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aber gehen niemals auS, sondern nachdem fie ihre tägliche Lebensaufgabe vollbrachtund Toilette gemacht haben, sitzen fie den ganzen Tag aus ihrem Divan. wie dieTulpe auf ihrem Stengel vegetircnd, in vollkommenem Müssiggang. In jeder Hin-sicht ist das Weib aber hier ein bedauernSwertheS Geschöpf, sie mag reich oder arm» seyn, trostlos in diesem, hoffnungslos für das anvere Leben, da ihnen «nach ihremGlauben nicht einmal der Himmel offen steht, sondern sie vor der Thüre ihren Platzhaben, wo ihre Männer ihnen dann Visite machen.
Ich habe vom Kloster selbst noch nichts erwähnt, von den Schulen, von denkleinen, schwarzen Negerzöglingen, von 1, 2 —3 Jahren, meistens Findet- oderWaisenkinder armer Neger, an denen die guten Schwestern Mutterstelle vertreten,von der Menge der Kranken, die täglich an zwei- bis dreihundert kommen, um Arznei,Rath und Trost von diesen Engeln der Barmherzigkeit zu holen. Doch ich käme ankein Ende, wenn ich es umständlicher beschreiben wollte.
(Schluß folgt.)
Melchior von Diepenvrock.
(Schles. K. Bl.)
BreSlau . In schwerer Zeit in unsere Diöcese berufen, da gerade hier derAntichrist sein Hoflager aufgeschlagen und der Rougescandal sein Unwesen trieb,trat Melchior von Dicpenbrock als Friedenssürst in unsere Mitte, um Achtung gcbie-tend die Lauen zu wecken und ruhig den Waizen von der Spreu zu sondern. Seinehimmlische, nie zu erschöpfende Gevulo und Sanftmuth sollte aber bald auf dasHärteste geprüft werden, da eine Rotte Buben, unwürdige Söhne unserer Hoch-schule und aus vornehmen Familien entsprossen, sich verbanden, den hohen Kirchen-fürsten auf offener Straße am Fuße eines Kreuzes zu verhöhnen; seit dieser Zeit sahman' ihn nie mehr auf einsamen Spaziergängen außerhalb seines Palastes. Dennochvermochte so viel teuflische Bosheit seine Menschenliebe nicht zu verkürzen; er warund blieb ein unerschöpflicher Born von Güte, Langmuth, Milde und weisem Ratheund beantwortete den Hohn der Welt mit einer Kette von LiebeSwerken, die seinganzes Leben bis zu seinem letzten Hauche umschlingt. Unzählbare Summen über-reichte er zur Unterstützung der Ortsarmen; so wie Tausende von Bittstellern mitFreuden- und DankeSthränen seine Schwelle verließen. Wohlthun war ja seine seligsteFreude; am liebsten that er eS in aller Stille, und dabei kannte er oft so wenigMaaß, daß seine Spenden oft seine reichen Einnahmen noch überstiegen. So klagteihm einmal ein junger, talentvoller Priester seine Noth; liebevoll klopfte der edleBischof demselben auf die Schulter und sprach in heiterer Weise: „Meine Baarschaftbesteht gerade noch aus hundert Thalern; ich biete ihnen die eine Hälfte, die andere, müssen Sie mit schon lassen.» Dergleichen rührende Scenen sind in großer Zahlbekannt, und werden dem edlen Melchior in spätesten Zeiten noch einen rühmlichenDenkstein setzen. Mit Aufwendung von vielen Tausenden begründete er ein Knaben-seminar, die tunclstio pisus, erweiterte er das Convictorium für Theologen, besserte. er in der Melchiorstiftung die Lage der Capläne unv Schullehrer im österreichischenAntheil- seiner Diöcese. Voll innigsten Mitleids stellte er sich an die Spitze deSHilfScomite'S zur Zeit, als der Hungertyphus in Oberschlesien so viele Opfer forderte,und milderte durch bedeutende Geldsendungen die Noth der Unglücklichen. AIS Pro-tektor aller wohlthätigen Vereine, des Vincenz», des BonifaciuS-, des GesellenvereinSu. s. w. ging er überall mit bedeutenden jährlichen Beiträgen als Vorbild voran, umAlle zu reiner Bruder- und Christusliebe zu entflammen.
So groß er als Mensch da stand, so wunderbar leuchtete er als Priester allenDenen voran, die sein Strahl erreichte. Während daS liebeglühende Gebet ihn oftStudenlang knieend an die Stufen seines HauSaltares fesselte, erschien er öffentlichüberall in seinen geistlichen Verrichtungen mit einer Würde und Majestät, die den