Ausgabe 
13 (2.1.1853) 1
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einer christlichen Erziehung voraus, durch welche dem Gedächtnisse die Bedeutung derQuatemberzeit und des FastenS eingeprägt wurde.

Dem Gläubigen sind die vier Quatember - eben so viele geistliche Jahreszeitenzur Erneuerung und Fortbildung des geistlichen Lebens, so wie Frühling, Sommer,Herbst und Winter die stufenweise Entwickelung des NaturlcbenS bezeichnen.

Weil aberdie Erde von ihren Einwohnern angefüllt worden ist," so bedürfendieselben der Vermittelung des PriestertbumeS; darum sind seit den Zeiten der Aposteldiese Tage, an welchen früher die Priesterweihe stattfand, eingesetzt, damit jederkatholische Christ zum Hohenpriester des neuen Bundes flehe, daß Er würdige Priesterschicke, und Arbeiter sende in seine Ernte. (Oesterr. Volksfr.)

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Paris.

Paris , im November. Die Kirche der Deutsche» bot dem christlichen Herzenvom 13. bis 15. d. M. ein wahrhast rührendes Schauspiel dar. Zum ersten Malward ihr die Gunst, an der ewigen Anbetung, die in Paris eingeführt ist,Theil zu nehmen. Die Deutschen wußten diese Gnade zu würdigen; von fünf Uhrfrüh bis neun Uhr Abends umknicken sie in großen Schaaren den reichgeschmücktenAltar, und beteten laut den Rosenkranz, oder sangen Lieder zu Ehren deS allerheilig-sten SacramemeS. Bei ihrem heiligen Eifer im Empfang der heiligen Sacramenteglaubte man sich in eine jener Pfarreien deS katholischen Deutschlands versetzt, wonoch der Glaube seine ganze Macht ausübt. Die Franzosen waren tief bewegt beidiesem Anblick. Einer der Herren Gencralvicare hielt das Hochamt; die ehrwürdigenDominicaner haben täglich Nachmittags um drei Uhr franzosisch gepredigt; um achtUhr Abends war die deutsche Predigt. Diese Andacht wurde von dem hochwürdig-sten Erzbischof von Paris , Sibour, mit einem feierlichen Segen geschlossen. Seineerzbischöfliche Gnaden ließen sich durch die späte Abendstunde, das stürmische Wetterund die weite Entfernung nicht ablialten, der ärmsten Kirche und der ärmsten Bevöl-kerung seiner Diöcese einen Beweis seiner Liebe zu geben. Eine Deputation erwarteteden Prälaten mit brennenden Kerzen und geleitete ihn zur Kirche, die buchstäblichmit Gläubigen angefüllt war, uud von der Tausende aus Mangel an Platz ausge-schlossen blieben. Der Erzbischof richtete an diese so außergewöhnliche und aller Be'achtung würdige Versammlung Worte, wie sie nur auS dem Vaterherzen kommenkönnen. Er sprach etwa Folgendes:

Meine vielgeliebten Brüder! Ich bin gekommen, um mit euch den im heilig-sten Sacramente verborgenen Gott anzubeten, und nm die Lehren zu vernehmen, dieer uns ertheilt. Ich bin gekommen, um seine Liebe, seine Demuth, seinen Gehorsam,seine Geduld zu bewundern. Nicht zufrieden, das Opfer für uns am Kreuze gewesenzu seyn, wollte er uns noch sein Fleisch und Blut zur Speise und zum Trank geben,nnd darum mußte er nicht nur seine Gottheit, sondern selbst die Glorie seiner Aufer-stehung unter den Gestalten von Brod und Wein verbergen .... Meine geliebtenBrüder! Welch' Beispiel der Demuth, deS Gehorsams für unS; wie lehrt erunS, die Güter dieser Welt zu verachten, aber vor Allem, welche Geduld zeigter auf unsern Altären. Denn wie viele Sakrilegien werden nicht begangen, welcheLästerungen stößt man nicht gegen ihn aus, und Er, der Flammen auS seinemTabernackel hervorbrechen lassen könnte, erträgt AlleS mit Geduld, um unS zu lehren,daß wir hienieden sind, um zu leiden, und nicht um unS zu rächen! Meine viel-geliebten Brüder! ES ist mir ein großer Trost, mich in eurer Mitte zu befinden.Schon längst kannte ich den Glauben deS deutschen Volkes; ich wußte, daß diechristliche Frömmigkeit die Herzen der Katholiken eures Landes belebt; ich bin jüngstselbst Zeuge davon gewesen. Ich habe die vorzüglichsten Städte Deutschlands besucht,und bitt überall von dem Glauben und der Frömmigkeit ihrer katholischen Bewohnertief gerührt worden. Sittlichkeit und Civilisation stehen bei ihnen auf hoher Stufe,