Ausgabe 
13 (30.1.1853) 5
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hüten; am Abend desselben TagcS zeigen sich die Symptome der Krankheit. PaterAntoniewicz hatte oft von seinem nahen Tode gesprochen, cr sehnte sich nach derAuflösung; als er gewahrte, daß die Cholera ihn ergriffen, zweifelte er nicht mehr,daß seine letzte Stunde gekommen. Er redete seine um ihn versammelten Brüder an:Meine lieben Brüder, ich werde sterben. Seit den vier Jahren der Verbannunghaben wir mit einander gearbeitet, sind durch so viele und so verschiedene Ortegewandert. Ich flehte immer zu Gott um die Gnade, in einem Hause des OrdenS,in Mitte meiner Brüder zu sterben. Und sehet! kaum habe ich die Schwelle diesesHauses überschritten, kaum wir uns hier durch Gottes unendliche Barmherzigkeitversammelt, da ruft mich der Herr, der Tod nahet. Uebergebct mich in meinemOrdenSkleive der Erde." Darauf verlangt er, mit seinem Beichtvater allein zu blei-ben. Nach der Beichte versammelten sich seine Brüder wieder um ihn, und er sprachlängere Zeit zu ihnen, gab ihnen Belehrung und Rath. Alsdann nahm er seinentreuen Begleiter, fein einziges Kleinod sein MissionSkreuz in seine Hände, bedeckteeS mit Küssen undsprach:Ich müßte den Tod fürchten, aber, o mein JesuS , dubist so gut, daß mich die Furcht nicht anwandeln will." Nach einer Pause spracher von Neuem:Mein Gott ! du gibst mir armen, elenden Sünder einen so sanftenTod in einem Kloster; ich erkranke, und sieh! so viele Brüder bei mir, und daSarme Volk muß so ganz verlassen sterben," und Thränen des Dankes für sich undThränen deS Mitleids für daS Volk, daö er so sehr liebte, rollten über seine Wan-gen. Dieß war daS letzte Mal, daß er vor seinem Tode sprach, da er die Thrä-nen seiner Brüder gewahrte und ihren tiefen Schmerz nicht vermehren wollte. Unterden heftigsten Schmerzen vernahm man keine Klage aus seinem Munde; ruhig, sanftund von engelgleicher Heiterkeit, suchte cr die Freude in alle Herzen zurückzuführen.Am dritten Tage seiner Krankheit erklärte der Arzt, daß ihm kein Mittel mehr zuGebote stehe, und er fügte bei:daS Leben, welches wir noch wahrnehmen, liegtnicht mehr in den Kräfte» des Körpers, eS ist nur Seclcnthätigkeit; noch nie ist mireine solche Geisteskraft vorgekommen." Nach und nach versenkte sich diese großeSeele in ihren Gott. Er bewahrte seine Geistesgegenwart bis zum letzten Augenblickeund wiederholte am öftesten die Worte der Schrift:Jesu! du Sohn Davids, erbarmedich meiner." Am 14. November, einem Sonntage, an welchem daS Fest deS heiligenStaniSlauS KoSkä gefeiert wird, empfing er früh Morgens die heilige Communion;die letzte Oelung war ihm bereits früher ertheilt worden. An diesem Tage konnteer nicht mehr sprechen; seine letzten Worte waren:Jesu! Sohn Davids, erbarmedich meiner." Gegen 5'/z Uhr Nachmittags, als seine um daS Bett knicendenBrüder laut beteten:JesuS, Maria, Joseph, in eure Hände empfehle ich meineSeele," machte er eine letzte Anstrengung, diese heiligen Namen auSzusprechen, undseine Seele kehrte zu ihrem Schöpfer zurück. Sein entseelter Körper bewahrte denAusdruck der Ruhe und Milde, der ihm stetS eigen gewesen; mit dem OrdcnSkleidcangethan ward er in einem Saale deS Klosters ausgestellt und am 17. November inder Gruft der Kirche beigesetzt. Nur wenige Personen konnten bei dem Begräbnis;gegenwärtig seyn, da damals die Krankheit überaus heftig wüthete. Lujus me-moris in tioneclietione ori't! Herr! gib ihm die ewige Ruhe und daS ewige Lichtleuchte ihm! 5)

Bekehrung eines protestantischen Bischofs.

New-York . Bevor dieser Brief zu Ihnen gelangt, wird daS katholischeEuropa ohne Zweifel schon erfahren haben, daß der protestantische Bischof von Nord-Carolina in den Vereinigten Staaten Dr. JvcS, der augenblicklich sich schon inRom befinden muß, seinen Irrthum in die Hände unsers heil. Vaters abgeschworen

') Die von dein Verstorbenen im Jahre t85t abgehaltenen Missionen sind unter dein Titel:Missionserinnerungcn", aus dem Polnischen von A. Schwarzmann übersetzt, bei G, P,Aderholz in Bre«lau erschienen.