Ausgabe 
12 (28.3.1852) 13
Seite
101
URN (Seite)
  
 
Einzelbild herunterladen
  

101

geneigt, weltlichen Vergnügungen nachzujagen, und sie wird nie, ohne ganz außer-ordentliche Hilfe dcS allmächtigen Gottes, in der kirchlichen Zucht verharren, wennsie nicht von zarter Jugend an zur Frömmigkeit unv Religion angehallen wird, eheder Hang zum Laster die Menschen in Besitz genommen hat." Ihr werdet die Wahr-heit dieser Worte gewiß erkennen, geliebte Eltern! Ein Kind, daS im elterlichenHause schon verdorben ist, dessen Herz durch daS Beispiel und die Lehren der Elternschon in zarter Jugend vom Laster in Besitz genommen ist, kann nur durch ein Wun-der Gottes ein würdiger Priester werden.

Ihr werdet Euch deßhalb auch nicht wundern, geliebte Eltern, wenn ich michvon jetzt an immer genau nach den häuslichen Verhälinissen derer erkundigen werde,die sich zum geistlichen Stande melden, und wenn ich mit unerbittlicher Strengejene von diesem Stande zurückweise, die im elterlichen Hause nicht zu wahrer Gottes-furcht, Frömmigkeit und Sittenreinheit angehalten sind.

AuS allem bisher Gesagten, vielgeliebte Diöcesanen, werdet ihr erkennen, wieungerecht und niedrig die Vorwürfe sind, die man in dieser Zeit der Verwirrung,Leidenschaft und Verblendung der Kirche Christi über ihr Verhalten zur weltlichenGewalt macht.

Die Kirche Christi glaubt, daß Christus wahrer Gott und wahrer Menschist, und deßhalb handelt sie nach dem Befehle, den sie von ihrem göttlichen Lehr-meister empfangen hat. Ihr Glaube ist der alleinige Grund ihreS Verfahrens.

Die Kirche Christi weiß eS wohl, daß, so lange Gott durch gebrechliche Men-schen eine Gewalt ausüben wird, dieser Gewalt immer viele Gebrechen unv Mängelankleben werden. Wie sie aber auch bei Herrschaften, Eltern und Männern, dieder Sünde unterworfen sind, fortfahren wird, die Dienstboten, Kinder und Weiberzu ermähnen:Ihr Knechte gehorchet in Allem dem leiblichen Herrn, nickt alsAugendiener, um Menschen zu gefallen, sondern mit aufrichtigen Herzen aus FurchtGvlleS."Ihr Kinder gehorchet den Eltern in Allem, denn das ist wohlgefällig imHerrn."Ihr Weiber seyd Unterthan den Männern, wie sichS geziemt im Herrn"(Col. 3, 20u. ff.); so wird sie auch, unbeirrt um das Toben der ganzen Weltund bei der klaren Erkenntniß, daß auch die weltliche Obrigkeit menschlichen Schwä-chen unterworfen ist, fortfahren, zu lehren:Jedermann unterwerfe sich der obrig-keitlichen Gewalt, denn es gibt keine Gewalt außer von Gott, und die, welchebesteht, ist von Golt angeordnet."Gebet dem Kaiser, waS deö Kaisers ist." Siewird so lehren, nicht aus Schmeichelei, sondern weil eS ihr Der befohlen hat, vordem sichalle Kuiee beugen sollen derer, die im Himmel, auf Erden und unter derErde sind" M,il. 2, 10). Die Menschen haben sich aus Stolz gegen Gott empört,als Cr selbst über sie seine Gewalt ausübte. Deßhalb müssen sie jetzt auch armenschwachen Menschen gehorchen, um durch Demuth zu Gott zurückzukehren. Das istder Geist, in dem wir Christen Gehorsam üben.

Die Kirche Christi weiß auch, eben so wie der Apostel PauluS , daß, wennsie Menschen oder der W.'It gefallen will, sie Christi Diener nicht seyn kann (Gal.1, 10). Sie weiß, daß man an die Diener Christi die Hand anlegen, sie verfol-gen, sie den Gefängnissen überliefern und vor Könige und Statthalter führen wirdum des Namens Christi willen l^Luc. 21, 12). Dennoch wird sie fortfahren, dasWort Gottes der Welt, dem Hohen wie den Niedern, dem Kaiser wie dem Bettlerzu verkünden; sie wird bis zum Tode allen Mächten der Welt widerstehen, die siezwingen wollen, gegen Gottes Wort zu handeln; sie wird in solchen Fällen antwor-ten:Man muß Gott mehr gehorchen als den Menschen" (Apostelg. 5, 29). Siewird so handeln nicht aus Hochmuth und Stolz, nicht aus dem Geiste der Em-pörung, sondern weil es Christus, der König der Könige, also befohlen hat. DaSist der Geist, in dem wir Christen handeln. Wenn wir den weltlichen Obrigkeitengehorchen, so gehorchen wir Gott, wenn wir ihnen widerstehen, so gehorchen wirGott, Gott allein gebührt unser Gehorsam, unser Dienst und alle Ehre inEwigkeit.