Ausgabe 
13 (6.2.1853) 6
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erbitten. Da sie ihm aber verweigert wurde, fuhr er mit unS in einen Gasthof,sorgte da für Alles, und führte uns am andern Tage inS Kloster zur heiligen Maria ,wo man unS mit wahrer Schwesterliebe aufnahm. Unser erster Gang war in denherrlichen Dom. Was soll ich sagen von diesem Wunderbau, diesen Gewölben, diesenSäulen, von der Farbenpracht der herrlichen Kirchenfenster? Wahrlich, ist je einTempel, ein Bau von Menschenhand, der Gottheit würdig, so ist eS dieser Dom.Ich fürchte zu weitläufig zu werden, wenn ich von den Heiligthümern und Kostbar-keiten spräche, die man uns gezeigt; ich erwähne daher auch nichts mehr von derKirche der heiligen Ursula, sondern sage bloS, daß unser hochwürdigster Bischof unöhier wieder verließ, um nach London zu gehen, und unS nach Paris bestimmte.

Wir schieden also von dem freundlichen Köln , und fuhren mit der Eisenbahn»ach Paris . Hier nahmen uns die Schwestern vom heiligen Karl, die daselbst erstein neues HauS gegründet hatten, auf, und beherbergten uns drei Wochen lang mitso edelmüthiger und aufopfernder Liebe, daß sie unS, selbst arm, ihre eigenen Bettenabtraten, und dafür auf Strohsäcken schliefen. Dank diesen guten Schwestern, ihrAndenken wird unS immer unvergeßlich bleiben.

Nach langem Warten kam endlich unser hockwürdigster Bischof. In seiner Be-gleitung ging eS nun bald auf der Eisenbahn, bald im Eilwagen zwei Tage undzwei Nächte das südliche Frankreich durch, über Dijon, Lyon, Vienne zc. ?c.nach Marseille . Schon eine Stunde außerhalb sieht man in einer Bucht daSMeer. Ich weiß nicht, welches Gefühl sich meiner bemächtigte, als ich zum Ersten»male dieß Bild der Unendlichkeit vor mir sah, Ein unwillkürliches Ah! wirdlaut, wenn die Straße sich wendet, und auf einmal daS Meer in seiner stillen Maje-stät vor einem liegt.

Am andern Tage, den 23. September, schifften wir uns auf dem DampferOfiriS" ein. Es war ein herrlicher Morgen, als wir Marseilles schönen Hafenverließen, das bald hinter unS wie ein liebliches Panorama lag und endlich in derFerne verschwand. Poch bald machte das Meer seine Rechte geltend. Eine nachder Andern fühlte sich unwohl, und legte sich nieder. Schwester Josephine und ichkonnten wohl noch vom Glücke sagen, denn nach ein paar Stunden war die Ueblich-keit gewichen, und deS andern TageS waren wir wieder ganz gesund und wohlauf.Schwester Augustine aber verließ daS Uebel nicht mehr; so lange sie auf dem Meerewar, war sie beständig krank und leidend. Die erste Nacht war ziemlich unruhig. DieSee ging hoch und schaukelte das Schiff wie eine Wiege auf und nieder. UnsereKajüte, in der unser nenn waren, war eine wirkliche Krankenstube geworden. Diearmen Damen jammerten nnv schrieen, wenn bald ein Glas, bald ein Stuhl zuBoden fiel, und eine Schüssel wie ein Schlittschuh hin und her rutschte.

Der nächste Morgen war schön, doch noch etwas windig. Ich eilte früh aufsVerdeck, als eben die Sonne aufging und die felsigen Ufer von Sardinien undKorsika beleuchtete, zwischen denen wir vorbei segelten. Ihr Anblick ist nicht beson-ders anziehend, da eS nur kahle, schwarze Felsen sind, die sich an der ganzen Küstehinziehen. Am dritten Tage sahen wir die Insel Sicilien vor unS, anderen schönenUfern wir die Stadt Marsalla und noch ein Paar andere liegen sahen. DaS Wetterwar unS immer günstig, nicht uur hier, sondern die ganze, lange Reise durch.Nirgends aber spiegelt sich der blaue Himmel so schön, als im mittelländischen Meere,daö nur mit dem schönsten Azur, mit dem reinsten Ultramarin verglichen werdenkann. Auf keinem andern Meere habe ich diese Farbe wieder gefunden.

Unsere Gebete konnten «ir ungestört auf dem Schiffe verrichten, wie zu Hause.Zweimal deS TageS versammelte uns unser hochwürdigster Bischof um sich, und betetemit unS die Meßgebete, und Abends den Rosenkranz. Gewiß! es war rührend, ihntäglich in der Mitte dieser kleinen Gruppe zu sehen, die zurückgezogen in einen kleinenWinkel deS Verdeckes, unter dem sternbesäten Himmel, wo ver Vollmond freundlichleuchtete, Maria, jenen Stern des Meeres grüßte.

Am Sonntag den 26. erreichten wir endlich den Hafen von Malta . Unser