Ausgabe 
13 (2.1.1853) 1
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Verzeihung bat, wenn seine MissionSgefährten je den einen oder andern von ihnensollten gekränkt haben, wäre doch nie gegen die Personen, nur gegen die Sünde ihrErnst gerichtet. Für die Wenigen, welche daS Wort des Lebens von sich gewiesen,gleichwie für die Missionäre und deren Wirken im Dienste GotteS und der Menschen,forderte er sie auf, zu beten. Nachdem er noch die Bewohner des HauseS der Hirten-pflege und der Hirtentreue ihres Seelsorgers warm empfohlen, segnete er ihrer AllerWollen und Thun für die Gegenwart und für die Zukunft mit dem Bilde deSGekreuzigten, auf welches sie zu Trost und Stärkung fortan ihre Blicke richten sollten.Darauf wurde der ambrosianische Lobgesang angestimmt, aus vollen Kehlen gesungen,sodann der Segen gegeben. Den Dankesworten des Herrn Seelsorgers des HauseSfolgte die Dankesrede, welche ein zeitweiliger Bewohner deS StrafhauseS vortrug.

Möchte doch der blasirte Weltling, welcher die Achsel zuckt, so bald von Mis-sionen und Missionären die Rede ist, die Frage sich stellen: welchen Lohn, welchenGewinn an Ansehen, Reichthum, Bequemlichkeit, Gellung vor der Welt haben dieseMänner dafür, daß sie durch acht volle Tage mit Sträflingen gleichsam sich ein-sperren lassen, vom frühen Morgen bis in den späten Abend, alle ihre Zeit und alleihre Geisteskräfte ihnen widmen, jetzt in Predigten, dann in der ungleich mühevollernund anstrengendern Arbeit deS BeichthorenS und vermuthlich solcher Beichten, dieungleich schwerer zu behandeln sind, als diejenigen eineS Christen, der vielleicht alleMonate in dem Beichtstuhl erscheint? Kann hier ein anderer Beweggrund obwalten,als daS warme Verlangen, in deS guten Hirten Fußstapfen zu treten? Die böseWelt spricht sogar davon, daß die guten Väter die Erlaubniß, ihren-uneigennützigenEifer in dem StrafhauS anwenden zu dürfen, hätten bezahlen müssen, indem jedemderselben eine JuriSdictionstare von dreißig Kreuzern sey auferlegt worden. Diesesalberne Mährchen ist ein neuer Beweis, wie in unsern Tagen der üble Wille daraufausgeht, selbst dem Reinsten und Edelsten, sobald eS an die Kirche sich anknüpft,etwas anzuhängen. Denn wo in der Welt käme es vor, daß gute Werke,bei denen der Mensch gleichsam sich selbst zum Opfer darbringt, mit einer Tarebelegt würden? Demgemäß hätte auch unser Herr, als er aus Erbarmen, wie derEvangelist sagt, die 50dl) Menschen wunderbar speiste, für dieselben die VerzehrungS-steuer, hätte eine solche damals bestanden, entrichten müssen. (D. Volköh,)

Der Berein der heiligen Kindheit.

In Aachen, Mainz, München und Wien bestehen Centralräthe deS Vereinesder heiligen Kindheit, und des letztern Präsident ist der hochwürdigste Fürst-Primasvon Ungarn. AIS Zeichen besondern Wohlwollens hat deS Kaisers Franz Joseph jüngster Bruder, Erzherzog Ludwig , daS Ehrenpräsidium angenommen. Nach demletzlen Rechnungsausweis deS Vereines betrugen die Einnahmen vom 1. Mai 1851bis 1. Mai 1852 e. 400,000 Fr., obwohl von allen Seiten die angekündigten Bei-träge noch nicht eingegangen waren. Fast ganz Europa und Amerika , Klein-Asten,Persten, Ostindien, Aegypten und Algier , die Insel St. Moriz und die SandwichS«Inseln haben zu dieser Summe beigesteuert. Die Ausgaben betragen über 378,000 Fr.,wovon 300,000 Fr. den Missw!^u von China, Cochinchina, Tongking, Siam undMayssur angewiesen wurden. Nach Angabe deS Pariser CentralratheS sind im Jahre1850 20,000 Heidenkinder in Todesgefahr getauft worden (darunter 10,000 alleinin dem apostolischen Vicariat von Sutschuen); die meisten sind bald nach der Taufein die ewige Herrlichkeit eingegangen, um am Throne deS Allerhöchsten ihren Wohl«thätern und dem Vereine der heil. Kindheit Glück und Segen zu erflehen. (Sion.)

Veraulw örtlicher Redacteur: L. Schönchen,

VerlagS-Jnhaber: F. E. Kremer.