Ausgabe 
13 (6.2.1853) 6
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den Eingang bei Nacht gefährlich machen. ES wurde also der Anker geworfen, unddie Nacht noch an Bord zugebracht. Am andern Morgen weckte uns schon in allerFrühe der Lärm der geschäftigen Matrosen, und daS Geschrei der Neger, die nun zuHunderten in kleinen Nachen daS Schiff umzingelten, und sich stritten, zankten undschlugen, um Passagiere für ihr Fahrzeug zu erhalten. ES war ein wahrer Türken-krieg, niemals habe ich so etwas gesehen. Uud dazu die sonderbaren schwarzen Ge-stalten, halb nackt oder mit einem weißen faltigen Gewände und einem Turbanebekleidet, mit ihren Grimassen, ihrem Geschrei das alles sagte unS zur Genüge,daß wir auf fremder Erde, auf afrikanischem Boden standen.

Alerandnen selbst bietet bei seiner Annäherung einen schönen Anblick, besondersi» der Morgenbeleuchtung, in der eS vor unö stand. Schon von Ferne sieht manden Leuchtthurm, dessen freundliches Licht die ganze Nacht durch herüber leuchtete,links die Residenz des Pascha, ein großes, schönes Gebäude, in der Stadt selbst eineMenge Minarets, Kuppeln und hohe Mauern. Auch wir stiegen endlich in eines derBoote und fuhren ans Land. Hier war ein Gewühl von Menschen aus allen Na-tionen; Kameele streckten unS ihre langen Hälse entgegen, zierliche Eselein, gezäumtund gesattelt, standen in Reihen da, jedem zu Diensten. Endlich kam ein Wagen,und führte unS in daS Kloster der barmherzigen Schwestern. Mit liebreicher Gast-freundschaft empfingen uns die guten Schwestern und ihre liebenswürdige Oberin, inderen Gemeinde wir vier angenehme, uns unvergeßliche Tage verlebten. Schon amandern Tage fuhr unser hochwürdigster Bischof mit unS zu der berühmten Pompejus -und Kleopatra-Säule, eine Viertelstunde außerhalb Alerandrien. sind vaS hoheSäulen nach Art der Obelisken, aus einem einzigen Stücke Granit gehauen, vonoben bis unten mit Hieroglyphen beschrieben, mit deren Erklärung sich die Gelehrtennoch immer den Kopf zerbrechen. Die Eine von diesen Säulen ist beinahe schon ganzmit Schutt und Erde bedeckt, da die Araber nicht so vielen Respect für diese Stein-colosse haben, als die gelehrten Herren Europäer .

Mehr Interesse als diese Steine hatte für unS der Begräbnißplatz der Muha-medaner, der sich gleich in der Nähe derselben befindet. ES ist ein großer, weiterPlatz, der sich an einen Hügel hinaufzieht, öder, dürrer Sand, ohne einen Grashalmund Baum, frei und offen ohne Mauer. Ein großer viereckiger Stein, in dessenMitte ein dürrer KactuS aus einem Loche wächst, zuweilen auch eine niedere, halb-zerbrochene Säule bezeichnen den Ort des Begräbnisses. Nichts öder und trostloserals der Anblick solch eines Todtenfeldes, wo nur Eidechsen und Schlangen auf demausgebrannten Boden sich herumtreiben. ES ist wie ein Abbild deS TodeS und Flu-ches, der über diesen armen Kindern des KoranS liegt. Während unsers Aufenthaltessahen, oder vielmehr hörten wir mehrere Leichenzüge vorbeischreien, denn man hatkeine Idee, mit welchem Gelärm und Getöse sie ihre Todten zu Grabe tragen.Alles ruft und schreit da zusammen während der ganzen Länge deS WegeS: Allah istgroß und Muhamed ist sein Prophei; Allah, Allah ist groß ic. ic. Weiber sind eigensbezahlt, die dazu heulen und schreien da kann man sich den Lärm denken. AlleDonnerstage bei Nacht ziehen sie dann hinaus, um auf den Gräbern der Verstorbenenzu beten und Mahlzeit zu hallen. Dasselbe Geschrei, mit einer Art von Trommelund Pfeifen begleitet, und der grelle Fackelschein machen eS zu einer wahren TeufelS-procefsion.

Noch ein Wort über die Frauen und ihr sonderbares Costüm. Niemals siehtman eine auf der Straße, ohne von oben bis unten eingewickelt zu seyn, nur dieAugen sind frei; von der Stirne geht ein schmaler Streif über die Nase bis zumMunde, den ein anderes Tuch über die Quere einhüllt, so daß eS beinahe wie einPferdegeschirr aussteht. Nur ganz gemeine Weiber gehen mit unbedecktem Gesichte;da erfordert eS aber afrikanischer Anstand, daß sie sich, so bald sie Jemand begegnen,den Mund mit der Hand oder dem Aermel bedecken. Andere haben ein langes StückZeug wie einen Rüssel vom Munde bis zu den Knieen hängend, ich weiß nicht istes zur Zierde, oder um durch dasselbe Athem zu schöpfen. Die vornehmen Damen