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Bei der treucstcn Obsorg« für vic Kinder, bci niemals zweifelhafter Bereit-willigkeit denselben Freude zu bereiten »der zu gönne», hielt Maria eben so fest anihrer mütterliche» Autorität, als diese von jenen Allen bereitwillig mit einer in unser»Tagen selten mehr vorkommenden Ehrerbietung anerkannt wurde. Da begegnen wireinem Verhältnisse, von welchem schwer zu urtheilen ist, ob dadurch die Stellung derMutter zu den Kindern, oder diejenige der Kinder zu der Mutter iu ein helleresLicht gesetzt werbe? In dem hellsten muß eS begreiflicher Weise an Ferdinand hervor-treten, da er in seilier Eigenschaft, als Aeltestcr und als Landesherr, sich leicht znAndcrm hätte berechtigt glauben mögen. Böte auch seine Reise nach Fcrrara, Loretound Rom nicht mancherlei, was jetzt noch unserer Aufmerksamkeit würdig ist, sodürften wir schon deßhalb seiner eigenen verläßlichen Nachrichten über dieselbe uuSfreuen, weil uns damit einer der schönsten Züge in Ferdinands Charakter zur an»schaulichen Kenntniß gekommen ist, wie nämlich die freie Stellung des regierendenFürsten vor der Ehrerbietung deS SohneS gegen die Mutter in den Hintergrundtrat. Der Erzherzog unternahm seine Reise nicht ohne die Zustimmung der Mutter,der er zugleich als Tag der Rückkehr den Johannistag bezeichnete. Tag für Tagerstattete er ihr entweder selbst oder durch seinen Gcheimschreiber Bericht über denVerlauf seiner Reise. Auf dem Heimwege wurde er von dem Großhcrzoge von Flo-renz , seinem nahen Anverwandten, auf daS Zuvorkommendste empfangen. Bei derfreundlichen Behandlung und bei dem vielen Sehenswerthen, was sowohl die Kirchenals die Paläste jener Stadt in sich faßten, überzeugte sich Ferdinand bald, daß erweniger als drei Tage dort nicht verweilen dürfe, und deßhalb erst später, als erzugesagt, in Gratz werde eintreffen können. Wäre nun der Fürst-hier Niemand ver-antwortlich gewesen, so lebte doch in dem Sohne die Ueberzeugung, die Mutter habedaS unbestreitbare Befugniß, Rechenschaft über seine Handlungen zu verlangen, sobalder sich Etwas erlaube, wozu ihre Zustimmung fehle; deßwegen bat er sie ausdrück-lich und dringlich um Verzeihung, daß er seinem Versprechen in Betreff der Rückkehrnicht statt thun könne. Zugleich fügte er zu seiner Rechtfertigung bei: „ihrem Scharf-blicke könne cS nicht entgehen, welcher Werth auf die Freundschaft ausländischerFürsten zu legen sey. Da der Großherzog so vertraulich gegen ihn sich erweise,würde er unfehlbar durch allzufrühcn Aufbruch denselben mißstimmen. In dieser Be-rücksichtigung zähle er auf ihre Nachsicht.""'"«!^
Dieß war aber nicht, wie man etwa meinen möchte, der AnSdruck der Schüch-ternheit eines zwei und zwanzigjährigen JünglingS, sondern cS war tief begründeterCharakterzug, der durch den Lauf von zehn Jahren und unter allen Regentenhand-lungen, die in denselben sich verflochten haben, nicht abgeschwächt werden konnte,indem in seiner Beziehung zu der Mutter der zwei und dreißigjährige Mann genauso sich darstellt, wie der eben selbstständig gewordene Jüngling, und die zarteste kind-liche Liebe als unveränderliche Unterlage dieses CharakterzugcS sich bewährt. ES istrührend zu lesen, wie Ferdinand im Jahre 1608 vor dem Reichstage zu RegenSburg ,wo er deS Kaisers Stelle vertrat, die Mutter, die über Unwohlseyn klagte, „umGotteswillen" beschwor, „ihm und allen ihren Kindern zum Trost ihre Gesundheitsorgfältig in Acht zu nehmen," doch ja mit Schreiben nicht sich anzustrengen; wiesehr er, in ihrer Nähe zu seyn und sie erleichtern zu können sich sehnt; wie gerne erdaS Kopfweh, daS sie befallen hat, und jeden Schmerz, der sie treffen könnte, aufsich nehmen würde. „Wollte Gott, " schreibt er ihr, „ich könnte für E. F. D. leiden,cS sollte von Grund meines Herzens geschehen." Denn er ist fest überzeugt, „daß,so lange sie, die Kinder, die Mutter am Leben wüßten, sie nichts andern als deSgewissen Segens GotteS sich zu getrösten hätten." DaS sind, man fühlt eS denBriefen an, nicht Redensarten, sondern die ungefälschtesten, die goldreinsten Herzens-ergüsse.
ES war damals, als er mit großer Unlust, aber in treuer Anhänglichkeit andaS Oberhaupt deS Reiches und deS HauseS zu RegenSburg weilen mußte, für Fer,dinand eine schwere Zeit. Hier der Reichstag, auf welchem die unkatholischen Stände