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fromme Pflicht stellen, und sich ihr mit Gebet und hingebendem Gottvertrauen wid-men, wenn sich auf diese Weise über ganz Oesterreich und ganz Deutschland ein gro-ßes Netz von Haupt- und Nebenvereincn bildet, dann kann eS gelingen, waS bisdahin keiner Staatsgewalt, keiner Preßgesetzgebung und keiner Censur gelungen ist,— nämlich die Buchdruckerpresse wieder zum Dienste GvtteS und seiner Gebote zu-rückzuführen.
Hier, wie überall, steht der Staat in seiner ganzen Ohnmacht da, wenn ihmdie Kirche nicht mit ihren Waffen, mit Glauben und Liebe, zu Hilfe kommt.
„Aber, wird man sagen, die „„katholischen "" Vereine sollen nur kirchliche Ver-eine seyn; indem sie sich auf diese Weise die Reinigung und Heiligung der Pressenicht bloß auf geistlichem, sondern auch auf weltlichem Gebiete zur Aufgabe stellen,überschreiten sie das kirchliche Gebiet, und nehmen zugleich einen politischen Cha-rakter an."
Ich entgegne darauf: Wo ist überhaupt die Gränze bei irgend einer christlichenWerkthätigkeit zwischen „kirchlich" und „politisch" zu finden? Ist zuletzt die Armen-und Krankenpflege nicht auch etwas Politisches? Greift nicht die Erziehung ebenfallstief ein in die politischen Zustände? Alle christlichen Motive, und alle christliche Ge-sinnung, wenn sie znr That werden und in fleischliches Leben übertreten will, hatimmer eine politische Seite. Die enge, unauflösbare Verbindung hicnieden zwischenFleisch und Geist, zwischen Kirche und Staat, zwischen Politik und christlicher Moralhat sich mehr, wie je, in der letzten Zeit auch dem blödesten Auge herausgestellt,und kein frommer Katholik darf sich der Ausübung dieser politischen Seile seinerPflichten entziehen. Mag man solche Vereine politische nennen oder nicht, eS ist einStreit um ein leeres Wort. Die eigentliche Frage heißt: „Sind solche Vereine gut?dienen sie zur Ehre GotteS und zum Nutzen der heiligen katholischen Kirche odernicht?" Und wenn man darauf bejahend antworten kann, so ist dieser Scrupelgehoben. _
M e i n h o I b.
Am 3. Dec. wurden in Charlottenburg die irdischen Ueberreste des Man-nes der Erde übergeben, der nach vielen mächtigen, innern Kämpfen, die sein den-kender Geist ihm bot, bereits an den Schwellen der kath. Kirche stand um Einlaß zubegehren. Der Irrthum war überwunden, aber der Tod überraschte ihn in seinemZögern, daS äußere Verhältnisse ihm geboten. Er arbeitete seit längerer Zeit übereinem Werke, daS, originell in der Behandlung des Stoffes, sich als das Ergebnißdes unermüdlichsten Fleißes documentiren und der gelehrten, wie der ungelehrten Weltvolle Befriedigung gewähren wird. *) Das Werk ist in der Hauptsache vollendet.Gleichsam ahnend den nahenden Tod, arbeitete er die letzten Wochen und vorzüglichdie letzten Tage seines Lebens mit sichtbarer Hast. Der Geist trieb ihn, das begon-nene Werk zu vollenden. Mögen die Erben des zu früh Verstorbenen sich beeilen,ein Werk der Oeffentlichkeit zu übergeben, daS ein dringendes Bedürfniß der Zeit,eine passende Kost für die gegenwärtige Generation.
Einige seiner Freunde, mit denen er fleißig und herzlich correspondirte. setztengroße Erwanungen auf ihn, ja, hofften sogar von seinem neuen Werke und fer-nern Bestrebungen die Conversion des deutschen Nordens. Diesem Ziele waren seineletzten Kräfte gewidmet. Er war ein wahrer, warmer KvnigSfreund, ein vortreff-licher Patriot und voll Begeisterung für Gott und den Glauben. Gott tröste seinearme Wittwe! denn er selbst gab eine Pfarre von 1650 Thalern Gehalt auf, umnur seiner Ueberzeugung treu zu seyn.
') Ueber die Schönheit des katholischen Glaubens und über die UnHaltbarkeit des Protestan-tismus .
Verantwortlicher Redacteur: L. Schönchen.
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