Ausgabe 
13 (16.1.1853) 3
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Vrey-Hnter Jahrgang.

Sonntags-Betblatt

zur

Augsburger Pojheitung.

15. Januar M^- S 1853.

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GechS Jahre.

Im Jahre lag die Kirche in Deutschland in einem völligen Schlum-

mer. Die betäubenden Mohnkörner des FebronianiSmuS waren allenthalben ausge-streut, und die Zöglinge der Generalseminare standen in dem versumpften Bodenhochaufgeschossen da wie das Rohr (durch und durch hohl) und sich beugend vorjedem Lufihanch und beschienen von der Gunst- und Gnadensonne der Weltgewalten,in allen, beliebigen Farben schillernd wie die Schilfrispen, welche die gebeugten Wogender Rohrgruppen bald silbern, bald röthlich färben, je nachdem der Wind eben seinSpiel treibt und die Sonne ihr Farbenmeer darüber auSgießt. In Frankreich suchtedas GroS der Revolution »ach Gestaltung zu ringen. Der erste Anfall von Blut-durst war gestillt, und die Zeit des Martyriums für das standhaft bekennende Prie-sterthum war abgelaufen. Der von unten rasch aufgestiegene Machthaber hatte demheiligen PiuS VII. ein Concordat abgerungen, welches der Vater der Christenheitnach seinen eigenen Worten denaußerordentliche» Zeitumständen" sich fügend ange-nommen. (Bulle vom 9. Sept. 18t)1.) Aber auch um eine dem Volk offen kundbarwerdende Demüthigung war eS dem Manne der Gewalt zu thun, bald darauf fanddieß Vorhaben seine Ausführung und der Papst muß im Dome von Notre Dameeine Stunde lang auf den neuen Imperator warten, bis dieser zur Salbung erscheint und im trotzenden Hochgefühl eigener Macht und Stärke sich selber die Kroneaufs Haupt setzt. - Derweil docirten in Deutschland die Lehrer des kanonischen Rechte«von den Anmaßungen RomS, wie es ihnen eingeschult und von StaatSwegen gebotenwar, und sie konnten ihren Schülern nicht Furcht und Angst genug beibringen vorRoms Tiraunei und Herrschsucht, vor welcher die Fürsten sich verwahren müssenmit jeder Maaßregel, um jeden Preis.

ES kommt das Jahr 1813. Mit eiserner Faust drückte der emporgekom-men? Mann auS Corsika die deutschen Fürsten nieder, die Bischöfe mußten ihm hörigseyn, er wollte die Kirche als Polizeigewalt mißbrauchen, sie sollte das Volk inGehorsam halten, vor ihm aber sich beugen, und zur Hebung der Industrie dieSchleppe deS mit goldiner, Bienen, als dem Symbole des Fleißes, durchwirktenKaisermantels tragen. Den GallikaniSmuS , daS Unglück der Kirche und der Bour-bonen, webte er, verblendet durch seine Gewalt, hartnäckig in sein eigenes Verhäng-nis PiuS VII. fitzt (seit Mitte 1812) als Gefangener in Fontainebleau , und imJänner 1313 will ihm Napoleon einen neuen Vertrag abtrotzen, er verlangt Bestä-tigung der von ihm ernannten Bischöfe. An der sittlichen Willenskraft des heiligenOberhirten der Christenheit aber scheitert die gewaltige Faust der Willkür. Ein Jahrdarnach ist die Herrschast deS Bezwingers zu Ende; und PiuS VII. hält seinen Ein-zug in Rom. Und immer docirten die KirchenrechtSlehrer in Deutschland das einge-