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Christliche Vergeltung.
Es war im Winter des verhängnißvoltcn Jahres 1848, welches so vieleFamilien ins Elend stürzte, als die seit dem (im October 185V) verstorbene frommeKönigin von Bei,-' deren mildthätiger Sinn allbekannt ist, eines AbendS bei ihrenAuSgängen, um nn Äend aufzusuchen und demselben zu steuern, in Begleitung einerihrer Ehrcndamen jick in eines jener Stadtviertel von Brüssel begab, welche man sorecht als die Wohnung des Leidens, der Noth und Entbehrung betrachten konnte.Hier ging sie von Haus zu Haus, in jedem Trost und Unterstützung spendend, vonjedem Dank und Segen mitnehmend. In einem der Häuser nun traf sie einen jun-gen kräftigen Mann mit einem vor der Zeit gealterten Weibe, beide in düstererStimmung. Im Ofen brannte kein Feuer, im Schranke fand sich keine Brodkrume.Die Königin, gerührt von so großer Dürftigkeil, fragte nach der Ursache derselben;der Mann antwortete aber nur durch ein paar nicht zurückhaltende Thränen undeinen schrecklichen Fluch. Die Königin jedoch ließ sich nicht abschrecken; sie fragte,ja sie bat um nähere Mittheilung, und dieß mit solcher Theilnahme, daß der Un-glückliche endlich gestand, er sey ein französischer Rebelle und habe sich, um einersichern Verurthcilung zu entgehen, nach Belgien geflüchtet; seine Mittel seyen zuEnde und er habe weder Verdienst noch Unterstützung. „Aber", sagte die Königin,„welches Gute hofften Sie denn von der Revolution? Welches Uebel wollten Sieiu Frankreich ausrotten?" Bei diesen Worten brach der junge Mann in eine Fluthvon Flüchen und Verwünschungen auS, nur Eine Gnade verlangte er, nämlich die,mit eigener Hand den Tyrannen, daS Ungeheuer von der Erde zu vertilgen —Ludwig Philipp. Man kann sich denken, welch' schmerzlichen Eindruck dieseWorte auf die gute Königin, Louise von Orleans , Tochter deS vertriebenen Königs,machen mußten. Indeß, eingedenk der Worte Jesu, daß man selbst seinen FeindenGuteö erweisen müsse, behielt sie ihre Fassung und ließ sich in*nichtS anmerken, wersie war; nur richtete sie an den Flüchtling die weitern Worte: „Ludwig Philippmuß Ihnen viel BöseS zugefügt haben,, daß Sie solchen Haß gegen ihn hegen;wohlan denn, ich will Ihnen dafür so viel Gutes erweisen als der König IhnenBöseS gethan haben kann." Und die edle Frau übergab dem Menschen, der keinenhöhern Wunsch kannte, als der Mörder ihres Vaters zu werden, 50 Frankennebst dem Versprechen, daß künftighin für seine Bedürfnisse gesorgt werden solle.Man kann sich leicht die Verwunderung deS Rebellen denken; dieselbe steigerte sichaber später zur höchsten Beschämung, als er durch einen Zufall erfuhr, wer seineWohlthäterin war. In eiliger Hast stürzte er zu ihr und bat um Verzeihung für dieschwere Beleidigung; dieselbe ward ihm auch vollständig zu Theil, denn das edleHerz der Königin kannte kein Gefühl der Rache, wohl aber hatte sie die Rettungeines Verirrten bezweckt, und in diesem Gefühle fand sie sich hinreichend belohnt.
Todtenschau vom Jahre 18S2.
Im Jahre 1852 hat das Cardinalscollegium drei seiner Mitglieder durch denTod verloren: die Cardinäle Orioli , Castracane und Bernetti. Der kath. Episkopatverlor im genannten Jahre u. A. folgende Mitglieder: Greg. Thom. Ziegler, Bischofvon Linz; Nicol. KovacS v. TuSnad, kath. Bischof von Siebenbürgen ; Gritti-Morlachi,Bischof von Bergamo; Cornel. van Bommel, Bischof von Lüttich ; Devey, Bischof vonBelley in Frankreich; Andr. CarrutherS, Bischof von CaramisuS in psrt., apost. Vicar von Ost-Scholtland; Daniel Murray, Erzbischof von Dublin und French , Bischof vonKilmacduagh in Irland; Orley y Labastida, Bischof von Taragona in Spanien ; Vilar-dell, auS dem Orden des hl. FranciScuS, Erzbischof von Philippi i. p., apostol. Vicar zuAleppo und apöst. Delegat vom Berge Libanon; Domin. Castelli, Erzbischof von NaroSund ParoS und Metropolit der Inseln des ägeischen Meeres; Joh. Jos. Chanche, ersterBischof von Natchez in den Vereinigten Staaten; Richard Peter Smith, Erzbischof vonPort of Spain auf der Insel Trinidad in Westindien .
Verantwortlicher Redacteur: L> Schönchen.