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Jahrhunderts erlebte, als es nach geschehener Empörung mit glühendem Bußeiferzur Kirche eilte, und dort stundenlange an dem Munde deS beredten PriestersJohannes ChrvsostomuS hing. Wir hatten nämlich hier eine heilige Volksmission,gehalten von Priestern aus der Gesellschaft Jesu . Nach den blutigen Tagen derEmpörung traten diese ehrwürdigen Väter zum ersten Male vor dem österreichischenVolke auf, und kündeten ihm mit heiliger Begeisterung und aufopfernder Liebe durcheilf Tage hindurch die ewigen Wahrheiten des Evangeliums. Und das Volk eilte,wie einst daS zu Antiochien , in die Kirche, und scheute nicht Frost und nicht Unbe-quemlichkeit, sondern hing in lautloser Stille und mit würdevoller Andacht an demMunde der vom heiligen Eifer durchglühten Priester. So konnte es nicht andersseyn, als daß diese Tage wahre Tage der Freude waren, sowohl für das christlicheVolk, als für die hochwürdigen Herren Missionäre . ES waren die PP. Joseph undMar von Klinkowström, Schmude und Rohmann, die durch die Predigt desWortes Gottes und die Spendung des heiligen Bußsacramentes während der Missionmit bewundernSwerther Opferwilligkeil thätig waren. Im Ganzen wurden 42 Pre-digten gehalten, und die Kirche war stets gedrängt voll von Gläubigen aus allenStänden; selbst Protestanten und Juden nahmen fleißig daran Theil. Drei Predigtenwurden im Freien auf dem Dompla»e gehalten, weil der Zudrang deS. Volkes zugroß war. Der Himmel war der heiligen Mission besonders günstig, da währendderselben die schönste Witterung herrschte, mitunter wahre Frühlingstage; und dochfand die Mission im December (12.-22. inel.) statt. Kein Unfall, kein Unglück,kein Erceß trübte das heilige Ereigniß; im Gegentheile wetteiferten die Gebildetenund daS Landvolk, daS in Massen zuströmte, Geistliche, Beamte, Soldaten, Bür-ger u. s. w. in der Kundgebung ihrer gläubig erneuten Gesinnung. DaS Theatermußte auö Mangel an Besuchern während der heiligen Mission geschlossen bleiben.Kurz, eS waren außerordentliche Tage, die wir durchlebten, wahre Tage deS HeileS,die gewiß Allen unvergeßlich bleiben werden, die daran Antheil nahmen. Dieetwaigen Borurtheile, welche gegen die Jesuiten und die Missionen bestanden, schmol-zen schon bei der ersten Ansprache des hochwürdigen P. SuperiorS, Joseph von Klin-kowström, wie Eis beim Sonnenlichte, und man kann annehmen, daß die eifrigenTheilnehmer an der Mission von aller romanenhaften Gespensterfurcht gründlich geheiltsind. Man kann wahrlich nur wünschen, daß die Gesellschaft Jesu auch anderwärtsGelegenheit finde öffentlich aufzutreten, weil Niemand besser als sie selbst durch ihrbloßes Erscheinen sich rechtfertigen kann; und eS klingt wirklich bis zur Erbärmlich-keit lächerlich, wenn man die hiesige Stadt bedauerte, daß sie den Muth hatte, denhochwürdigsten Herrn Bischof um eine Jesuitenmission anzugehen. — Der Gang derMission war, wie überall, der gleiche. Es wurde die ewige Wahrheit, fern vonaller Controverse und Politik, ergreifend und erschütternd dargestellt, und darauf indaS verwundete Sünverherz der Balsam der göttlichen Liebe gegossen. Es ist somitgar nichts Neues, waS man in den Missionen hört; sondern nur daS psychologischeIneinandergreifen der durch innerlich fertige und von keiner Menschenfurcht gehemmtePriester Schlag auf Schlag vorgetragenen Predigten bewirkt mit der GnadeGotteS diese außerordentlichen Erfolge. Mit heiligem Dankgefühle preist man amSchlüsse der Mission den dreieinigen Gott und fühlt sich doppell glücklich, ein Kindder katholischen Kirche zu seyn, der so große Mittel sür daS Seelenheil der Gläubigenzu Gebote stehen. Rührend war die Abbitte vor dem Allerheili'gsten und der weihe-volle Gesang unschuldiger Kinder nach der Marienpredigt; wahrhaft erschütternd diefeierliche Erneuerung deS Taufgelübdes. Außer den gewöhnlichen Standeslehrenfanden auch zwei Predigten für die Soldaten statt; zu allen Predigten, ohne Unter-schied, stand Allen der Zutritt offen. (Oesterr. VolkSfr.)