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christliche Eltern diese schöne Silte dcS SegnenS sich nicht nehmen lassen; sie segnendie Kinder, wenn sie in die Fremde ziehen, sie segnen den Sohn, wenn er in dieStudien geht, sie segnen ihn auch noch, wenn er das erste Mal das heiligste Opfermit geweihten Händen dem Allerhöchsten darbringt, obgleich sie von ihm den Segenzu empfangen haben. Sie scheinen dadurch am besten anzudeuten, wie daS Priester-lhum sich deS GebeteS der Gläubigen ununterbrochen erfreuen sollte, damit der Segendesselben um so reichlicher wieder auf sie zurückströmen möchte.
AIS wir für Se. Eminenz den vielverehrten Cardinal Freihcrrn v. Diepenbrockzu einem Bittgottesdienste in der St. PeterSkirche unS vereinigten, gab eS unter denAnwesenden auch solche, die nicht der heilige Geist hineingeführt hatte. Ich hörtenämlich Einen sagen: „Lauter Ceremonie! lauter Ceremonie!" Mir fiel ein daSWort deS Herrn: I'lcm omnes egpiunt kov verbum, «ölZ czuibus clstum est. „NichtAlle fassen oieß Wort, sondern nur diejenigen, denen eS gegeben ist." Diese Leutewürden auch zu unserm Stück katholischen HauSbraucheö sagen: Lauter Ceremonie!Und wenn sie es auch in ihren Wohnungen aufführen, kann auch unter den Gela-denen Einer seyn, der sich denkt: Lanter Ceremonie! Wir aber behaupten, Geist undLeben sey nicht bloß im Bilde dargestellt, sondern auch in der Wirklichkeit noch vor-handen, wie ich ja auch der Wirklichkeit mein Bild entnommen habe.
Ich will darum nur noch sagen, wie eS den Personen in unserm Bilde gegebenist, dem todten Körper der Ceremonie den belebenden Geist einzuhanchen. Wir lassenindeß unsern Brautzug in die Kirche gehen, dorthin wollen wir ihn nicht begleiten,weil wir ja nur vom häuslichen Leben sprechen, DaS nur will ich vom Kirchen-gange sagen, daß dieß heilige Sacrament am besten unter dem Segen der heiligenMesse, in welcher alle sacramentale Gnade wurzelt, auSgespendet wird; daS istKirchenbranch, der zum HauSbrauche wird in der katholischen Familie, jedenfallsschöner und entsprechender, als der in der Stadt eingcrissenc Gebrauch der Abend-Trauungen, die, weil sie gar so wenig SegenS-Ceremonie für sich haben, bei vielennur mehr den Anstrich deS Erscheinens in einer Kanzlei haben, welches man amEnde bei Gelegenheit auch durch Andere in einer wirklichen Kanzlei abthun könnte.Doch, ich habe ja versprochen, sie mit der Scenerie einer Theaterhochzeit zu verschonen.
Im lebendigen Geiste der Kirche, der auch auS der Ceremonie weht, ist dieFamilie herangewachsen; derselbe hat alles gesegnet, geweiht und geheiligt, Kindheilund Jugend, Herren, Gatten und Eltern. Die Kindheit, die geweihte, hat mangelehrt an der Kindheit Jesu . Jenes alte Buch nämlich auf dem Tisch ist daS Lebe»Jesu und der Heiligen. Sie glaube» aber gar nicht, wie zart da Alles geschriebenist, wenn daS Buch auS alter Zeit herrührt. DaS Gemüch ist tief und weich auchbei rauhen Menschen, wenn er nur Religion hat. Der sanftmüthige Jesuö weißAlles sanft zu machen. Nehmen Sie den Menschen nur da beim Gemüthe, und Siehaben ihn schon gewonnen. Ich weiß mich noch recht gut zu erinnern, wie gemüth-lich und heilig erfreut wir den Christabend feierten, wenn unS auch kein Christbaummit reichen Geschenken cntgegcnprangte und flimmerte. Mit einigen Trauben, Aepfelnund Nüssen waren wir zufrieden; aber wir lasen hernach vor auS dem alten theuernHausbuche, von der gnadenreichen Geburt Jesu Christi; vom zarten Knäblein aufStroh gebettet; wie es wunderbar geboren ward, dieß Wunder der Welt; wie eSseine jungfräuliche Mutter zuerst angebetet; wie der Himmel Ihm ein gar schönesWiegenlied gesungen; wie die Natur über dieß Wunder sich verwundert; wie sie,fühlend die gekommene Erlösung, das Ende bald zum Anfange gemacht, und zumParadies geworden wäre; wie nämlich dieselbe Nacht, obwohl im Winter, so lieblichwurde wie der Frühling, daß die Bäume um Bethlehem blühten und Früchte brach-ten; wie Trauben im Thalc Engadi reiften in dieser einen Nacht; wie ein Oelbrun-nen in der Erde entstand, und ich weiß nicht wohin floß; wie die Vöglein so schönund lieblich sangen, die Heerden fröhlich durcheinander liefen, wie ein Götzenbild zuRom auf die Erde fiel, und der böse Geist daraus heulte, daß nun seine Macktgebrochen sey u. s. w.
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