Ausgabe 
11 (21.9.1851) 38
Seite
297
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Eilfter Jahrgang.

Sonntags-Beiblatt

zur

Augsburger Pojheitung.

21. September S8. 1851.

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Tröstung für die Zweifelnden.

In den Jahren 1843 und 1849 sind, was die Hebung kirchlicher und klerikalerZustände, waS die freie canonische Entfaltung deS kirchlichen Organismus anbelangt,von allen Seiten her verschiedene Verheißungen gemacht worden; und eS läßt sichnicht läugnen, daß manche von diesen Aeußerungen außerordentlich feierlich, ja manmöchte fast sagen pathetisch geklungen haben. ES ist eine schöne Sache um daSwahre Pathos denn daS wahre Pathos ist eine Sprache, die entweder selber Thatist, oder der die That unmittelbar folgt, wie der Donner dem Blitze; das falschePalhoS aber ist nur eine Nachahmung deS wahren, eS ist theatralisch, eS sind Worteohne Handlung; es sind Worte mit einer fingirten Darstellung. Da gibt eS nunviele Leute, die eS mit der Sache der Wahrheit und deS Rechtes sehr ehrlich meinen,die aber alsogleich in Verzweiflung gerathen, wenn sie das, was sie kona licie an-gehofft haben, so gar nicht in Erfüllung gehen sehen. Diese guten Leute zu tröstenund zu beruhigen, halten wir für eine nicht zu umgehende Pflicht; denn die Dingestehen ja im Grunde gar nicht so verzweifelt, als sie aussehen. WaS wachst, machtkeinen Lärm. Die Gedanken von der Freiheit der Kirche, von dem Erwecken ihresLebens nach allen Richtungen und Aeußerungömöglichkeiten hin diese Gedankensagen wir, leben bereits in der Elite deS katholischen Klerus; und die Denk- undThalfaulen, die Genießer und Prahler, die Brosamenbettler am Staatsmahle undVerächter der Gaben deS heiligen Geistes die den Apostel Paulus selbst für einenThoren gehalten hätten, als er in seiner ärmlichen Erscheinung sich vor den Areopagzu Athen hinstellte (weil ihnen Weihe und Sendung und Geist nichts gilt; und weilsie den ganzen Werih auf die äußerlichen Glücksgüter legen), diese sagen wir: sindbereits machtlos geworden, weil sie ohne die Staatsmacht sich gar nichtmehr halten können. Wehe dem Staat, der sich auf solche Kirchenmännerverläßt; denn der ist sicher verlassen! Wer kein Vertrauen auf sich selber, aufseine Sache hat wie soll denn der Andern helfen? Und für die Staaten rücktheran die Zeit des KirchenschutzeS; die Zeit, in der nur die Kirche mit demSchwert ihres heiligen Wortes die StaatSfeinde besiegen kann. DaS Schwert ausEisen hat einmal auf eine höchst ehrenhafte, ruhmvolle Weise seine Pflicht gethan.Opfer und Todesmuth verschaffte den legitimen Regierungen durch ihre tapfernArmeen einen glorreichen Sieg. Die Kirche hat zum Siege keinen andern Weg.Durch Ränke, Selbstsucht, Faulheit ihrer Diener hat sie, wie die Geschichte lehrt,noch nirgends einen Sieg errungen nur mit den Waffen des Geistes, geweihtund gefestigt vom Paraklet, hat sie ihre siegreichen Colonnen in der Weltgeschichtevorwärts geschoben; nur durch diese hat sie Boden gewonnen I

Der Herr wird seine Kirche nicht verlassen. Erstehen werden die Männer des