Ausgabe 
12 (6.6.1852) 23
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arger und allgemein bekannter Säufer. Dem aber gingen die Dinge, welche er hiererlebte, durch Mark und Bein. Herr Caplan Heythausen, welcher am frühen Mor-gen zu dem Deliranten gerufen wurde, traf denselben in den letzten Zügen; ein paarSecunden noch, und er stand vor seinem Richter. Der Andere ließ in Folge dessenauf der Stelle den Herrn Caplan Kleuter zu sich bitten, und empfing auf sein e ge-neS inständiges Bitten die heiligen Sterbsacramente, weil, wie er laut zu seinenLeidensgefährten sprach, wenn es mit ihm ein Ende im Delirium nehmen sollte, erwenigstens mit Neue über sein vergangenes Leben vor Gottes Richterstuhl hiiurctenwolle; er wolle nicht den Hundetod sterben, wie jener sein unglückseliger Freund;wenn er auch ein Hundeleben gelebt habe, so wolle er doch den Herrn Caplan Heyt-hausen noch um Verzeihung bitten, daß er die Enthaltsamkeits-Bruderschaft so oftlächerlich gemacht und verhöhnt habe. Die Kranken, die im Zimmer lagen, stauntennatürlich über einen solchen Erguß, und ein ehemaliger großer Säufer, aber seitacht Monaten treuer Enthaltsamkeitsbruder, beglückwünschte ihn von seinem LeidenS-lager auS. Herr Caplan Kleuter hatte sein heiliges Amt geübt; aber noch brann-ten die beiden geweihten Kerzen auf dem Altartischchen neben dem Crucifire, alsHerr Heythausen zum zweiten Male inö HauS trat, um eine andere gefährlich dar,niederliegende Kranke zu besuchen. Der Saal des Erdgeschosses, wo die Männerlagen, stand noch halb offen. Der Caplan geht hinein und tritt auf den Wink deSso eben mit den heiligen Sacramenten versehenen Menschen an dessen Bett, als dieserganz laut etwa so beginnt:Herr Caplan, nehmen Sie mich auf in die Bruderschaft,ich bitte Sie, um Jesu Christi willen; ich habe Sie vielfach beleidigt (dazwischenweinte der Arme fast laut auf), habe schlecht gesprochen vom Mäßigkeitsverein; ja,ihr Alle möget es nur hören, ich bin ein großer Sünder gewesen, aber ich flucheund vermciledeie den Schnaps; will der Herr mich holen, so kann ich ihm doch sagen,daß ich Reue gehabt habe und im Mäßigkeitsvereine bin; jeden Abend will ich, umnicht mit der bösen Gesellschaft wieder zusammenzukommen, gleich nach der Arbeitbeten und um acht Uhr zu Bette gehen." Die Kranken hatten sich während demaufrecht gesetzt in ihren Betten, ein paar Schwestern blieben staunend stehen undsahen auf den Unglücklichen hin, der jetzt leise zu beten begann. Wie ich höre,ist der Caplan nach Verlauf von etwa einer halben Stunde zurückgekehrt, und hatden bemitleidenSwerthen Menschen für eine Viertelstunde vielleicht sür ein langesLeben noch! unendlich glücklich dadurch gemacht, daß er ihm den Gelöbniß- undAufnahmcschein in die EnthaltsamkeitS-Bruderschast einhändigte, mit der Anzeige undBitte, er sey nun der 39ste notorische Säufer, der in Geldern eingetreten, und mögefür seine 33 Vorgänger, so wie für sich selbst um die Gnade der Beharrlichkeit zuGott flehen. Dieser versprach es unter Thränen. Einige Zeit nachher begann erheftig zu zittern, sprang aus dem Bette heraus und eilte aufs Gerathewohl durchsZimmer. Einer der Kranken schellt; die Schwester eilt herbei; das äelirium trsmensist ausgebrochcn. Gott sey ihm gnädig! Außerdem liegt augenblicklich noch eineSäuferin im Wahnsinn, die das ganze höllische Heer an sich vorbeiziehen sieht; undbei acht bis zwölfen steht dieses Elend tagtäglich zu erwarten. Auf der Bruderschaftruht GotteS Segen sichtlich; mit Einschluß deS für die Kinder und sür die sich selbstnicht trauenden Erwachsenen bestimmten Vereins zählt sie jetzt 932 Mitglieder; undseit dem 2. d. M., dem Monatssonntage, als an welchem Tage regelmäßig diefeierliche Aufnahme in der Kirche stattfindet, hat sie sich mit neun früher allgemeinbekannten Säufern bereichert, deren einer seine alte Schuld damit sühnen zu wollenbekennt, daß er sich verhöhnen lassen und Andere anwerben will. O, möchte doch derStaat endlich gegen die verheerende Pest deS Branntweins einschreiten!"

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Der Bischof von PoilierS hat neuerdings einen Hirtenbrief erlassen in Betreffde^ö Werkes der Gründung und Unterhaltung von Priester-Seminarien (welches die