Ausgabe 
13 (16.1.1853) 3
Seite
19
URN (Seite)
  
 
Einzelbild herunterladen

19

Kirche, wenn auch nach schweren Kämpfen, emc siegreiche Auferstehung - und einglorreiches Dezennium! (W. Kirchenz.)

Aus dem Brief einer oberfchlefkschen Barmherzigen Schwester

aus Rio Janeiro.

(Schles, K, Bl.)

....Es war am 28. Juli, als wir noch zum letzten Male die Kirche derLazaristc» in Paris besuchten, in welcher die Gebeine des heiligen Vincenz v. Paulruhen, und hier zur Stärkung auf die Reise die heilige Communion empfingen.Gegen acht Uhr nahmen wir Abschied von unserm lieben Mutterhause und fuhrennach dem Buhnhofe, 40 an der Zahl, nämlich 33 Schwestern, 5 MissionSpriester»nd 2 MissionSbrüder, begleitet vom hochwürdigcn General-Vater, von der hochwür-digen General-Mutter, wie auch von mehrern andern Schwestern. Von da fuhrenwir auf der Eisenbahn bis Havre, einer kleinen Stadt am Ufer deS-MeereS undkamen ddrt um zwei Uhr Nachmittags an, verblieben jedoch bei den dortigen Schwe-stern unseres Ordens durch zwei Tage. Am Tage vor der Abreise stiegen wir bereitszu Schiffe und ward auf demselben vom hochwürdigen General-Vater eine heiligeMesse dargebracht, nach welcher derselbe eine Anrede an unS hielt, wobei er sichjener Worte bediente, welche einst der Heiland zu seinen Jüngern gesprochen:GehetauS in alle Welt und lehret die Völker." Erhaben und herzergreifend war dieserAugenblick; uumvglich war eS, sich der Thränen zu enthalten. Am folgenden Tage,Sonnabends den 1. August, nachdem wir schon eine Nacht auf dem Schiffe zugebracht,ward »och einmal vom hochwürdigen General-Vater daS heil. Meßopfer dargebrachtund nochmals nach demselben zu uns gewendet, hielt er eine Ansprache, in welchercr unS Vertrauen einflößte und unsern Muth stärkte; unterdessen aber löste sich auch

schon immer mehr und mehr daS Schiff vom Ufer. --Wir näherten unS langsam

dem Eingange inS Meer, und nun mußten sich alle jene, welche uns noch immerbegleiteten, endlich trennen. Schmerzlich war da der Abschied, doch mit voller Erge-bung in den göttlichen Willen.

Nun trat daS Schiff inS Meer und wir stimmten den Lobgesang Mariens,daSMagnificat " an. Hierauf gaben wir den am User Stehenden mit unsern Tü-chern noch daS letzte Lebewohl zu verstehen, denn schon fingen sie an unsern Augenzu entschwinden und bald sahen wir nur Himmel und Wasser. DaS Wetter warheiter und günstig, blieb auch so drei Tage lang, dann aber erhob sich Wind, derimmer stärker wurde und das Schiff stets heftiger schaukeln machte. Nljn ergriff unSauch bald Unwohlseyn und wurden wir bis auf zwei Schwestern von der Seekrank-heit überwältigt, an. der wir durch einige Tage darniederlagen und dann nuS wiedereinigermaaßen erholten. Doch der Sturm ließ nicht nach, vielmehr erhob er sich fortund fort, tobte von Tag zu Tag mehr, bis er endlich versagte, daS heilige Meß-opfer, welches sonst täglich dargebracht wurde, zu verrichten und uns die heiligeCommnnion, unsern größten Trost auf der Reise zu reichen. So dauerte daS stür-mische Wetter durch vierzehn Tage und während dieser Zeit drohten öfterS furchtbareWellen, die sich wie Berge aufthürmten und über unS zusammenschlugen, daS Schiffmit unS zu verschlingen.

Nach dieser glücklich überstandenen Prüfung hatten wir noch lange Zeit hin-durch Gegenwind, aber meist still und ruhig, so daß daS heilige Meßopfer wiederverrichtet und uns auch täglich die heilige Communion gereicht werden konnte.

Welche Gnade! werdet Ihr ausrufen, täglich unsern Heiland empfangen zukönnen. Ja wahrlich, groß ist dieses Glück! Ich werde wie betäubt, wenn ich beimir all' die Gnaden und Wohlthaten, welche mir Gott zukommen ließ und läßt,erwäge. Während unserer Reise beschäftigten wir uns mit Nähen und Stricken,machten aber auch schon auf dem Schiffe den Ansang mit Ausübung von Werken