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durch die Gründlichkeit, womit er die Hauptfragen unserer heiligen Religion zubesprechen weiß, hat sich auch hier als Meister ausgezeichnet. P. Dann hat beson-ders in seinen Standeslehren die Gabe des SpecialisirenS bewahrt, und durch seineanziehenden, der lebendigen Wirklichkeit entnommenen Gleichnisse tiefen Eindruck aufdie Zuhörer gemacht; namentlich wußte er die Jugend zu heiliger Entschiedenheit zubegeistern. Klar unv eindringlich hat endlich der jüngste der Missionäre, P. All et,seine Vorträge abgehandelt; dieß nicht minder als der ergreifende Eindruck seinerfrommen Persönlichkeit hat ihn zum Liebling veS Volkes gemacht. Auch unser hoch-würdigster Herr Bischof konnte eS nicht»unterlassen, seine in Mainz so nothwendigeAnwesenheit aufzugeben, und zu Anfang der zweiten Woche auf ein paar Tage hier«her zu kommen; wir wissen eS, daß ihn dieses ein großes Opfer gekostet hat, weiler dem hundertjährigen Stiftungsfeste des englischen Fräulein-'Institutes in Mainz nicht beiwohnen konnte; Seligenstadt hat also den Sieg über sein Herz davongetragen.Wir werden eS zu schätzen wissen und den begeisterten MissionSvortrag, den er überdaö Reich Christi uns gehalten hat, nie vergessen.
Bei dem Eifer der Missionäre und der Empfänglichkeit unseres Volkes in Stadtund Umgegend ist eö darum auch gar nicht zu verwundern, wenn bei der Predigtdie große, herrliche Kirche jedesmal gefüllt war, und man sich so massenweise zumEmpfang der heiligen Sacramente drängte, daß zwanzig Beichtväter nicht hingereichthätten, Alle zu befriedigen; in der letzten Woche war dieß rein unmöglich, weil derAndrang mit jedem Tage wuchs. Gelegentlich nur einen Zug schöner Opferwilligkeit.Ei? verlangten Leute, die des Nachts aus entfernter Heimath zur Mission aufge-brochen waren, als sie endlich Abends um sechs Uhr ihre Beichte abgelegt hatten,die heilige Communion, natürlich noch nüchtern. An den Sonn- und Feiertagen,deren glücklicher Weise fünf in die MissionSzeit hineinfielen, war der Zuzug der aus-wärtigen Processionen so stark, daß schon am zweiten WeihnachtStage die Predigt imFreien gehalten werden mußte. Dicht an der Kirche ist ein herrlicher Platz, geschmücktmit einem mächtigen Crucifir und dem Auge die Aussicht auf den nahen Main unddie Berge des jenseitigen Freigerichtes darbietend. Dieser an 300 Quadratklaftergroße Flächenraum war damals schon mehr als zur Hälfte mit einer enggeschlossenenMenschenmenge gefüllt. Bei der gestrigen Schlußpredlgt aber war kein freies Plätz-chen mehr darauf zu finden, und in der Menge selbst große Gefahr erdrückt zn wer-den. Man kann also wohl über fünfzehntausend Menschen annehmen, denen übrigensinsgesammt der Prediger sich vernehmlich zu machen wußte.
Es wird wohl selten vorfallen, daß am L.Januar eine derartige Versammlungim Freien gehalten werden konnte. Begeistert erhob darum P. Roh die Stimmezum Abschiedsworte. Viele von seinen Zuhörern waren wohl heute zum erste» Malegekommen; ihnen also wollte er möglichst nützlich seyn. Er gab vorerst einen kurzenUeberblick über die Missionspredigten, wobei er nicht umhin konnte, den Versammel-ten seine Anerkennung für ihre eifrige Theilnahme auSzusprechen. „Ihr habet unSherzlich müde gemacht, sprach er, und wir danken euch dafür. Für unS ist jetzt dieMission zu Ende, aber für euch hat sie erst angefangen." Dann wandte er sich zuden anwesenden Kindern und schärfte ihnen ein Liebe und Achtung gegen die Eltern;die Jünglinge und Jungfrauen forderte er auf zur Herzensreinigkeit, die Eltern zumkäuSlichen Frieden und gegenseitiger Achtung so wie zur Vermeidung des schmählichenFluchens. Ganz besonders blieb aber die Jugend der Gegenstand seiner Fürsorge.Er konnte nicht umhin, sie noch einmal vor dem Laster der Unlauterkeit zu warnenund zu zeigen, wie im Gefolge desselben der Mangel an Brod und die Untauglich-keit zur Kindererziehung ein erbärmliches Geschlecht großgezogen haben. „Man hat,sprach er, die Klöster aufgehoben und die Idee der Jungfräulichkeit fallen lassen; undnun hat man Bettler genug, um mit ihnen Amerika unv Australien zu überschütten.Wird man bald einmal einsehen, wie unendlich menschenfreundlich die alte katholischeLehre ist?" — „ES ist in keinem Andern Heil als im Namen Jesu." Auf dasWiedersehen vor seinem göttlichen Throne hinweisend, nahm er von der tiefgerührten