Ausgabe 
12 (28.3.1852) 13
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nie preisgegeben... Die Kirche, durch die Kraft deS Wortes unter dreihundert-jähriger blutiger Verfolgung gegründet, nimmt jetzt wie früher die unbeschränkteFreiheit der Lehre und des Unterrichts so wie der Errichtung und Leitung eigenerUnterrichtSanstalten im ausgedehntesten Sinne als dasjenige Mittel in Anspruch,ohne welches sie ihre göttliche Sendung wahrhaft und in vollem Umfange zu erfül-len außer Stand seyn würde, und sie muß jede einengende Maaßregel auf diesemGebiete als nicht vereinbar mit den gerechten Ansprüchen der katholischen Kirche deutscher Nation ansehen."

Mit derselben Nothwendigkeit fordert die Kirche zweitens das Recht der freienBildung, Berufung und Anstellung ihrer Geistlichen. Sie müßteihren göttlichen Glauben und ihre göttliche Verfassung aufgeben, wenn sie jeeiner weltlichen Gewalt das Recht der Uebertragung priesterlicher Machtvollkom-menheiten zuerkennen wollte. Der Pfarrer hat den Auftrag, tie Lehre Christi zuverkünden, die heiligen Sacramente zu spenden, die Pfarrgemcinde in ihren geistlichenAngelegenheiten zu lenken und zu leiten. Diese Machtvollkommenheit hat aber nachkatholischem Glaubenssatze die Kirche und nicht der Staat, und deßhalb kann nurdie Kirche und nicht der Staat diese Gewalt übertragen und Seelsorger anstellen.Alle Mitwirkung deS Staates kann sich bei den Besetzungen nur auf einen Vorschlagbeschränken, wenn ein besonderer Rechtsgrund und eine Verleihung der Kirche dazuvorliegt. Wenn der Staat mehr verlangt, so hebt er, so viel an ihm ist, diekatholische Kirchenverfassung auf und bestreitet das Recht ihres Bestandes. Ihr wer-det eS daher gewiß nickt als Herrschsucht betrachten, wenn die Kirche auch diesesheilige, wesentliche Recht zurückfordert. Innig hängt hiermit das Recht auf freieBildung und Erziehung ihrer Priester zusammen, und da ich über dieses natürlicheRecht wohl nichts zu sagen brauche, so benutze ich diese Gelegenheit, um einigeWorte an Euch, geliebte Eltern, zu richten. Die Kirche nimmt ihre Priester auSallen Ständen und Lebensverhältnissen. Der Kirchenralh von Trient hat deßhalb inBezug auf die Aufnahme in die Seminarien ausdrücklich angeordnet:Die Kirchewill vorzüglich die Söhne der Armen gewählt haben, ohne jedoch die Söhne derReichen auszuschließen" (Sitz. 23, K. 18). So ist eS denn geschehen, daß, wiedie ersten Priester der Kirche Christi Fischer vom See Genesarclh waren, so auch bisheute die Mehrzahl ihrer Priester den ärmern Ständen angehört, und während denArmen die höhcrn Stände der Welt in der Regel verschlossen sind, so hat Christuseben sie vor Allen zur höchsten Würde auf Erden, zur Priesterwürde in seiner Kircheberufen. Darin zeigt sich eben wieder der erhabene göttliche Charakter der Kirche,die nicht auf menschliche Mittel, sondern auf GotteS Wort gegründet ist.

Um so mehr ist eS aber auch Eure Pflicht, geliebte Ellern , dazu mitzuwirken,daß die Kinder, die Ihr dem Priesterstande zuzuführen gedenkt, wenn auch arm anzeitlicher Habe, so doch nicht arm an Tugend und Siltenreinhcit seyen. Vor Allembitte ich Euch bei Euerm eigenen Seelenheile und dem Seelenheile Eurer Kinder,geliebte Eltern, laßt Euch nie durch die Hoffnung auf zeitlichen Gewinn dazubewegen, Eure Kinder für den geistlichen Stand zu bestimmen. Ihr könnt keinenschwereren Fluch auf Euch laden, als wenn Ihr den geistlichen Stand als einezeilliche Versorgung betrachtet und Eure Kinder nöthiget, gegen ihren Beruf eineso heilige, aber auch so schwere, verantwortungsvolle Bürde zu übernehmen.Nie-mand," sagt der Apostel,soll sich selbst diese Würde nehmen, sondern nur wer wieAaron von Gott dazu berufen ist" (Hebr . 5, 4). Das erste Zeichen deS wahrenBerufes ist eS aber, daß Ihr und Eure Kinder im geistlichen Stande nicht zeitlichenVortheil sucht, sondern nur die Erfüllung des göttlichen Willens, nur die EhreGoltcs und daS Seelenheil der Menschen.

Eben so wichtig ist eS ferner, daß Ihr die Kinder, bei denen Ihr diesen hohenBeruf voraussetzt, mit besonderer Sorgfall zu aller Tugend und Frömmigkeit schonim elterlichen Hause von zarter Jugend an erziehet.Die Jugend," sagt der Kir-chenrath von Trient (Sitz. 23, K. IS),ist, wenn sie nicht recht geleitet wird, sehr