Ausgabe 
13 (6.2.1853) 6
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Dreizehnter Jahrgang.

Sonntags-Beiblatt

zur

Augsburger Pojheitung.

6. Februar v. 1853.

Dieses ivlatt erscheint regelmäßig alle Sonntage. Der halbjährige Abonuementsprei«TV kr., wofür e« durch alle köm'gl. bayer. Postämter und alle Buchhandlungen bezogen werden kann.

Fräulein Aloifta Ptfani

aus dem Institute der englischen Fräulein in Burghausen in Bayern ,an Herrn Hofcaplan Müller,

Geschäftsführer des Missionsvereins.

Calcutta, am L3. Nov. lS52.Hochwürdiger, Hochverehrtester Herr Hofcaplan!

Da sind wir nun endlich glücklich angekommen im fernen Indien, nach langer,langer Pilgerfahrt. Tausend Dank sey dem Herrn, der unS so sicher geleitet, sotreulich beschützt und eine so glückliche Reise verliehen hat. Mein erstes und liebstesGeschäft nach unserer Ankunft ist nun, an Sie, Hochverehrtester Herr Hofcaplan, zuschreiben, und Ihnen von unserer Reise und ihren Merkwürdigkeiten getreuen Berichtzu erstatten, wie ich cS Ihnen in München versprochen habe. Ich thue eS um solieber, da ich weiß, daß vielleicht Niemand an unserm Schicksal so herzlichen Antheilnimmt, als Euer Hochwürden, dessen väterliche Güte und Sorgfalt ich bereits zurGenüge kennen gelernt habe. 'Ich habe zwar die ganze ausführliche Beschreibungunserer Reise von den verschiedenen Stationen auS schon früher nach Bnrghausengeschickt. Da Sie aber einen vollständigen Bericht eigens wünschen, so will ich daSGanze noch einmal zusammenfassen und unsre Wanderschaft vom Anfange bis zumEnde erzählen.

Daß der Abschied vom Institute zu Burg Hausen , von den lieben Schwesterndort, in deren Kreis wir so viele glückliche Jahre verlebt hatten, unS viele bittereThränen gekostet habe, brauche ich nicht zu versichern. Nachdem wir sie zum Letzten-male umarmt, rollte der Wagen zum Thore hinaus. Unsre liebe Frau Oberin undeine unserer Mitschwestern begleiteten unS. ES war am 13. August, da wir Burg-hausen verließen. In Allötting halten wir noch den Trost, die wunderbare Gna-denmutter grüßen und ihren Schutz und Segen unS erbitten zu können. Des andernTageS kamen wir nach Nymphen bürg; hier verließ unS unsere verehrte FrauOberin, und wir setzten allein unsern Weg nach Köln fort, wo wir den hochwür-digsten Bischof von Dacca treffen sollten. Ich sage nichts von der schönen Rhein-gegend, die wir durchschifften, sie ist zu bekannt; doch kann ich nicht umhin, etwasvon Köln zu erwähnen, wo wir unS fünf Tage aufhielten. Nach unserer Ankunftgegen acht Uhr Abends suhreu wir sogleich nach der erhaltenen Anweisung inS Kle-rikalseminar. Wir trafen dort wirklich unsern hochwürdigsten Bischof, der unS sehrfreundlich und väterlich empfing und um uns Aufnahme und Nachtherberge zu ver-schaffen, selbst spät AbendS noch zu den Ursulinerinnen ging, um selbe für unS zu