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vorhanden ist, und hat eS nicht merken wolle», wie der unverdorbene Geschmack mitAerger erfüllt wird, wenn er ein Kunstgebilde vor sich entstehen sieht, herrlich undschmelzend in seinen Formen von unten auf, dem aber zuletzt die Stirne zu kurzwird, dem Hörnchen daraus hervorkeimen, dessen Ohren sich zuspitzen, und dessenHaar, wie daS der Eumeniden, sich unheimlich schlangelt. Oder wollen Sie diesesMephistogesicht lieber dem Dichter lassen, so nennen wir das Stück eine Meernymphe,die in einen häßlichen Schwanz sich endet. Sie sehen, wie aus zwei verschiedenenQuellen verschiedenes Wasser fließt und eine verschiedene Luft weht.
Sie sehen auch, wie der moderne Ton sich abhebt von katholischer Sitte;gerade wie ein Mephisto von einem verklärte» Heiligengestchte, wie falsche Theater-Charaktere vom körnigen Leben, wie ein moderner Städter in einer kerngesunde»christlichen Familie von deren Gliedern sich abhebt, zur Zeit, wo selbe sich zum Ge-bete anschickt mit andächtigem Kreuze, währenv jener, wie Kolping sagt, halbverlege», halb vornehm, ein großes Fragezeichen vor sich in die Luft zeichnet.
Wollte Gott , daß, wie unS daS Land sonst gemüthlich anspricht, und wir zurErheiterung und zur Befestigung der Gesundheit auf dasselbe gehen, uns auch dieeinzelnen Züge katholischen LebenS und Brauches von dort recht ansprechen, und wirunS derselben erfreuen möchten, als einer körnigen und gesunden Kost, mehr als deSwitzig und heiter seyn sollenden Genres der Frivolität und deS wie eine Gassendirneherumschlendernden ChristianiSmuS vaguS (deS modernen Christenthums)!
Wenn dieser Lumpaci VagabunduS an Ihre Wohnungen klopft, und zwar per-sonifizirt, und etwa gar einer Ihrer Töchter Visit- und Verlobungsanträge machenmöchte, dann mnstern sie ihn nur von den Füßen bis zum Kopfe, und sagen Sieihm, waS ich ein festes Landmädchcn zu solch einem Galcinlhomme aus der Stadtsagen hörte: „Sie, mit ihrem Ströhernen (Strohhut)! da — brennen Sie ab, undmir scheint, Sie sind nicht assekurirt." Wenn nur der moderne Ton überall abbren-nen möchte; Assekuranz hat er ja keine. Lassen Sie ihn nur abbrennen; vielleichtverzweifelt er an sich, und bessert sich. Den katholischen HauSbrauch aber in Gebetund Segnungen insbesonderS müssen wir dadurch assekurire», daß wir in unsernHäusern daS Leben Jesu und der Heiligen als lebendige HauSpostillc aus den HauS-altar legen, überhaupt für eine christliche Lertüre sorgen, und cS am CommentaredeS Lebens nicht fehlen lassen. Es wäre auch gar nicht übel, wenn die Eltern ganzbedeutungsvoll als christliches Heirathsgut der sich bildenden Filiale eine kleine katho-lische Bibliothek mitgeben möchten, deren FunduS auS dem Leben Jesn und der Hei-ligen, aus einem gute» Hausbuche, auch Katechismus u. dgl. bestehen würde.
Sie sehen, wie eS möglich ist, daß die angeführten Züge katholischen LebenSnicht lauter Ceremonie seyen, sondern daß wirklich der heilige Geist, der Leiter undBildner alles geistigen LebenS, auch in der christlichen Familie und ihrem Brauchezum Durchbruche und zur Gestaltung komme. Sie wissen auö Erfahrung und auSder Natur der Sache, daß daS Weib vorzugsweise zur Pflege häuslicher Sitte beru-fen ist. Auch die Zeit der Aufklärung schien die sociale Stellung deS weiblichen Ge-schlechtes und dessen Einfluß auf daS Wohl der Gesellschaft zu erkennen. Man kamder gedeihlichen Entwicklung desselben auf dem Felde der Literatur helfend entgegen.Man schrieb Bücher für Jungfrauen im Brautstände, für Mütter, für Frauen undfür daS Weib dem Manne gegenüber. Wir kenne» die Eremplare nicht, die sich nach^dieser Weisheit gebildet; wir sind aber doch der Ueberzeugung, daß alle zusammen-genommen nicht Ein eremplarischeS Muster auch nur in Einer dieser vier Eigen-schaften werden ausweisen könne», wenn ihnen keine andere als diese Hilfe kam.Wo aber der katholische HauSbrauch herrscht, wo der Odem Christi und der Heiligenweht, wo daS HauS Nachbild nach der Kirche Musterbild ist, da lebt in EinerPerson Geliebte, Mutter, Frau und Weib. Möge daS Weib vorzüglich seine Auf-gäbe, christliche Sitte zu wahren und zu pflegen, nie vergessen! Der Herr selber hatihr diese schöne Aufgabe übertragen in den Worten: „DaS Himmelreich ist einemSauerteige gleich, den ein Weib nimmt, und ihn unter drei Theile Mehles mischt,