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Gemahlin bat um Ausnahme bei den Schwestern dcö heiligen Vincenz von Paul .Sie erkrankte vor ihrer Aufnahme, legte auf ihrem Sterbebette die Gelübde ab undward im Ordenskleide begraben. Nachdem seine Mutter in das Kloster der Benedic«tinerinnen zu Leopol sich zurückgezogen, wo sie heiligmäßig ihr Leben schloß, ordneteAntoniewicz seine Angelegenheiten, vertheilte seine Güter, entzog sich der Trauer undden Thränen seiner zahlreichen Dienerschaft nnd trat in die Gesellschaft Jesu , inwelcher er aus Demuth nnr Laienbruder seyn wollte. Seine Obern erkannten aberdie Talente dieser so edlen und demüthigen Seele und trafen andere Bestimmung.Man verkürzte sogar die Zeit seines Noviziats', um seiner alten Mutter noch dieFreude zu bereiten, den priefterlichen Segen ihres SohueS zu empfange». Der Herrhatte eS anders beschlossen; sie starb kurz vor seiner Weihe. Im Jahre 1844 begannPater Carl seine apostolische Laufbahn. AIS im Jahre 1846 Galizien der Schau-platz schrecklicher Verwüstung wurde und das Blut in Strömen floß, und cntsesseltc,rachgierige Mörderbanden überall Opfer suchten, erhob sich in dem Gräucl eineStimme, die Einheit gebot. Gliever der Gesellschaft Jesu , an ihrer Spitze PaterAntoniewicz, traten unter die Mörder, sprachen zu ihnen von dem ewigen Richter,von ihren Verbrechen und von der Bnße. Anfangs ist die Stimmung nicht günstig;man bedroht, man insultirt die Friedensboten; niemand will ihnen einen Zufluchtsort,ein Stück Brod geben. Sie ziehen sich in die Wälder zurück, und Pater Antoniewiczwirft sich in einer verödeten Capclle zum Gebet nieder. Bald sammeln sich die Kin-der der nächsten Dörfer um ihn; er unterrichtet sie. Nach und nach sammeln sichimmer größere Massen; man hört mit Stillschweigen sein Wort, das zugleich so mildund so erschütternd, und allgemach erwacht das Gewissen, nnd dieß irregeführte undgemißbrauchte Volk stürzt mit Reucthränen zu den Füßen des Priesters nieder undflehet zu ihm um Versöhnung mit Gott . — Ein volles Jahr durchwandert er Stätteund Dörfer und sein Wort bändigt die Leidenschaften, und die Rede führt die Ruheund den Frieden in die Seelen zurück. Vom Morgen bis in die Nacht sind dieBeichtstühle belagert. — AIS 1848 die Jesuiten vertrieben wurden, folgt PaterAntoniewicz seinen Brüdern in die Verbannung. Er herbcrgt zuerst in Krakau , pre-digt, hört Beichte, tröstet und hilft wo und wie er kann und daS Volk bängt mitinniger Liebe an ihm. Die Regierung, beunruhigt durch seinen Einfluß, verweistihn deS Landes. Auf den Wunsch des Fürstbischofs von Breslau hält er 1851 mitseinen Brüdern Missionen in Oberschlcsien, ruft ihn der Crzbischof von Posen
zu gleichem Zweck mit seinen unermüdlichen Brüdern nach dem Großhcrzogthum.Sie wollen eben am vierten Orte die Mission beginnen, als die Cholera hinderndentgegen tritt. Beim Anblick dieser schrecklichen Seuche nimmt vie Liebe dieser aposto-lischen Männer einen neuen Aufschwung. Tag und Nacht weilen sie an den Lager-stätten der Sterbenden und gönnen sich nicht Rast noch Ruhe; sie sind überall, wodie Epidemie am heftigsten wüthet und die Liebe GotteS und des Nächsten verdoppeltihre Kräfte. Innerhalb zehn Tagen hatte Pater Antoniewicz, von einem Laienbruderunterstützt, mehr denn 200 Cholcrakrankc zum Tode vorbereite!. — Endlich scheint dieKrankheit nachzulassen und Pater Antoniewicz begibt sich zur Ordnung einiger An-gelegenheiten nach Krakau , wird aber, kaum angelangt, auS der Stadr gewicscu.Tief ergriffen durch diese neue Ungerechtigkeit, aber seinen Verfolgern von Herzenverzeihend, und Gott dankend für das neue Kreuz, kehrt er nach dem Großherzog,thum zurück, um daS Kloster Obra in Besitz zu nehmen, daS der Erzbischos demOrden zugewiesen.
Am 5. November kam er an, beschäftigte sich mit Anordnungen, machte am 6.den OrtSbehörden seinen Besuch, predigte am 7. und hörte Beichte. Am 8. Novemberbemerken seine Brüder, daß er selbst sehr leidend und bewegen ihn, daS Bett zu
') Bevor Pater Antoniewicz nach Obra ging, weilte er nach mehreren früheren Anwesenheitenda« letzte Mal einige Tage in Brcslan, Auf öfteres Andringen, doch noch einige Zeit hier z» blei-ben , erwiderte er: Nein, nein; man hat mir geschrieben, daß die Cholera wieder stärker auftrete; ichmuß bald hin.