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hier in Verpflegung geben. ES würde den Transport nach Frankreich vielleicht nichtaushalten und darum habe ich eS jedenfalls hier taufen lassen. Von den fünfund-zwanzig Kleinen sind zwei sehr krank; ich habe nicht den Muth gehabt, sie in denHänden der Türken zurückzulassen.
„Am 1. Mai bin ich in Alerandrien. eingetroffen. Die Missionäre und diePP. FranciScaner vom heiligen Lande haben den Monat der heil. Maria mit großerFrömmigkeit gefeiert.
„Der Vicekönig hat den erwähnten PP. FranciScanern eine ausgedehnte Land-strecke am Nil behufs der Erbauung eines Klosters geschenkt; Monsignor PerpetuaGuasco, apostolischer Vicar für Ober- und Niederägypten, gedenkt daselbst eineAnzahl Geistliche unterzubringen, welche mit der Seelsorgc für die ringsumher zer-streut wohnenden katholischen Familien betraut werden sollen. Der Ort, an welchemdas Kloster gebaut werden soll, heißt Cafr-el-Zajait; er ist zwei Stunden von demgroßen Dorfe Tauta entfernt, in welchem alljährlich zwei bedeutende Jahrmärkteabgehalten werden. Obwohl Monsignor GuaSco nur das zur Erbauung eines Klo-sters unumgänglich nöthige Terrain verlangte, so bewilligte ihm doch der VicekönigauS eigenem Antriebe zehn Fcddans Erdreich, d. h. so viel Grund und Boden, alszwei paar Ochsen in zehn Tagen durchpflügen können. Im vorigen Jahre hat derVicekönig den PP. FranciScanern zur Erbauung ihrer neuen Kirche eine MillionZiegel bewilliget. Die mit dem Transporte derselben betrauten Araber hatten 135.000gestohlen, die der Vicekönig, als er eS erfuhr, ersehen ließ.
„Die Gönner, welche das Werk der LoSkaufung junger heidnischer Mädchenauö der Sclaverei unterstützen, werden sich freuen, wenn sie von dem Ankaufe sovieler heidnischen Kinder hören und mich gewiß wciterS hierin unterstützen. Ich binfest entschlossen, binnen kurzem hierher zurück zu kommen, um neuerdings eine bedeu-tende Anzahl dieser Unglücklichen loszukaufen. Mein Herz blutet bei dem Gedanken,ihrer viele , in dem Zustande, in welchem sie sich befinden, noch zurücklassen zu müssen.
P. N. G. B. Olivieri."
Am 1. Juni I. Js. wurde die Kirche zur heiligen Anna in New-Aork geweiht.Die Kirchweihe ist schon an und für sich ein erhebender Act mit ungemein sinnvollenCeremonien; hier war sie aber noch durch andere Umstände bedeutend. Die nämlicheKirche hatte lange den PreSbyterianern Dienste geleistet, dann den Episkopalen, her-nach den Swedenborgianern, und endlich wurde sie diesen vom Erzbischofe abgekauft.
Vier Wochen amerikanischer Thätigkeit reichten hin, um das Gebäude völligumzugestalten, einen Altar und Chor zu erbauen, Statuen auszustellen und Beicht-stühle, und um die nackte Wand des protestantischen Tempels mit Fresken zu bedecken.Von der Spitze des mehr als 20V Fuß hohen Thurmes verschwand die Wettersahne,das Symbol der Wandelbarkeit, und an seiner Stelle glänzt ein breites vergoldetesKreuz, daS Symbol des Opfers und der Beständigkeit.
Für diese Pfarre ist vr. TorbeS berufen, der vor einigen Jahren noch ein durchseine Beredsamkeit eben so wie durch seine Frömmigkeit berühmter Pastor war, unddessen Uebertritt zur katholischen Kirche und dessen Priesterweihe hier so viel Aufsehenmachte, wie etwa NewmanS in England . Seinem Beispiele werden viele Protestantenfolgen, und schon umstanden ihn beim heiligen Opfer eine Menge anderer Pastoren,die auch katholische Priester geworden waren.
Die Einweihung geschah vom Erzbischof von New-York unter Assistenz der Bi-schöfe von Boston, LouiSville, Pittöburg und Nashville , die den Glanz der Ceremonieerhöhen und dem vr. TorbeS einen Beweis ihrer Zuneigung geben wollten. DaöGedränge war sehr groß, obwohl man zur Deckung der Kosten 2 FrcS. und 60 Cent.Eintrittsgeld bezahlen mußte, das selbst viele Mägde nicht abhielt, einen Feiertag zumachen und der heiligen Handlung beizuwohnen.
Verantwortlicher Redacteur: L. Schönchen, VerlagS-Jnhaber: F. E. Kremer