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hochwürdigster Bischof führte uns sogleich in das Kloster der Schwestern des heiligenJoseph, die uns eilf Tage lang beherbergten. Täglich kam er wie ein liebreicherVater, um nachzusehen, wie eS uns ginge, und ob wir nichts bedürften, und da erimmer besorgt war, uns überall die Merkwürdigkeiten zu zeigen und sehen zu lassen,so ließ er auch hier uns sogleich die ersten Tage in die Kathedrale zum heil. Paulusfahren, die etwa zwei Stunden von der Stadt entfernt liegt. Sie ist an jenem denk-würdigen Platze erbaut, wo der große Völkerapostel während seines Ausenthaltes inMalta gelebt und gewohnt hat. Die Kirche selbst ist groß und schön, reich anMarmor und Vergoldung; sie ist die eigentliche Kathedrale der Stadt, da sie aber zuweit davon entfernt ist, befindet sich noch eine andere, zum heil. Johannes genannt,in der Stadt selbst. Bei der Kirche deS heiligen Paulus befindet sich daS Seminarund vier Herrenklöster, sonst liegt sie ziemlich isolirt auf einem kleinen Hügel iu derNähe deS Meeres. Nachdem wir die Kirche betrachtet, führte man uns außerhalbderselben eine Strecke Weges, öffnete dann eine Thüre, zündete Lichter an, undführte uns die Stiege hinab in eine kleine, dunkle Grotte. Hier war die Stelle,wo der heilige Paulus gewohnt, daneben noch eine kleinere Höhle, wo er gebetethat. Die Grotte ist noch ganz in ihrem Naturzustande, wie sie ehemals war. Nurdie Statue des heiligen Paulus steht in Lebensgröße in der Mitte derselben ausweißem Marmor gehauen. Mit einem Gefühle von heiligem Schauer knieten wiruns hier nieder, den großen Apostel, der auch diese Meere durchsegelt, um seinenSchutz und seine Fürbitte anflehend.
Man führte unS nun auf eine entferntere Seite des BergeS; hier wurden wie-der Lichter angezündet, wir stiegen eine Treppe hinab, und kamen in die Katakomben.ES sind das jene unterirdischen Gänge, in denen die ersten Christen zu Zeiten derVerfolgung gewohnt, gelebt und gebetet haben; lange dunkle Jrrgänge, Höhlen undGewölbe, wo man noch viele in Stein auSgehauene Grabstätten, Lagerstellen undTaufsteine steht, doch ohne daß Leiber von Heiligen oder sonst Verstorbener darinruhen, wie eS in den römischen Katakomben der Fall ist. Dennoch ist der Anblickdieser geheiligten Stätte interessant und ergreifend, bei dem Gedanken an jene Jahr-hunderte, wo das Christenthum und unser heiliger Glaube wie ein kleines Samen-körnlein unter der Erde ruhte, von dem Blute der Märtyrer getränkt, von der Lehrever Apostel und der Heiligen befruchtet, schon Früchte der Heiligkeit und deS Hclden-muthes brachte.
Wir kehrten nun zur Kirche wieder zurück, traten in eine Seitencapelle, stiegenwieder abwärts und kamen in eine andere Gruft. Hier waren drei Altäre in einerArt von Nischen; der eine mit der Statue des heiligen PauluS, zu seiner linkenHand das Marmorbild deS heiligen LucaS, und seitwärts der Altar eines heiligenBischofs, der einer der ersten Jünger deS Apostels war. Hier, sagt man, soll derApostelfürst daS hl. Opfer gefeiert, hier mit der ersten Christengemeinde den Gottes-dienst gehalten haben. Die Altäre sind ungemein alt und scheinen wohl auS denersten Jahrhunderten zu seyn. Doch fand ich sie für die Heiligkeit dieses Ortes sehrvernackläßigt und ärmlich.
Ueberhaupt hat Malta schöne Kirchen und eine Menge Klöster. Ich erwähnehier nur der schönen Dominicanerkirche, die am Rosenkranzfeste von oben bis untenmit rothem Damaste behängt, und selbst außen an der Kuppel mit Hunderten vonLichtern Abends beleuchtet war, was einen nngemein schönen Anblick gewährte. Ichsage nichts von der feierlichen Procession, die an diesem Feste statt fand, und vondem sonderbaren Costüm der dabei Betheiligten, denn ich habe noch so viele andereDinge zu erzählen, daß ich fürchte, zu weitläufig zu werden. UebrigenS hat mirMalta wenig gefallen, eS ist wie eine versteinerte Insel, Boden, Häuser, Straßen,alles von der nämlichen gelben Sandfarbe, beinahe ganz ohne Vegetation.
Am 7. October verließen wir den Hafen mit dem Dampfschiffe „Nil ", daSuns in fünf Tagen nach Alerandrien brachte. Da wir spät Abends ankamen,konnte das Schiff nicht mehr in den Hafen einlaufen, weil die Felsen und Klippen