Ausgabe 
13 (9.1.1853) 2
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so spießig sich erzeigte», daß derselbe nach viermonatlichem Verlaufe ohne alle Fruchtauseinander ging; dort Erzherzog Mathias, dessen Rüstungen leicht seinen Länderngelten konnten, weil jenen die Irene Vollziehung kaiserlicher Befehle gegen den Vetteraufgebracht hatte. Da bestand zwischen Sohn und Mutter der vertraulichste Brief-wechsel; über jeden seiner Schritte sctzt er sie in Kenntniß und nimmt rücksichtlichjedes desselben Zuflucht zu ihremhocherlcuchteten Verstand."In nichts," schreibter ihr,werde er ohne ihren Rath sich einlassen. Sollte er in irgend einer wichiigcnStaatsangelegenheit nicht den richtige» Weg eingeschlagen haben, so wollr er ihrermütterlichen- Zurechtweisung gerne sich unterziehen.» Da Mathias eine Zuschrift anihn hatte abgehen lasse», welche Ferdinand mit Recht als einhitziges Hautbricfcrl"bezeichnen konnte, sandte er dasselbe sammt dem Entwürfe einer Antwort d^r Mutterzu, und wollte diese nicht abgehen lasse», bevor sie nicht mit einigen nr vertraute-sten Räthe entschieden hätte, daß die Erwiderung in dieser Form dem Vuier mögezugesendet werden. Ihrem Ermessen stellte er anheim, welche Vorkehrung^» bezüg-lich der Sichcrstelluttg des Landes zu treffen wären, dessen aber vorzüglich nahmMaria, bloß ein paar Wochen vor ihrem Hinscheiden, mit einer Geisteskraft undmit jener Entschiedenheit sich an, welche zu aller Zeit ein besonders hervortretenderTheil ihres Wesens war.

Die Gesinnung gegen ihre Kinder spricht sich am schönsten auS in einem Briefe,den sie einst aus Veranlassung einer für sie höchst wichtigen Frage dem Freiherrnvon Rumpf schrieb:Dessen," sagt sie ihm,mögt Ihr Euch zu mir versehen, daßich gegen meine Kinder eine solche Mutter bin, und so Gott will, bleiben werde,um so lange sie sich wohl gegen mich verhalten, nichts Anderes zu suchen, als derenNutzen. Was ich verlange, geht weder auS Vorwitz noch auS Eigensucht, sondernaus wahrer Fürsorge um dieselbe» hervor. Ich habe mir diese Jahre her genuggelitten, so daß ich jetzt dessc» satt bin; wüßte ich aber, daß eS meinen Kindern zumNutzen dienen könnte, so wollte ich cS noch gerne länger über mich nehmen undweder Mühe noch Arbeit scheuen." Als sie ihre Tochter Maria Christina in gefahr-voller Zeit und bei herrschender Unsicherheit durch die Türken nach Siebenbürgen begleiten sollte, schrieb sie eben Demselben:Gerne wollte ich für sie sterben, wennihr damit geholfen wäre."

Dergleichen Aeußerungen weisen aufs entschiedenste jeden Verdacht zurück, alswäre ihr strenges Aufmerken, daß während ihrer Abwesenheit, ohne ihr Vorwissenund ohne ihre Zustimmung in dem Hause Nichts von Bedeutung vorgenommen werde,auS einer andern Regung, als auS der treuesten mütterlichen Fürsorge, hervor-gegangen. Allerdings sollte während ihrer Reise nach Spanien Ferdinand in Bezugauf seine Geschwister die Stelle des Hausvaters vertrete», aber bloß innerhalb derGränzen der Aufsicht und deS ErmahnenS. Alles Uebrige behielt die Erzherzogin sichselbst vor, und nichts sollte ohne ihr Gutheißen geschehen. So vernahm sic unter-wegs, ihre jüngern Söhne wollen sie zu Ferrara mit einem Besuche überraschen.Das," schrieb sie Ferdinand,glaube sie nicht, weil sie sichS nicht denke» könne,daß er ohne ihr Vorwissen ihnen' fo etwas erlauben würde." Während der Abwesen-heit der Mutter ließ Ferdinand seinen jüngern Schwestern die hl. Firmung ertheilen.Damit," bemerkte sie ihm.hätte er wohl bis zu ihrer Rückkehr zuwarten können;würde sie die Sache für gut erachtet haben, sie wäre von ihr selbst angeordnet wor-den. In ihrer Abwesenheit hätte er sich keiner Neuerung unterstehen soiUn." Nochentschiedener drückte sie ihre Verwunderung darüber auS, daß Ferdinand seine Schwe-ster Eleonora reiten lasse;hätte sie das gewollt, so würde dieselbe längst schonUnterricht im Reiten erhalten haben." In der ScheivungSsache der ErzherzoginMaria Christina von dem Fürsten von Siebenbürgen wollte daher Ferdinand ohneWeisung der Mutter nicht daS Mindeste thun; sie aber gab ihm Vollmacht dazu,doch nur in Beziehung auf das, waS nicht bis zu ihrer Heimkunft sich ausschiebenlasse. Eben so glaubte sie, die Einsetzung Leopolds in das BiSthum Passau könnebis dorthin auf sich beruhen, damit sie ihn erst ausstatten und mit ihm reden könne