Ausgabe 
13 (13.2.1853) 7
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weilen, auf die Ankunft deS Calcutta-StcamcrS wartend. AbendS gingen wir gewöhn«lich am Ufer deS Meeres spazieren, mit unserm hochwürdigsten Bischof den Rosenkranzbeiend. Am letzten Tage zogen wir nach seinem und unserm Wunsche unsere Ordens-kleidung wieder an, da wir bisher in weltlicher Kleidung reisten. Dock da manauf Schiffen gewohnt ist, Klosterfrauen in ihrer Ordenstracht reisen zu sehen, undihnen viele Achtung beweist, hatten wir unS nicht mehr zu fürchten.

Sonntags den 34. am Feste deS hl. Raphael, deS himmlischen ReiscbeschützerS,schifften wir uns gegen Mittag auf einem kleinen Dampfboot ein, das uns zu dem,etwa eine Stunde entfernten, großen, prächtigen Dampfer Prccursor führte. Welckein majestätischer Anblick, so ein Schiff mit seinen Segeln und Masten, mit dengewaltigen Rädern, die cS wie zwei mächtige Flügel durch den Ocean tragen!ES wurde eine lange Stiege vom Verdecke herabgelassen, und wir stiegen ein. Unserhochwürdigstcr Bischof führte unS sogleich in unsere Kajüte, ein nettcS Zimmerchenmit vier Betten. Ueberall auf dem Schiffe bemerkten wir die äußerste Reinlichkeitund größte Ordnung. Passagiere waren eS etwa 60 70, sowohl Herren als Damen,meistens Protestanten; sie bezeigten unS jedoch viele Achtung und Rücksicht, ja, derCapilän hatte so viele Güte für uns, in die erste Classe n»S aufzunehmen, obwohlwir nur für die zweite bezahlt hatten. Gegen fünf Uhr wurden endlich die Ankergelichtet, und das Schiff setzte sich in Bewegung. Die ersten Tage war die Hitzeziemlich erträglich; den 3. und 4. aber war eS beinahe zum verschmachten. Die Hitzehatte 9t Grade Fahrcnheit erreicht, der Schweiß rann in Strömen, und den ganzenTag waren wir wie gebadet. Nachts war eS noch ärger. Die Meisten zogen auSihrer Kajüte, und legten sich im Salon auf Boden, Tisch und Bank unter denherabhängenden Windfang, nur um Luft zu haben; andere schliefen auf dem Verdecke.Und doch war cS jetzt Winter und die kühle Jahreszeit. Diese große Hitze erzeugtaber hier die Enge deS Meeres, daS von beiden Seiten von Wüsten begränzt ist,deren glühender Sand die Hitze verdoppelt. Am siebenten Tage passirten wir dieMeerenge Babel Mandet, da eS aber Nacht war, konnten wir das Land nicht sehen.

Am folgenden Sonntage, am Vorabende aller Heiligen, kamen wir nach Aden,eine Stadt an der arabischen Küstc. Da hier einige Stunden gehalten wurde, um frischeKohlen aufzuladen, so fuhren wir mit unserm hochwürdigsten Bischöfe ans Land.Beim AuSsteigcn war der nämliche Ncgcrkrieg wie in Alerandrie». Einer wolltevor dem Andern sich mit seinem Kahne herbeidrängen; man mußte sie mit den Füßenzurückstoßen. In jedem Kahne sind vier bis sechs dieser Wilden, wenn sie einen dannans Ufer fahren, so geht das Rudern nach dem Tacte, und Alle singen oder schreienzusammen eine gewisse Formel, die sie stets wiederholen nach Art einer Litanei.Aden ist ein zweites Suez, nur gebirgiger. Hohe, schwarze Felsen umgränzen daSMeer, und der dürre, ausgebrannte Boden zeigt keine Vegetation. Am Ufer sindeinige Köhlerhütten und ein Gasthaus; weiter zwei Stunden davon die eigentlicheStadt Aden. Da eben Sonntag war, wollte der hochwürdigste Bischof die heiligeMesse daselbst lesen. Nachdem er um die nöthigen Meßgcräthe in die Stadt geschickthatte, brachte dieselben ei» Missionär, mit dessen Hilfe in einem kleinen ZimmcrchendeS Gasthauses auf eiucm Tische ein Alter errichtet wurde, dessen ganze Zierde daSCrucifix war. Hier hatten wir das Glück Zeuge zu seyn von der unendlichen Liebeund Verdemüthigung unsers GotteS, der da unsertwegen herabstieg in diese WohnungdeS Götzendienstes. Mit welchen Gefühlen ich dieser heiligen Messe beiwohnte, kannich nicht sagen. Ich hätte von Herzen weinen können, so ergreifend und rührendkam mir dieser Anblick vor. Hier kamen mir die Worte jenes frommen Liedes recht zuSinne:Herr der Armuth, Herr der Demuth! sieh mich an in meiner Wehmuth,an der Hoffart böser Klippe laß mich nicht zu Grunde gehen."

Am ll. Morgens früh sahen wir in der Ferne Ceylon vor unS liegen.Schon einige Stunden weit davon wehte unS die frische Morgenluft die köstlichenWohlgerüche von Zimmet und Gewürz entgegen, an denen diese Insel so reich ist.Je näher man ihr kommt, desto schöner wird ihr Anblick. Von einer langen Reihe