Ausgabe 
13 (9.1.1853) 2
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Unterwegs wurde ihr gesagt, ihre Tochter Maria Christina gedenke nach München zu reisen. Da bemerkte sie dem Sohne abermals:DaS könne sie nicht glauben, dasie niemals um Erlaubniß hierzu sey gefragt worden," und fügte bei:Du undMaria kennen die Welt noch nicht, wie ich sie kennen gelernt habe; wohl Dem, derbei der dcntschen Einfalt bleibt." Entschieden mißbilligte sie, daß Ferdinand seineSchwestern mit sich ans die Jagd nehme.Er sey," war ihre Einwendung,nichtverheirathet; die Schwestern seyen cS auch nicht; die Mutter sey nicht dabei; waSdie Welt dazu sagen würde?" Eben so wenig sollten in ihrer Abwesenheit seineSchwestern öfter mit Männern sprechen.Du bist jung," schreibt sie ihm,wolltestDu Alles thun, waS Deine Schwestern von Dir begehren, Du würdest viel Unrech-tes thun. Maria hat bisher ein gutes Lob gehabt, ich möchte nicht, daß sie dasselbeverlöre."Sie wisse," sagte sie dem Sohne ein anders Mal,wie scharfe Blickeauf ihre Kinder geworfen würden und wie sehr das schnell fertige Urtheil der Weltzu befürchten sey." Ferdinand selbst aber wollte es sich nicht, kraft eigener Vollmacht,herausnehmen, die Mutter auf der Heimreise in München zu treffen, sondern bat sieerst:sie möchte ihm erlauben, hinauf kommen zu dürfen."

Hinwieder aber, als Maria wegen der Begleitung ihrer Tochter bis nachSpanien den Sohn um Geld angehen mußte, fügte sie bei:Solltest Du finden,daß ich unnütze Ausgaben gemacht habe, so will ich mich zurechtweisen lassen." DerReise wolle sie besonders deßwegen sich freuen, weil er damit zufrieden sey. Soumschlang Mutter und Kinder ein anmuthigeS Band, gewoben aus der treucstenFürsorge, der freudigsten Ehrerbietung und aus der lautersten gegenseitigen Liebe.Wäre F. D. doch wieder bei uns," schreibt Ferdinand schon im dritten Monat nachMariens Abreise, und sie erwidert:Mir ist die Weil so lange, als Euch."Wäreich doch wieder zu Hause unter meinen Kindern!" ist der Herzenswunsch, den sie injedem ihrer Briefe ausdrückt. Es dünkte sie schon ein Jahr zu sevn, seil sie dieselbengesehen. Im Begriffe, zu Genua sich einzuschiffen, schrieb sie dem nachmaligen Kaiser:Ich nehme auf eine weite Reise von Dir Urlaub; Gott der Herr helfe uuS baldwieder zusammen. Du sollst Tag und Stunde wissen, wenn wir abfahren werden.Sterbe ich unterwegs, so bete für meine Seele."

Bei Ferdinand aber beschränkte sich die kindliche Ehrerbietung gegen die Mutternicht auf das Wort; sie prägte sich, für Jedermann wahrnehmbar, allem persönlichenVerkehre mit derselben auf. Niemals erschien der Sohn vor ihr, ohne daß er daSKnie gebeugt hätte; niemals erlaubte er sich, sie anders anzureden, alS:Allergnä-digste Frau Mutter!" So oft sie zu Wagen stieg, bot er ihr den Arm; begleiteteer diesen zu Pferd, so sprang er an der Burg schnell herab, um denselben zu öffnen,um die Mutter die Treppe hinaufzuführen. Alle ihre Wünsche galten ihm als Be-fehle; noch im Tode wollte er neben ihr ruhen. Dort zu Gratz finden sich BeiderSärge, aber in welchem Zustande? ES gereicht der Nachwelt zu schwerem Vorwurf,daß sie die'hohen Tugencen solcher fürstlichen Personen in ihren Ueberresten nichtwürdiger zu ehren weiß.

So darf ich mir wohl Glück wünschen, wenn eS mir gegönnt ist, daS Dnnkel,welches die Mutter, dann die giftigen Nebel, welche daS Bild.dcö Sohnes bisherumhüllt haben, einigermaaßcn zu zerstreuen und darauf aufmerksam zu machen, welcheleuchtende Gestalte» zur Freude, zum Troste und zu der innigsten Hochschätzung einemjeden wahren und würdigen Oesterreicher in ihnen entgegenleuchten. Mein Stoff istnoch nicht erschöpft; ich kann, wenn Sie cS wünschen, noch manches Schöne, wasans die Mutter sich bezieht, mittheilen, und von der Fürstin habe ich im Grnndenoch gar nicht gesprochen.

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Die Jefuitenmifsion in St. Polten .

In den verflossenen Tagen wurde ich lebhaft an die Stunden gespannterErwartung erinnert, welche das christliche Volk zu Antiochien zu Ende des vierten