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klappte Drehorgelstück von der Herrschaft u>^ Anmaßung Roms — jedoch über daseiserne Richtscheit der fränkischen Gewalt schwiegen sie kläglich und klüglich, sprachendavon nur leiSlich, oder schwiegen ganz darüber weislich — so lange diese imFlore stand.
ES kam das Jahr 1823. In Deutschland ist daS Leben der Kirche völliglahm — nirgends regen sich die Glieder, der Torpor hat seinen Höhenpunct erreicht.Die Herren der Maschinenverwaltung sehen vergnüglich auf ihr Werk, die hierarchi-schen Mächte sind zerbrochen, das Episkopat, Universitäten und Seminare regen sichnur nach Decreten — die Aufklärung steht im Zenith ihres Triumphes. In Preußen wird die letzte Feile an das EpoS ver Kirchenverknechtung gelegt — die zwingendenErlässe betreffs der gemischten Ehen beginnen auSzufliegen. In Frankreich ist dasgallikanische Wesen wieder so fest hergestellt, als ob eS ein nothwendiges Attributder Legitimität wäre, und diese ohne jenes daselbst gar nicht von Bestand seynkönnte.
Und es kommt das Jahr 1833. Der Erzbischof von Köln , Graf Spie-gel zum Desenberg, wird für die Maßnahmen der Regierung auf Kosten seines Ge-wissens und seiner Eide gewonnen. DaS Kabinet und seine Weisheit triumphiren,die kluge Politik hat gesiegt und die unangenehmen Störungen sind, weltlicher Ansichtnach, auf ewige Zeilen in Ordnung gebracht. Während dem hat in Frankreich sichder Bürgerkönig auf den Thron geschwungen, und hält dafür, der GallikaniSmuSsey die beste Garantie seines HerrscherthumS.
Und es kommt daS Jahr 18T3. Wer hätte eö vor zehn Jahren geahnt,was für schreckliche Thatsachen die Kluft dieses Dezenniums ausfüllen werden? DieHierarchie hat sich geregt, Deutschland war in Aufruhr, ein Staatsstreich ik eklatantmißlungen. ES mußten Concessionen gemacht werden, an die vor zehn Jahren keineSeele gedacht. Wie ist eS zu gewinnen, was ein unberechueter Augenblick verloren?Ein Löwe hat in Köln seine Mähnen geschüttelt und ist ausgestanden und hatgebrüllt — und wurde er auch sogleich in einen Käfig in Verschluß gebracht — seineStimme — stürzte zu Berlin Actentische, Schreiber und Schreibhäuscr nieder — inwirrem Chaoö zeigte sich die Niederlage. Die Triumphbögen, welche sich Menschen-witz gebaut, krachten zusammen; und die Kirche wurde anerkannt als eine räthsel-haste, geheimnißvolle Macht — ihr Wort aber so viel als möglich verhöhnt und ausihre Forverungen, so viel als thunlich, kein Gewicht gelegt. In diesem Jahre hattengewaltige Geister den Ausriß der Kirche in klarem Wort wieder vorgezeichnet, undder alie GörreS sagte damals zur (auch 1843) erschienenen Schrift über Staat undKirche von Clemens August unter Anderm: „Eine Kirche über alle Welt verbreitet,so in ihrem Fortbaue auf alle Zeiten gewährt, kann dem Gutdünken einer vorüber-gehenden welllichen Macht nicht unterworfen seyn, »och auch daS Himmelreich aufErden den Reichen Dieser Erde dienen; die Imperatoren Hütten sich sonst ihrer mitRecht erwehrt, vie Apostel und ihre Nachfolger aber ihnen als Rebellen gegenübergestanden. — Darum kann der Episkopat nimmer eine Staatsbehörde seyn, denn dieVertreter welllich vergänglicher Interessen können nicht als die Zeugen Christi unddie Bürgen ewiger Wahrheit gelten. (Hift. pol. Bl. 1843. S. 707.)
Und es ist erschienen das J ahr 18S3. WaS für ein Reichthum vonungeahnten Erlebnissen auf dem Gebiete der Kirche seit zehln Jahren! Mag dieBlödigkeit, die nicht weiter schaut als ihr beschränkter Gesichtskreis, immerhin meinen,es lasse mit einigen äußern Veränderungen herabgekommener Zustände in der Kirchesich AlleS im alten Geleise erhalten — die Geschichte geht doch ihren Weg!Jeder Verrath am heiligen Leben der Kirche wird jetzt mehr verachtet als je, jedeArmseligkeit, welche sie feige verkaust, trägt jetzt ein tieferes Brandmal auf derStirne als je — jedes kräftige Wort, jede opfermuthige That, jeder, der jetzt fürdie Kirche einsteht, wird von tausend und tausend Herzensstimmen begrüßt, und esherrscht in gewaltigen Geistern und sittlichen Charakteren mehr Freude an dem Ausblühen der Kirche als je — und darum verkünden wir (trotz allen Hindernissen) der