Ausgabe 
13 (16.1.1853) 3
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Der Reisende ließ den Unglücklichen nicht ausreden, eilte zu dem Officier, demdie Aufsicht über die Galeerensklaven anvertraut war, verlangte, daß dem jungenManne die Ketten abgenommen und ihm angelegt würden, um die »och übrigenzwei Jahre der Straft abzutragen. Der Officier erstaunte unv machte dem ManneVorstellungen; dieser aber Ucß seine Gründe nicht gelten, denndie Ehre der Men-schen sey ihm gering gegen seines eigenen Herzens Urtheil vor Gott ; der junge Mannmüsse für sein Weib unv seine drei Kinder sorgen."

Der Galeerensklave konnte sein Glück nicht fassen, er wollte diese unaussprech-liche Wohlthat nicht annehmen.

Der edle Mann ließ ihm aber die Ketten ablöse», ohne sein Weigern anzu-hören; ja er versicherte ihn, daß diese ihm leicht erscheinen werden; er solle nur eile»,seine Familie noch zu rechter Zeit zu retten.

Dieser merkwürdige Mann blieb wirklich mit der größten Geduld auf den Ga-leeren, suchte sich zu verbergen, um von denen, die ihn sehen und kennen wollten,nicht gefunden zu werden; dabei brachte er den Tag mit der Erfüllung seiner müh'seligen Verrichtungen zu. Er war der Lehrer des Mitleivs, der Selbstverläugnung,der Wohlthätigkeit; der Trost, die Stütze, der Vater der Galeerensklaven, und brachtederen viele zur Reue und Tugend zurück.

Und wer war dieses Muster so großer, christlicher Nächstenliebe? Ein Geistlicher,ohne Ahnen, ohne GlückSgüter, der keine Ehrenstelle bekleidete, und dem die Welt,und Frankreich insbesondere, so viele nützliche und bewunderungswürdige Anstaltenverdankt. Er stiftete das große Finvelhaus in Paris , die Gesellschaft der barm-herzigen Schwestern, das Hospital (Mätel «je visu), worin Kranke aller Nationenaufgenommen werden. Diesem großen Manne haben Arme und Kranke ohne Unter-schied der Religion die wesentlichste Unterstützung, die je die Menschenliebeerfand, bis auf den heutigen Tag zu verdanken. Er war der Erhalter von fastzehntausend Seelen jährlich. Wie hieß aber der edle, von wahrer Nächstenliebebeseelte Mann, der zwei Jahre die Galccrenkctte trug, um einen Gatten seiner Gattin,einen Vater seinen Kindern wieder zu geben?

ES war der große Vinccnz dc Paul!

Als man bei dem Papste Benedict XIV. um die Heiligsprechung dieses ManncSanhielt, fragte er, ob selber Wunder gethan hätte? Man antwortete auf seine Fragemit der Geschichte von dem Galeerensklaven, da rief der heilige Vater aus:krißgn-lur ilii sltaria!"Man bane ihm Altäre!" (Oesterr. Volköfr.)

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Die Mission in Seligenftadt.

Vom 19. December 1852 bis zum 2. Januar 1853 wurde iu Seligenstadtdurch die Väter der Gesellschaft Jesu , die Herren PP. Roh, Daun und Allcteine Mission abgehalten, welche an Großartigkeit der Betheiligung wohl mir nochvon GerlachSheim, wo 24,000 Menschen versammelt waren, übertreffen, also eineder größten in ganz Deutschland seyn wird. Darum erlaube man eine kurze Be-sprechung dieses wichtigen Ereignisses.

Seligenstadt , ehemals geschmückt mit einer berühmten Benedictinerabtei unddarum noch voll von katholischen Traditionen, ist so ganz der Boden, wo eine Mis-sion, ohne erst große Hindernisse und Borurtheile überwinden zu müssen, in allerGemüthlichkeit ihren göttlichen Samen ausstreuen konnte. Fremde Elemente habe» beider fast ganz katholischen Bevölkerung, wenn eS auch hie und da Jemanden !.^i.gefallen seyn sollte, daS Licht der eigenen Ausklärung leuchten zu lassen, nieAnklang gefunden und stets wird dieß ein eitles Beginnen bleiben. Wenn aber daSkatholische Bewußtseyn in Etwas erschüttert gewesen seyn sollte, wahrlich in derMission ist es allseitig wiederum gekräftigt worden.

Die MissionSvorträge ließen nichts zu wünschen übrig. P. Roh, allbekannt