Ausgabe 
13 (13.2.1853) 7
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Dreizehnter Jahrgang.

Sonntags-Beiblatt

zur

Augsburger PostMung.

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lZ. Februar 7. !85?.

Diese« Blatt erscheint regelmäßig alle Sonntage. Der haldjähriqe Ab»nnement«prel»TV kr., wofür e» durch alle könlgl. ba>,er. Pvstämter und alle Buchhandlungen bezogen werden kaun.

Fräulein Aloisia Pisani

auS dem Institute der englischen Fräulein in Burghanscn in Bayern ,an Herrn Hofcaplan Mnller,

Geschäftsführer des MissionsvercinS,(Schluß.)

Am 16. Oktober verließen wir Alerandrien auf einem kleinen Dampfschiffe,daS unS den Nilcanal hinunter führte. Derselbe ist ziemlich breit und so lang, daßwir auch mit einem Dampfboot von früh acht Uhr bis Abends fünf Uhr zu fahrenhatten. Seine Ufer sind Anfangs schön, da die herrliche Dattelpalme sie üppig ziert,später aber werden sie öle und einförmig. WaS besonders die Aufmerksamkeit aufsich zieht, sind die Wohnungen dieser Wilde», die man beinahe mit großen Maul-wurfShügeln vergleichen könnte, auS Koth und Lehm gebildet, vorn mit einem Loch,um hineinzukriechen, ohne Fenster oder andere Ocffnuug. Die Leute selbst sind äußerstschmutzig, von dunkelbrauner Farbe, entweder halb oder ganz unbekleidet, und gewöhn-lich sehr lange, hagere Gestalten.

Gegen fünf Uhr kamen wir auf deu Nil, ein schöner, majestätischer Strom,breiter als unser deutscher Rhein , doch mit trübe»!, schmutzigem Gewässer. Hiernahm uns ein anderes, größeres Dampfschiff auf. Wir träfe» da auch einige Tür-kinnen in ihrer sonderbaren Tracht, mit weiten, falligen Beinkleidern, einer reichenTunika, einem zierlichen Tnrba» oder Diadem, und reich an Perlen und Geschmeiden.Sie saßen den ganzen Tag in einem Zimmer abgeschlossen auf ihrem Divan, nachihrer gewöhnlichen Weise. Mit einer ander» Fran genieinen Standes machte manaber »icht so viele Complimenle, sondern um sie in Verwahr zu halten, öffnete manauf dem Verdeck ein Loch und ließ die Arme hinunter. Hier mußte sie den ganzenTag im Finstern bleiben, Mittags und Abends gab man ihr das Esse» hinunter,und schloß wieder deu Deckel ober ihr. O heilige Religion, o Glaube, o Christen-thum ! wie roh und grausam ist der Mann! wie arm und unglücklich das Weibohne dich!

Die Gegend bietet hier wenig Interessantes, nur hie und da sieht man Feldervon Zuckerrohr und einige Getreidarten. Endlich bei der Annäherung von Cairosieht man in der Ferne die Weltwunder die berühmten Pyramiden. Es sind drei,nicht ferne von einander, die letzte etwas niederer als die übrigen. Da ich sie abernicht in der Nähe gesehen habe, kann ich davon nichts weiter erzählen. Cairo hateben nicht viel Anziehendes, wenigstens in den Stadttheilen, die wir durchfahren haben.ES hat.sehr enge, schmutzige Gassen, schlechte Häuser und noch erbärmlichere Kauf-läden. Der europäische Theil sieht wohl etwas besser aus, doch von schönen Gebäu-