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christlicher Barmherzigkeit. Wir beschenkten nämlich zwei Schiffsknaben, von denender eine mit Fütterung der Hühner, der andere in der Küche beschäftigt war, miteinem Anzüge, da dieselben sehr armselig bekleidet waren. Viel Vergnügen machtenunS öfters die Fische, die wir bei stillem, heiterm Wetter zu Gesichte bekamen, undbesonders der reiche Fischfang am Tage deS heiligen Bernhard. Sonst sahen wirnichts als Wasser und den Himmel mit seinen Leuchten oder Wolken, und an man-chem Tage auch eine ähnliche Arche, wie die unsrige, auf dem Meere in der Fernehinsegeln.
An den Sonntagen wurde nach der zweiten heiligen Messe, während welchergesungen wurde, an die Schiffsleute eine Rede gehalten, die bei den Meisten nichtfruchtlos blieb. Denn der größte Theil derselben ging in den letzten Tagen, als sichdie Fahrt ihrem Ende nahte, zur heiligen Beicht und am letzten Sonntage zur heil.Eommunion. Auch der Sohn deS SchiffSkapitänS war unter ihnen.
DaS Ziel unserer Reise sollte nun bald erreicht werden und wir harrten mitder größten Sehnsucht dem Augenblicke entgegen, wo wir wieder zum ersten MaleLand erblicken sollten; doch verzögerte sich dieser Augenblick länger als wir glaubten,da wir bei der gegen Ende eingetretenen allzugroßen Windstille nur sehr langsamvorwärts kamen. Es war als sollte sich unsere Sehnsucht bis zum höchsten Gradesteigern.
Auf einmal hörte man rufen: Land! Land! und Ihr könnt Euch denken, welcheFreude unter unS entstand. ES war am 25. September und merkwürdiger Weise,wir wir an einem der seligsten Jungfrau gewidmeten Tage, Sonnabends, von deröstlichen Erde Abschied genommen hatten, so begrüßten wir auch an einem solchenTage aus der Ferne die westliche Erde. Wir stimmten sofort das „Te Deum" an,um Gott dem Gütigen für die nun bald glücklich zurückgelegte Reise und seinen beson-dern Schutz auf derselben zu danken. Denn fürwahr, sichtlich hat unS der liebeGott beschützt, da Niemand von uns Allen, die wir auf dem Schiffe waren, vomTode hingerafft worden ist, sonst aber nach der Aussage deS SchiffSkapitänS gewöhn-lich Mehrere am gelben Fieber sterben unv so in den Wellen des McereS ihr Grabfinden. Sogar die Kinder einer auf dem Schiffe mitbefindltchen Familie, eins vier,das andere sechs Jahre alt, blieben verschont und gesund. Wir näherten unS nunimmer mehr dem Lande; an die Küste selbst aber gelangten wir erst SonntagsNachmittag um drei Uhr. In einiger Entfernung von derselben wurden durch einSprachrohr die Worte an unS gerichtet: „Wie viel seyd ihr?" und unser Kapitängab die nöthige Antwort ebenfalls durch ein solches Rohr. Hierauf ward nochgefragt: Wie viel sind gestorben? worauf jedoch keine Antwort erfolgte. An der Küsteangelangt mußten wir die Obrigkeit und den Arzt erwarten, damit nachgesehen würde,ob auch Alle gesund seyen. Als dieß vorüber war, stiegen wir endlich auS unsererArche hinaus, in welcher wir beinahe zwei Monate unsere Wohnung hatten, undbegaben unS in kleine Kähne, die von Negern gelenkt wurden und auf welchen wirnoch ziemlich weit fahren mußten, ehe wir das Land oder eigentlich die Küstenstadtund Hauptstadt des brasilianischen Reiches, Rio de Janeiro , als das Ziel unsererReise betreten konnten. Unmöglich kann ich Euch die Gefühle beschreiben, die ichempfand, als ich mich nun an jenem Orte erblickte, in welchem ich zu wirken be-rufen war.
Unser erster Gang war in die Kirche, welche nicht weit entfernt lag. DieStraße dahin, denkt Euch, war mit Grünem bestreut und die Glocken hießen unSwillkommen, gaben den Einwohnern das Zeichen unserer Ankunft zu verstehen.
Bald war Alles voll von Menschen, die sich mit unS in die Kirche drängten,wo das „Te Deum" abgehalten und der Segen mit dem Hochwürdigsten ertheiltwurde. Von da gingen wir in das vorläufig für unS bereit gehaltene HauS, wel-ches sich an die Kirche anschließt und sür Waisenkinder bestimmt ist. Mit der größtenFreude erwarteten unS hier die Kinder und Lehrerinnen derselben.
DaS Hospital, welches uns überwiesen werden sollte, schließt sich ebenfalls von