Ausgabe 
13 (30.1.1853) 5
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Kirche seiner Diöcese eine große Bewegung zu Gunsten des katholischen Glaubensentstehen wird.

Dr. JveS ist verheirathet; seine Frau aber will ihm in die katholische Kirche noch nicht folgen. Sie hat ihn indeß nach Rom begleitet und wir hoffen, daß dieGebete ver Gläubigen ihr Herz der Wahrheit öffnen werden. Zwei andere protestan-tische Damen haben ebenfalls die Reise mitgemacht, diese aber eilen zu dem Mittel-puncte der katholischen Einheit, um in Gemeinschaft mit ihrem ehemaligen Bischöfeihre Irrthümer abzuschwören.

Solche Thatsachen bezeugen, daß die rückläufige Bewegung der anglikanischenKirche zur katholischen in Amerika zum mindesten eben so weit vorangeschritten istwie in England . Wir für unsere Person sind der Ansicht, daß daS Werk derWiedervereinigung in Amerika noch günstiger steht wie in England . Unter den 32protestantischen Bischösen in den Vereinigten Staaten bekennen sich 9 offen zu denpusevistischen Lehren, und in England ist es der einzige Bischof von Ereter, der sichbemüht, seinen Klerus in katholischem Sinne zu reformiren. In Amerika hat dieCorporalion der Bischöfe bei der Ernennung neuer Würdenträger die Hälfte derStimmen, und ist so im Stande, die rationalistischen und preSbyterianischen Tendenzender Laien zu bekämpfen, während in England die politische sich bei Ernennung derBischöfe gar nicht um ihre Orthodoxie kümmert.

Wir hoffen also, daß das Beispiel deS Dr. JveS zahlreiche Nachahmer findenwird, wenn auch nicht unter seinen ihm gleichstehenden Kollegen, welche allzureicheInteressen auf den Wegen des Irrthums festhalten, doch aber unter den zahlreichenGeistlichen, welche stets ihrem Bischöfe folgten und auö der Menge der Gläubigen,welche er durch seinen Eifer erbaute und durch seine Belehrungen leitete. (Wests. Kbl.)

Einige Züge katholischen HauSvraucheS, wie sie sich vorzugsweisenoch ans dem Lande vorfinden.

Aus einer im Wiener Central-Severinusverein von Coopcrator Hrn. Chr. Schüller gehaltenen(und im Oest. V.-Fr. abgedruckten) Rede.

(Schluß.)

Da hat sich am Leben Christi und der Heiligen ein anderes Geschlecht gespie-gelt; da ist man feierlich, wenn der heilige Friede herniederweht, und der weht,wenn man ein im Geiste Christi geschriebenes Buch lieSt; da ist man gerührt,wenn die heilige Freude sich daran entzündet, und Kindheit und Jugend, und Mannund Weib, und Vater und Mutter haben darin Muster und körnige Nahrung gefun-den. Nicht am Baume der Dichtung sind diese Früchte des katholischen Lebensgereift, sondern am Baume deS LcbcnS, zu dem sich das Reis auS der Wurzel Jesscausgewachsen Hai in seinen Nachbildern, den Heiligen. Von da auS wehte der Geist,und seine Lebenslust hat man eingeathmet, und cS blühte Kindersinn, zarte Frömmig-keit, Schamhaftigkeit, ungeheuchelte Demuth und Ernst. Im Leben der Heiligenherrschte von jeher der beste HauSbrauch.

Mögen Sie mir noch gestatten, auf ein besonderes Beispiel hinzuweisen, anwelchem sich der Gegensatz veranschaulicht. Ich weiß mich zu erinnern, in einemsolchen alten Legendenbuche, in welchen die Frömmigkeit nicht ohne zarte Poesie ist,ein Muster weiblicher Tugendschönheit gefunden zu haben, welchesdie fromme Gri-seldiS" überschrieben war. Daraus nun hat auch der Theaterdichter seinen Stoffgenommen. Aber wo in aller Welt wäre eS ihm möglich gewesen, die Tugend inGriseldiS schließlich zum Triumphe zu führen, wie sie in der Legende triumphirt, woder Gatte beschämt dasteht, und die Gemahlin großmüthig um deS Herrn willen ihmverzeiht?! Der Dichter mußte mit der gemeinsten, armseligsten Hoffart kokettiren;er mußte die Leidenschaft, die unchristliche, abfüttern, oder sie erregen, wo sie nicht