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beider Parteien Kämpfe auSbrechen, die die Sanstmuth und vermittelnde Liebe deSdahingeschiedenen Kirchenfürsten bis jetzt so erfolgreich zu beschwören wußte.
Sein Schaffen als christlicher Schriftsteller und gottbegeisterter Sänger liegt derWelt in seinen gedruckten Werken vor, und wird dieser reiche Schatz von Weisheit,Lebenserfahrung und gläubigem Christenthum für alle Zeiten das unschätzbarste Kleinod,ein kostbares Testament bleiben.
So ruhe denn, heißgeliebter treuer Seelenhirt, in deiner stillen Gruft, die deinetreuen Kinder mit dem Thränenthau der Liebe und des DaukeS benetzen, und betewieder am Throne deS LammeS für deine Heerde, die in dir ihr heilig Vorbild immer-dar erblicken wird.
Ja, o Vater. », sey uns Rather,Da der Tag so trüb' sich senkt,Bleibe bei uns, ach und sey unsStern, der durch die Nacht uns lenkt!
Nahe Zukunft.
Allenthalben sondern sich die Geister. Die jüngste Geschichte Europas hat dieMenschen in zwei Hauptheere abgetheilt: Hier die Freunde der Ordnung um jede«Preis, und dort deren nicht minder geschworene Feinde. Aber unter 5en ersteren istnicht die Einigkeit, welche unter den zweiten herrscht; während diese um die Mittel.zum Ziel zu gelangen so wenig als um daS Ziel selbst verlegen sind, wollen beijenen einige die Ordnung nur wegen der Ruhe und Sicherheit deS Materiellen,während die andern damit zuoberst für die Ruhe der Gewissen, die Ordnung derKreaturen und die Sicherheit deS künftigen Lebens zu wirken suchen. WaS nundieser „idealistischen" Echaar bloß ein, wenn gleich wenig, entbehrliches Mittel zumZwecke ist, das streben die andern als Selbstzweck an, und wollen eS um keinenPreis gestört wissen, ja daS lieben sie so, daß sie nur den „Schein" derselben, eineScheinruhe und Scheinordnung über Alles setzen. Weil jedoch — nicht die Ordnungder Staaten, wohl aber — die Ordnung des bürgerlichen Lebens nachgerade eine soverkehrte geworden, daß mit ihr jene höhere Ordnung nicht mehr vereinbarlich ist,so müssen sich die Diener dieser letzteren von jenen trennen, und eS darauf ankommenlassen, in Zukunft nicht nur mit den Socialisten, sondern auch mit den egoistischenConservativen zu kämpfen. Der Streit wird heftig, aber er ist unvermeidlich. DaßeS jedem lieber wäre, ihn nicht mitansehen zu müssen, begreift sich ebenfalls, nament-lich bei solchen, die sich keine Schuld an diesem ChaoS vorzuwerfen haben. Alleinman möge sich darum nicht hinreißen lassen, die Katholiken anzuklagen, daß sie denKampf heraufbeschworen haben! Bedenke man nur, wie vor dem Jahre 1848 allesäußerlich gar still und friedlich schien, daß es damals bei unS noch keine Katholiken--vereine und keine religiöse Polemik, weil überhaupt kein religiöses Bewußtseyn gege-ben, daß aber dennoch das Jahr 1848 gekommen ist! Und daS, wodurch dieses Jahrhervorgebracht wurde, das ist eS, was heute noch fortwuchert, und dermalen nurmühsam niedergehalten wird! Von j-iem üppig aufgeschossenen Samen zu befreien,kann nur der katholischen Entschiedenheit gelingen. Wenn eS keine schmerzlose Opera-tion wird, so ist die Kirche so wenig Schuld daran, als der Arzt, welcher daS Giftendlich ausbrennt, für die Schmerzen deS durch seine Laster niedergeworfenen Krankenkann. In diesem Augenblicke erübrigt nichts, als daß die Gesellschaft in Massen andie heilende Kirche sich wende, oder daß sie, indem sie dieses nicht glaubt undihr vielmehr in Spendung der rettenden Arzeneien Zwang anlegt, oder sie gar gekne-belt ins Verließ wirft, von socialistisckm Quacksalbern nach tausend und tausend hirn-wüthigen Regenerations-Experimenten in ihr Grab, in daS unentwirrbare EhaoSgestoßen wird. Die Wahl steht nun frei! (W. Kirchenz.) '
') Die darum überall und gewiß auch sehr bald bei uns durch außerordentliche Boten die Herzenzu sich ruft.