den habe ich nichts gesehen. Wir fuhren sogleich in daö Kloster der guten Hirtinnen,die unS sehr gastfreundlich aufnahmen. Sie haben hier die Schulen zu versehen,und sind etwa zehn Schwestern, darunter auch eine Deutsche. Auch einen deutschenPriester, einen FranclScaner, haben wir hier getroffen, dem wir unsere Beicht ableg-ten, waS für Schwester Augusta ein großer Trost war, da sie sich mit der englischenSprache noch wenig befreundet hat.
Am andern Tage fuhr unser hochwürdigster Bischof mit unS in daS hl. HauS,wo, der Tradition nach, die heilige/Familie während ihres Aufenthaltes in Egyptengewohnt hat, und das sich etwa Kne Stunde außerhalb Cairo befindet. ES sind damehrere alte, fremdartige Gebäude, wir mußten mehrere Höfe und Winkel durch-wandern, kamen auch in eine koptische Kirche, die ein zu sonderbares Aussehen hatte,als daß ich sie genau beschreiben könnte, und endlich in die heilige Stätte. Ueberderselben ist durch die fromme Kaiserin Helena eine Kirche erbaut, von der ich aberauch keine treffende Beschreibung geben kann, denn niemals habe ich eine ähnlichegesehen. In der Mitte derselben zieht sich ein hohes Gitter quer durch, innerhalbwelchem aus der Seite eine Treppe hinabführt. Durch dasselbe gelangten wir in dieeigentliche heil. Wohnung, e6 ist ein kleines enges Gewölbe, nach Art einer Capelle,an beiden Seiten mit niedern Säulen versehen, oben in der Mitte ein großer Altar-stein. Hier bat die heilige Jungfrau mit ihrem göttlichen Kinde gewohnt, hier indieser engen Grotte hat der menschgewordene Gott seine ersten Jahre verlebt, seineersten Schritte gethan, seine ersten Werke zu unserm Heile verrichtet. Welche Gefühlevon Andacht und Ehrfurcht flößt dieser Gedanke einem gläubigen Herzen ein! Vonheiligem Schauer durchdrungen knieten wir unS da nieder, und beteten die Litanei zujener erhabenen Jungfrau und Mutter, die hier so lange Zeit Gottes und ihren Sohngenährt und gepflegt. Leider ist diese Kirche in schismatischen Händen, und den Ka-tholiken nur erlaubt, dort Messe zu lese«.
Von da auS fuhren wir auf die Zitadelle, von wo auö man eine schone Aus-sicht über Cairo und die Umgebung hat. Hier wurde eben eine neue Moscheegebaut. Da sie noch unvollendet ist, durften auch unsere unheiligen Füße sie nochbetreten. Schade, daß es kein christlicher Tempel ist, er würde für jede Hauptstadteine Zierde seyn, so viel Gold und Marmor ist daran verschwendet.
Nach 3tägigem Aufenthalte brachen wir endlich wieder auf, um unsere Reisedurch die Wüste anzutreten. Abends sieben Uhr stiegen wir beim Fackelscheine in eineArt von Eilwagen, worin sechs Personen gut sitzen können. Da sie aber nur aufzwei große Räder gebaut sind, so ist das Fuhrwerk wirklich Lungen- und Leber-erschütternd, und man muß sich wohl hüten, irgendwo anzulehnen, wenn man nichtBeulen davon trugen will. In diesen Reisekästen durchzogen wir also eine Nachtund einen halben Tag die Wüste. Die Reise ging ziemlich schnell, da wir vier Pferdehatten, die alle zwei Stunden gewechselt wurden. Es befinden sich da von Zeit zuZeit kleine Gasthäuser am Wege, wo man zu Mittag und Abend speist, und besserbedient ist, als eS sich für solche Orte erwarten ließe. Von dieser Wüste kann ichkeine andere Beschreibung geben, als daß eS eben eine Wüste ist, ohne Baum, ohneeinen Grashalm, nichts als feiner, dürrer Sand, den der Wind einem in die Augenweht, wenn man nur ein wenig die Fenster des Wagens öffnet. Hie und da sahenwir die Ueberreste des CadaverS eines gefallenen KameelS, das hier seinen Tod fand,doch sonst kein lebendes Wesen.
Endlich nach langem, ermüdendem Wege kamen wir gegen zwei Uhr in Suezan. Niemals habe ich einen ödern und wüstern Ort gesehen. Keine Pflanze, keinenBaum, kein grünes Gräschen, nur ausgebrannter dürrer Sand überall, und einigeHäuser; dazu kein Tropfen genießbaren Wassers, sehr ungesunde Luft und eine sen-gende Hitze, das alles war wohl nicht geeignet, unsern Aufenthalt hier angenehm zumachen. ES befindet sich da auch keine Kirche und kein Priester, da nur wenigeKatholiken sich aufhalten, die vielleicht ein- oder zweimal im Jahre eine heilige Messevon irgend einem durchreisenden Missionär haben. Wir mußten drei Tage hier ver-