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und daS, was Euch daS Heiligste und Ehrwürdigste war, mit seinem Geifer besu-delte, trat, eben «IS Ihr den großen Kampf mit Euch selbst angefangen hattet, alsVersucher zu Euch, und rechnete gerade da, wo „die Herzen mit Unmäßigkeit undTrunkenheit beschwert waren" (Luk. 2l), auf reiche Ernten. Ihr aber wäret wachgeworden und ergriffen von dem Worte der Schrift: „Wo ist Weh? Wo ist Zank?Wo ist Klagen? Wo sind Wunden ohne Ursache? Wo rothgeweinte Augen? Nichtwahr, da, wo man beim berauschenden Becher sitzt und sich befleißiget, ihn zuleeren" (Sprüchw.23), hattet Ihr den Versucher zurückgewiesen.
Aber er kehrte wieder und brachte einen zweiten, noch schlimmern Geist mit:den Geist der Empörung, der Empörung gegen alle sittliche und bürgerliche Ordnung.Ihr aber hattet Euch gerüstet gegen die gefährlichste Unordnung in Euch selbst,und hattet den Weckeruf des Propheten: „Wachetauf, die ihr trunken seyd!" (Joel),vernommen und den Versucher zurückgewiesen.
Und wiederum kehrte der Versucher zurück und brachte noch einen dritten bösenGeist mit: den Geist der Sinnlichkeit, deren Gott der Bauch, deren Seligkeit diethierische Lust ist — und wie Tausende in seinen tödtenden Schlingen sich fangen lie-ßen, so wollte er sie auch um Euch werfen und Eure Seelen morden. Ihr aberhattet die Mahnung des Propheten verstanden: „Wehe denen, die frühe aufstehenund bis zum Abend schwelg.cn — die Trunkenheit wird sie verderben" (Jesaiaö), undhabt die Schlingen d«S Versuchers zerrissen, den Taumel der Sinnlichkeit abgeschüt-telt und durch eine That der Selbstbeherrschung, wie sie auf dem Gebiete der Sitt-lichkeit nach so langer geistiger Knechtschaft in so rascher Entscheidung und in so wei-tem Umfange bisher unerhört gewesen, die freudige Bewunderung aller Freunde derTugend erworben!
Wenn eS Uns, Eurem Bischöfe, in den Drangsalen jener Zeit und in denschweren Kümmernissen, die Unser Herz ängstigten, ein reicher Trost war, so oft Wirerfuhren: wie fest Ihr standet in den Versuchungen, wie wacker Ihr kämpftet, wietreu Ihr wachtet, wie unerschüttert Ihr ausharrtet, wie geduldig Ihr die Schmachvor der Welt trüget, um die Ehre vor Gott zu retten; — so wird es auch demheiligen Oberhaupte unserer Kirche in den schmerzvollen Prüfungen, welche dieunerforschliche Weisheit GotteS über Ihn verhängte, kein geringer Trost gewesen seyn,zu hören: wie Ihr, seine in fernen Ländern wohnenden Kinder, von Eurem GlaubenZeugniß gebet, an Eurer geistigen Vollendung arbeitet und Eure heilige Kirche durcheinen gottgefälligen Wandel verherrlichet! Und wie muß es Euch erheben, Ehrwür-dige Brüder, wenn Ihr daö Felo Eurer Thätigkeit, das ehemals Unkraut, Distelnund Dornen trug, würdig deS ewigen Feuers, nun mit gutem Waizen gesegnetsehet, werth, in die himmlischen Scheuern gesammelt zu werden!
Und endlich Ihr, geliebte Diöcesanen, die Ihr durch den schönen Sieg überEuch selbst zum Bewußtseyn Eurer Menschenwürde, Eures Christenberufs, EurerGotteskindschaft und Eures seligen ErbeS im Himmel gelangt seyd; — mit welchemFrieden im Herzen, mit welchem Troste Eurer Seele, mit welchem Danke gegenGott, mit welcher Liebe zn JesuS, Eurem Erlöser, dem Ihr auf dem Wege derSelbstverleugnung nachgefolgt seyd — müsset Ihr jetzt schon auf die Segnungen, dieIhr in Eurem innern und äußern Leben durch daS freiwillige Gelübde der Enthalt-samkeit errungen habt, Hinblicken, wenn Ihr heute die heilige Arbeit an Euch selbstdurch das Wohlgefallen deS sichtbaren Stellvertreters Jesu Christi ausgezeichnet sehet.
WaS sollen wir noch weiter sagen! Wir heben unsere Hände zu Gott, der damächtig ist im Schwachen und bisher so Großes an Euch gethan und flehen: Erwolle daS gute Werk, das Er in Euch angefangen, zu Seiner Ehre und EurerSeelen Seligkeit vollenden! Wir breiten Unsere Arme aus nach Euch, EhrwürdigeBrüder und geliebte Diöcesanen, und bitten und beschwören Euch um der Liebe JesuChristi willen : fahret fort, o fahret fort in dieser heiligen Arbeit! Ermüdet nicht imheiligen Kampfe! Bleibet stark in den Versuchungen! Machet Euch der geistigen Gna,den und himmlischen Schätze würdig welche Euch daö Oberhaupt der Kirche dar-