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frechen Spötter niederschmetterte, dem gaffenden Akatholiken Respect gebot und denGläubigen mit heiliger Freude erfüllte, der Kirche GotteS anzugehören, deren kräftigeSäule er vor sich erblickte. Würdiger läßt sich sein ganzes Wesen nicht schildern,als mit seinen eigenen Worten, mit denen er daS Bild SailerS zeichnet: „Wahrhafterhebend w»r eS, ihn anzublicken in seinen geistlichen Functionen, am Altar, bei derheiligen Messe u. s. w. Die höhere Weihe, die sein ganzes Wesen durchdrang, tratdann noch sichtbarer hervor, seine stets edlen Züge verjüngten, verschönerten sich;auS seinen Augen strahlte ein mildes Feuer; ein höheres Schweben klang durch dieganze gehobene, verklärte Persönlichkeit, und daS Alles auch wieder ohne allen Zwangund Drang, wie unbewußt, so wie der Vogel sich von der Erde erhebt, und ausseinen ausgebreiteten Schwingen ruht. — Ihn beten sehen, reizte zum/Gebete, wieseine ganze Erscheinung geeignet war, die Religion, die Frömmigkeit ehrwürdig undliebewerth zu machen in Jedermanns Auge." Hat er also in der That durch Wortund Beispiel in den Herzen der Seinen dem Herrn lebendige Tempel erbaut, so ister auch redlich bemüht gewesen, die Zierde der Gotteshäuser und deren würdigenSchmuck zu befördern, so wie Er es bewirkt hat, daß der fromme Pilger wieder aufdem Scheitel des Zobtenberges die Gottesmutter um ihre gnadenreiche Fürbitte an-flehen kann, so daß er in Wahrheit mit dem heiligen Sänger beten durfte: „vvmirie,clilexi cleeorem äomus tuse!"
War er sonach groß und edel als Mensch, erhaben als Priester, so erschiener als Bischof wahrhaft bewunderungswürdig in der Sorge für daS Seelenheil derihm anvertrauten Heerde. Zur Hebung und Erbauung seiner Priester förderte er diegeistlichen Ererciticn, zur GlaubenScrweckung in seiner Heerde beschützte er die heiligenMissionen in seiner ganzen Diöcese und schuf ein glaubenskräftiges Leben, wie eS derkühnste Wunsch kaum zu hoffen gewagt. Mit umsichtiger Weisheit fand er immerdie geeignete Person für die erledigten Stellen heraus, und so wie er selbst frei vonjeglichem Vorwurf, sittenrein und bis zur Aengstlichkeit pünctlich und pflichtgetreuwar, so durfte er auch von Andern möglichste Pflichttreue fordern und dem Säumigenmit seinem ganzen Ernst begegnen. Wo eS aber galt, die Rechte seiner Kirche zuschirmen und unwürdige Angriffe der Bosheit und Unwissenheit abzuweisen, da trater mit heiliger Entrüstung in die Schranken, wovon daS ans seinem Sterbebette ver-faßte Rundschreiben an seinen Klerus ein ewig denkwürdiges Zeugniß ablegen wird.
Wie tief er aber seine Aufgabe durchschaut, zeigt die Sorgfalt, mit der erunausgesetzt die Schule, in engster Verbindung mit der Kirche, von der Volksschulean, bis zu den höchsten BildungSanstalten im Auge hielt, und wenn darin noch nichtAlleS geschehen, was nach seinem Wunsche hätte geschehen sollen, so trägt daran seineschwere Krankheit die Schuld, und dürfte sein Dahinscheiden vielleicht gar Vieleswiederum in Frage stelleis. Wie gern er noch so manchen lange gehegten Wunscherfüllt gesehen hätte, bezeugt die erstauuenswerthe Sorgfalt, mit der er noch auf sei-nem SchmerzenSlager mit zitternder Hand Alles selbst besorgte und ausfertigte.
Jener Zug seines edlen Herzens wird ihn aber stets ehren und selbst seinem 'erbittertsten Gegner Achtung gebieten: die ungetrübte Liebe zu seinem Könige, die sichbesonders damals recht deutlich bekundete, als die Fackel des Aufruhrs in SchlesiensGauen geworfen wurde, und elende Volksverführer die Einfalt der Bauern zu benutzensuchten, um das ganze Land in Feuer unv Flamme zu setzen. Sein Donnerwort ent-larvte die Verführer und rettete dem Könige den Thron und bewahrte dem LandeRuhe und Frieden. Dafür ward ihm aber auch die ungeheuchelte Liebe und Hoch-achtung seines Königs gesichert, die sich namentlich in der schweren Krankheit aufrührende Weise kund gegeben und eben diese befrenndete Stellung zum Herrscherhaus?gab der katholischen Kirche eine gewisse Garantie für die Zukunft, so wie seine wich-tige Mission, als apostolischer Delegat für die preußischen Armeen für Regelung einergeordneten Militärseelsorge zum großen Segen der katholischen Soldaten eben dadurcherleichtert wurde. Möge der Himmel verhüten, daß durch gegenseitige Verkennungdes rechten Stanvpuncteö noch Zeiten kommen, in denen bei der großen Gereiztheit