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damit wir ihn nicht für feindlich gesinnt halten und verzweifeln, wenn er es unsversagen würve, und damit die zu große Sorge um dasselbe nicht zum Nachtheilewerde für die Uebungen deS Geistes. Denn ohne dasselbe können wir weder leben,noch Gott dienen. UebrigenS je eingeschränkter, desto besser. Allerdings gibt Christusseinen Dienern zur Erhaltung deS untern Menschen, d. i., des Fleisches, Mangelan zeitlichen Dingen, damit sie nicht durch Ueberfluß beschwert werden. Für daSObere aber gibt er einen größern Umfang und einen Ueberfluß geistlicher Gnade.
Der „Kirchenzeitung" von Solothurn , welche in Aufnahme von Mittheilungensehr vorsichtig ist und von keinem Unbefangenen der Uebertreibungen beschuldigt wer-den kann, wird auS dem schwer geprüften katholischen Freiburg geschrieben: „VielAufsehen erregt das Schicksal, das hie und da kirchenfeindliche Menschen trifft undViele wollen hierin den Finger Gottes erkennen. In Bulle hat sich ein Verfolgerder Priester erhängt; in Romont erschoß sich Derjenige, der im November 1347(bei der Besetzung von Freiburg durch die Truppen der radicalen Kantone) auf dendortigen Chorherrn Wuilleret die Waadtländer Soldaten hetzte, welche ihn auch fastbis zum Tode mißhandelten. In Freiburg starb jüngsthin ein Herr, der zur näm-lichen Zeit den (f. g.) eidgenössischen Truppen mit seinem Finger vom Fenster aufdie Priester wies, die sich aus Furcht verkleidet hatten; er starb merkwürdiger Weisean einem Uebel, daö zuerst den Zeigsinger angriff. Ein Mann, der oft den Wunschäußerte, Priester und RistouS (Konservative) verbrennen zu sehen, fand den Tod inden Flammen seiner brennenden Hütte. Ein Großrath, der die Wegschaffung einerKapelle durchgesetzt hatte, wurde von heftigen Schmerzen in dem Augenblicke befallen,als man den Altar wegbrach, und ist bis jetzt noch nicht geheilt." (Tir. Ztg.)
Lesefrüchte.
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Ein Elternpaar, daS sich sonst nicht viel um den lieben Gott und die heiligeReligion bekümmerte, hatte daS einzige Kind durch Tod verloren. Da ergossen sichvie Eltern nicht nur in die bittersten Klagen, sondern sie murrten auch über GotteSVorsehung, wie eS denn der Brauch ist, daß gerade diejenigen, die am wenigsten anGott denken, fordern, daß er desto mehr an sie denken, und sie und all das Ihrigewie seinen Augapfel bewahren soll. Sie fragten ihren Seelsorger, wenn Gott , wiedie Schrift sage, die Liebe sey, warum er denn ihnen ihr einziges geliebtes Kindgenommen habe. Der Seelsorger, ein wahrer GotteSmann, antwortete: „Ihr wolltvon mir wissen, warum Gott euer Kind zu sich genommen habe? Ich antworte: Erwill aus eurer Familie auch Eins in dem Himmel haben. Ihr Alten wollt nicht inden Himmel, und hättet daS Kind, wäre eS das Eurige geblieben, auch nicht hin-eingelassen. Darum hat eS der Herr zur rechten Zeit zu sich genommen. Wennihr ein Elternherz habt, lauft dem Kinde nach, und suchet eS auf dem Wege derÄugend und Gottseligkeit, und ihr werdet eS wieder finden und nicht ferner verlieren."
Ein Klosterbruder bat seinen Abt um ein Buch, datauS er lernen konnte,vollkommen zu werden. Da gab ihm der Abt ein Cruclfirbild und sprach: Siehfleißig in dieses Buch hinein, lies fleißig in diesem Buche, betrachte in diesem Buche,und du wirst vollkommen werden.