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facht, und wenn eS nicht gleich ausgelöscht wird, nimmt es plötzlich den ganzen Leibein, brennt und entzündet ihn. Zuerst reizt sie das Fleisch durch einen Gedanken,dann beschmutzt sie dir das Herz mit schändlichem Wohlgefallen, und zuletzt unter-jocht sie durch Einwilligung in die Schlechtigkeit den Geist.
223. Widerwärtigkeit.Keine Widerwärtigkeit wird uns schaden, wenn uns keine Sünde beherrscht.
229. Wille.
Unser Wille, von Gott gut geschaffen, wird nicht vollkommen seyn, so langeer seinem Schöpfer nicht vollkommen unterworfen ist. Denn Diejenigen, welcheselbstständig, ja Götter werden wollten, wissend Gutes und Böses, sind, geschweigedenn selbstständig, sondern sogar des Teufels geworden. So macht uns also derfreie Wille zu uns selbst, der böse zu des Teusels, der gute zu Gottes Eigenthum.Ich bringe waS ich kann, guten Willen, und von euch fordere ich ihn mit seinenFrüchten. David gefiel dem Herrn durch Tanzen, nicht wegen des Tanzes, sondernwegen der Begeisterung. Ans gleiche Weise wurde auch daS Weib, welches dieFüße des Herrn salbte, von Christus gelobt, nicht weil sie salbte, sondern weil sieliebte, und wurde gerechtfertiget, weil sie gab, was sie hatte.
Ein guter Wille im Herzen ist der Ursprung alles Guten und die Mutter allerTugenden. So wie im Gegentheile ein böser Wille die Quelle alles Bösen undaller Laster ist. Daher soll der Hüter seiner Seele sehr besorgt seyn um die Bewa-chung seines Willens. Durch den guten Willen wird in uns daö Bild der Gott-ähnlichkeit hergestellt.
Fulda , 21. August. Heute Morgen gegen sieben Uhr hörten wir die ernstfeierlichen Töne der Steinglocke unseres DomeS wohl eine Viertelstunde lang erschal-len, sie läutete einem edlen Todten zur ewigen Ruhe. Der hochwürdige Pater Da-mian Arnd, Conventual der ehemaligen Benedictinerpropstei Holzkirchen inFranken, die zum Hochstifte Fulda bis zu dessen Auflösung gehörte, war in seinerGeburtöstadt und seinem letzten Aufenthaltsorte zu einem bessern Leben heimgegangen.Ein ehrwürdiger Jubelpriester, hoch in den achtzig Jahren, war der Verstorbene hoch-geehrt und geachtet von Allen, die ihn kannten. Er war ein ausgezeichneter Math«,matiker und dem Studium dieser Wissenschaft bis in sein hohes Alter unermüdlichergeben. Nach Aufhebung der Propstei Holzkirchen , über deren weitläufige Besitzun-gen er eine sehr genaue mathematische Karte angefertigt hatte, zog sich der kennlniß-reiche und dabei so anspruchslose Mann in das stille Dörfchen TreiSbach , zweiStunden von hier zurück, versah den Gottesdienst bei der dasigen Kapelle und lebtenebenbei den Beschäftigungen der Landwirthschaft, die er gründlich verstand undrationell betrieb, wie seinen mathematisch-physikalischen Studien. Der Kriegslärm desvorigen Spätherbstes scheuchte den frommen Mann auö seinem stillen Asyle und hierist es an der Zeit es laut auözusprechen, daß preußische Officiere aus Rück-sicht gegen den ehrwürdigen GreiS im Silberhaare sich den größten Beschränkungenim Quartiere unterwarfen, um den freundlichen Alten nur nicht in seiner Ruhe zustören, während Bayern keine Schonung und Rücksicht kannten, so daß der alteMann sein kleines Besitzthum verließ und zu seinen Verwandten in Fulda eilte, umunter ihrer Pflege die letzten Tage eines reinen, würdigen Lebens hinzubringen.Viele Rheingauer werden sich des Bruders des Verstorbenen, des Pater Karl,Kellermeisters auf dem Johannesberge, noch erinnern. Mögen beide edle Brüder nunim Frieden ruhen! (M. I.)
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