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groß ist vor dem Throne der Liebe und der Verheißungen des ErbarmerS theilhaftigwird. Die Reue, welche auS der Liebe stammt, und sie allein ist eS auch, welchealle Segnungen deS JubiläumsablasseS auf uns niederrufen kann. O Gott, cS istmir von Herzen leid, daß ich dich beleidi"get habe, weil du das höchste Gut und allerLiebe würdig bist. Dieß oder Aehnliches werden wir ohne Zweifel sprechen oder ausdem Gebetbuch? lesen, bevor wir in den Beichtstuhl treten und wenn wir in Wahr-heit wegen unserer Sünden ein tiefes, herzliches Leid empfinden und wenn wir eSdarum empfinden, weil Gott das allerhöchste Gut ist, so danken wir Dem, ohnewelchen wir nichts vermögen: denn diese und keine andere Gesinnung ist eS, welcheer von dem ächten Büßer verlangt. Aber leider I sehen wir Menschen uns meistensdurch das gefärbte Glas der Eigenliebe. Wie vermögen wir also deutlich zu erkennen,ob diese Gesinnung rein und mächtig in unS walte? Werfen wir noch einen Blickauf die Begnadigte, deren Liebe unser und ihr Erlöser preiset. Sie fühlt den Stachelder Verachtung, welche im Hause des Gastmahles der Entehrten bezeigt wird; abersie erträgt ihn in stiller Ergebung, ohne eine Regung deS Zornes oder der Rach-begier; sie ist überzeugt, daß sie nichts Besseres verdiene; sie scheut sich nicht vorder hohnlächclnden Versammlung auf die Kniee zu sinken und Thränen der Reue zuvergießen: der Heiland ist es, den sie sucht, die Gerichte Gottes sind es, die ihr vorder Seele schweben. Wahrlich ihr Herz war nicht nur voll Zerknirschung, sondernauch voll Demuth und die Demuth ist daS erste, das sicherste Kennzeichen einer vonder Liebe beseelten Reue.
(Schluß folgt.)
Pfarrer Dittenberger sagte seinen Zuhörern von der Kanzel herab unterAnderm ungefähr Folgendes, was allerdings den Begriff übersteigt, den ich mir seit-her von einem christlichen Prediger gemacht hatte: „ES ist dieser Tage in der Kircheunserer hiesigen katholischen „„Schwestergemeinde"" von der Kanzel gesagt worden,daß wir die Fahne des Jesuitenordens beschmutzt hätten. Das, meine lieben christ-lichen Zuhörer, ist aber nicht so, denn dieser Orden hat selbst die Brandmale derSchlechtigkeit, deS Hasses, der Zwietracht, der Feindseligkeit und deS Unfriedensdurch seine Thaten an sein Banner geheftet, und die Geschichte hat hiervon Urkundegenommen, die so lange bestehen wird, so lange die Welt steht. Diese Menschenhaben sich bei der Gründung ihres Ordens zur Täuschung der abergläubischen Masseden Namen unseres Heilandes beigelegt und haben durch ihr Wirken demselben nurSchmach und Schande bereitet. Wisset ihr noch, meine christlichen Freunde undBrüder, wie die Jesuiten Städte und Dörfer verheerten und verbrannten? Die Mit-glieder dieses saubern Ordens sind dieselben, welche das heutige Evangelium, dasmir Gott in die Hand gab, als die falschen Propheten bezeichnet, die in Schafsklei-dern zu Euch kommen, inwendig aber raubgierige Wölfe sind; hütet Euch darum vorihnen, seyd mannbaft und stark, denn der heilige Apostel Paulus ruft unS zu: HabetMannskraft und Geistesstärke, werdet mündig u. f. w. Ihr wisset und kennet dieThätigkeit und die Werke dieser falschen Propheten in unserer gesegneten Pfalz vonfrühern Zeiten her; ich brauche Euch nicht erst damit bekannt zu machen. Wer sieaber noch nicht kennen sollte, der kaufe'sich diese Geschichte, wie solche In unsererStadt — wo sich seit 14 Tagen die falschen Propheten eingenistet haben — überallzu kaufen ist. An ihren Früchten werdet Ihr sie erkennen, und ihr Aufenthalt hierhat uns schon reichliche Früchte getragen: unsere Kirche ist heute überfüllt; ich hoffe,daß dieß auch noch nach der Jesuitcnmission der Fall seyn wird, und nicht, daß dieKirche stets wieder leer bleibt, wie dieß vor derselben der Fall war!" — Da habenSie ein gewiß eben so merkwürdiges, als originelles Probestückchen der neuestenHeidelberger Toleranz! Was mögen wohl die Jesuiten dem guten Pfarrer Dittenber-ger zu Leide gethan haben? — Dieß war jedoch begreiflicherweise noch lange nicht