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länger erhalten hat, um eS zu ehren, und weil ich, selbst in einer solchen aufge-wachsen, darin mehr daheim bin. Wenn ich Ihnen heute einige Züge katholischenHauSbrauchcS vor Augen führe, will ich für dieses Genre die LandschaftSmalereiwählen, weil die Natur, wie Eie wissen, unübertrefflich ist; und bringen wir in sieentsprechende Nachbilder Christi als handelnde Personen, so wird sie dann zum wah-ren Lebensbilde.
In einer katholischen Landwohnung finden Sie ein ächtes Nachbild der Kirche.Der Hauplplatz ist dem HauSaltare eingeräumt. Der Gekreuzigte, seine hochgebene-deite Mutter und noch einige Heiligenbilder machen denselben aus. Der Altartisch istder Hauölisch, auf dem gegessen wird im Angesichte Gottes, der ganz gewiß weh-müthiger herunterschaucu würde an dem Tage, an welchem nicht gebetet und gedanktwürde. Ueber dem Tische und vor dem Hanptbilde hängt eine Lampe, die zu Ehrender lieben Frau, der Vorsteherin und Schützerin deS HauseS, wenigstens am Sams-tage angezündet wird, und zu deren Verherrlichung an diesem Tage zu den sonstüblichen Abendgebeten noch die lanretanische Litanei, der Inbegriff alles LobeS aufMaria, hinzutritt.
Können wir uns eine freundlichere Nachbildung der Kirche denken? Ich über-gehe einige andere Züge dieser Nachbildung der Kirche im Hause, namentlich dasApostolat der Mutter; dieses ist Ihnen schon geschildert worden, wie sie dem kleinenSprößling, vor diesem HauSaltare, den HimmelSvater, die liebe Frau und JesumChristum mit heilig erhobener Rechten weiset und selbe ihn kennen lehrt. Ich willvor der Hand nicht sagen, was das für ein Buch ist, das alte, schwarze, welchesbesonders am Sonntage auf dem Tische liegt; wir werden es schon noch kennen lernen,weil wir heute noch ein Capitel daraus vorlese» werden. — Eine Menge Lebensbil-der sind darin ausgezeichnet; wenn auch aus der alten Schule, dennoch lieb undanziehend, weil die Pietät sie zeichnete. Nur zur Thüre will ich Sie führen. Daist der Gnadenbrunnen deS Hauses, der Weihbrunnen, und auch dessen Quelle, Jesus der Gekreuzigte. Wir leben ja nur durch die Gnade unseres Herrn; von Ihm kommtdaS Wollen und Vollbringen, ohne Ihn gedeiht Nichts. Der Katholik konnte nichtanders, er mußte auch hier seine Kirche nachbilden. Hat das Haus keine Sacra-mente, so hat es doch seine SacramenlaUen. — Diese SegenSquelle des Hausesspielt eine große Rolle. Ich will nicht anführen, daß jedes Werk und jeder Tagmit einem demüthigen und vcrtrauungSvollen: „In Gotteö Namen!" von da seinenLauf beginnt und daß es, weil mit Gott angefangen, mit wunderbarer Kraft undZähigkeit fortgesetzt, wenn auch nicht immer gleich zu Ende geführt wird. Ich willnicht erwähnen, wie nach dem gemeinschaftlichen Abendgebete hier zuerst die DienerdeS HauseS, dann die Kinder, dann der Vater und endlich die Mutter — denn diesekann nicht früher zur Rühe gehen, bis sie nicht das ganze HauS in Ordnung weiß— sich für die Nacht und vorbildlich für den Tod einsegnen, daö Kreuz küssen, undmit einem „Gelobt sey JesuS Christus!" sich entfernen. Ich meine nur, daß eS unsda mild anwehe, auch wenn eS Winter wäre. Auch dessen will ich nicht gedenken,wie hier der Vater und der Pathe, obwohl mit rauher Hand, doch mit zartem Her-zen dem neuen Sprößlinge eine Art Begierdtaufe ertheilten, bevor sie ihn zur Kirchetrugen, mitten im Winter, und wie derselbe den katholischen Glaubenssatz von derErdsünde, wenn auch nicht mit dem Verstände, so doch dnrch die Empfindung innewerden mußte, weil die Natur ob dem Fluche feindselig uns gegenüber tritt.
Von allem Dem will ich nichts erzählen. Aber eine andere Gruppe will ichIhnen vorführen vor diesem häuslichen Gnadenquell. — Das Kostüm ist festtäglich,wie eS nur immer seyn kann, und wie der Tag eS fordert. Im Vordergrunde sehenSie eine, nebst ihrem sonstigen Schmucke, in Sittsamkeit und Ernst gekleidete Jung-frau; sie ist die Tochter deS HauseS. Ein Kranz hat bedeutsam die zierliche Haar-flechte noch schöner gemacht; Rosenkranz und Gebetbuch heilige,, die Hände, undRosmarin ist daS Feldzeichen. Dieser Meeresthau — er dx,,,^ auf einen ernsten,gnadenbedürftigen Gang. Aller Antlitze, diese Dolmetscher d„ Seele Mgen von