit? Wenn du dich rächest, vertheidigest, wenn du darum beneidest,in Argwohn gerathest, wenn du immer liebst, was du nicht hast, und wenn nacheinigem Erfolg die Begierde darnach nicht vermindert wird, was ist das für eineRuhe in deinem Ruhme? Doch wenn es auch einen gibt, so vergeht die Annehm-lichkeit, und kehrt nicht wieder: und eS bleibt die Angst, die ihn nicht verläßt.NebrigenS magst du sehen, wie Viele ihn nicht erlangen, und wie Wenige ihn ver-achten. Warum das? Wahrlich deßwegen, weil er Vielen nothwendig und beiWenigen eine Tugend ist.
O nichtswürdige Welt, die du allein deine Freunde so zu beglücken pflegst,daß du sie zu Feinden Gottes machest, und folglich auch unwürdig der Gesellschaftder Seligen! Denn allerdings wird der ein Feind GotteS, der dein Freund seynwill. Der Freund der Welt also wird ausgeschlossen aus der Gesellschaft derFreunde Gottes.
Gering und zu Nichts nütze ist der weltliche Trost, und WaS noch mehr zufürchten ist, sogar ein Hinderniß des wahren und heilsamen Trostes.
Gleichwie bei der Abnahme des Holzes daS Feuer abnimmt, so vergeht dieWelt und ihre Begierlichkeit. Ohne Zweifel auch die Freude. Eine weltliche Seelesehe und erkenne, daß auf die Freude Traurigkeit folge. Denn hier ist daSEnde der vergänglichen Freude, hier die Frucht des zeitlichen Ruhmes.
227. W e l t l u st.
Die genossene Lust wird gerne wiederholt, die wiederholte schmeichelt sich ein.Wenn die Lust auswacht, schläft die Vernunft ein, und die Gewohnheit fesselt sie.
Wie viele schlechte Vergnügungsmittel eS gibt, so viele herbe Peinen wird eSgeben in der Strafe: davon werden wir gestraft, worin wir uns sündhaft ergötzen.
Durch die Berührung wird das Feuer der Lust bei geringer Gelegenheit ange-