Ausgabe 
13 (9.1.1853) 2
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um die gleiche Zeit,dafür verdienst du keinen Vorwurs, zumal eS in der Kammergeschab. Der Bericht über eure Musik hat mich lachen gemacht. Der Elconora aberkannst Du einenguten Filz" dafür geben, daß sie mir so gar nichts davon schreibt.Sie thut gar zu heilig; wäre Sie eS wirklich, dann sollte eS mich freuen." Balddarauf sagt sie:Ich habe mit Vergnügen von eurem fröhlichen Leben im Faschinggehört. Du hast recht gethan, daß Du auf Herrn MarenS (ihres ObersthofmeistersMaximilian von Schrattenbach) und deines Hofmeisters Rath eine Maskerade veran-staltet hast. Bei unS hat man nichts davon gemerkt, daß es Fasching sey."

Dieser brachte jährlich allerlei Erheiterndes für den Gratzer Hof. Schlitten-fahrten, Schauspiele, Tänze wechselten. Dock standen diese mit dem Laufe der Ge-stirne und der weislich angeordneten Bestimmung der Tageszeiten noch nickt im Wider-spruch. Die Schauspieler waren meistentheils Engländer unter der Leitung einesManneS, der als Katholik dem Blutdurste der sogenannten jungfräulichen Königinsich hatte entziehen müssen; sein Name war Spencer. Noch in lhrem letzten Lebens-jahre nahm Maria an den Ergötzlichkeiten der Faschingszeit freudigen Antheil, und eSwird unS berichtet, daß dazumal sowohl für den Tag als für den Abend allerleiMunteres und Festliches erdacht wurde, wozu die anwesenden Herren und Rittervnrch sinnreiche Veranstaltungen nicht wenig beigetragen hatten.

Ein solches FaschingSstücklein wird meine verehrtesten Zuhörer gewiß jetzt nocherheitern. Die Herren versteckten eines TageS hundert lebendige Hasen in verschiedeneTheile der Stadt. Bald darauf bliesen die Hörner zur Jagd, zogen jene mit ihrenHunden daher, wurden die Hasen losgelassen. DaS war ein Halloh durch alleStraßen. Die Einen unter den Einwohnern fürchteten bei dem Gelärme, sey einFeind eingebrochen und verschanzten sich hinter ihren Hausthüren; Andere glaubten,eS sey Feuerlärm, und ließen Wasser herbeitragen; der Rector der Jesuiten Deinte,man müsse sich gegen herantobendes Volk in wehrhafte Fassung setzen und vertheilteunter die Zöglinge, die eben bei ihrem Mittagstische saßen, Spieße, Prügel, Steineund stellte sie zur Wache an Thüren und an Fenster. Der Bischof von Lavant,gerade als Gast in dem Kollegium, sprach Muth ein. Wie er aber draußen schallen-des Gelächter hörte, öffnete er ein wenig daS HauSthor, um zu sehen, was dennvorgehe; da wischten augenblicklich fünfzehn der verfolgten Hasen hinein, indeß derUniversitätSkanzler, der nur das Getümmel hörte, mit lauter Stimme rief: «DerFeind ist da! Brüder, auf zum Kampf!" Der Rector aber, bereits besser informirt,winkte, daß jeder die Wehre ablege, worauf die Kampfeslust gegen die zitterndenThierchen sich wendete, die als willkommener Braten in Empfang genommen wurden.

Der heitere Sinn der Erzherzogin spricht sich besonders aus in dem Tone ihrerBriefe. Sie lieble eS, dieselben mit launigen Einfällen, mit humoristischen Ausdrückenzu würzen. So spricht sie von demgnädigen Stallmeister," den sie ein anderesMal einenstetigen" nennt, von demgemalten Kaiser" zu Prag . Einmal läßt sieihren Kindern die Drohung zugehen,sie werde so spanisch werden, daß man sienicht mehr kennen solle." Dem Freiherrn von Rumpf schrieb sie:von Herzen gönnesie dem Erzherzog Albrecht sein BiSthum (Toledo in Spanien ); sie müsse bekennen,vaß weder in Kärnthen, noch in Steiermark dergleichen Pfarreien zu finden wären."Der Auftrag, einem Kammerdiener zu sagen:Wenn er sich betrübe, werde man ihnauf die Galeeren schicken, damit es ihm vergehe;" einem andern:DaS Meer seydoch noch größer als der Starnbergersee seines Vaterlandes," beurkundet eine heitereLeutseligkeit, die auch Untergebene der Erzherzogin gewinnen mußte. Schreibt sie demSohne:Ich höre gern, daß dem Tanhauser der Bart wächst, der wird rauschenwie der des AdamS; komme ich nach HauS, so will ich sehen, wer dessen mehr hat,Du oder er;"> gibt sie ihm den Wink:wenn er vor ihr zu Mariazell eintreffensollte, so wolle er doch nicht Alles aufzehren, damit auch für sie noch etwas übrigbleibe;" so begegnen wir hierin, im Vergleich mit der Weise, wie sie aewichtigeAngelegenheiten zu besprechen pflegte, jener glücklichen Stimmung, welche je in demschicklichen Augenblick so Ernst als Munterkeit sich eigen zu machen versteht.