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von blauen Bergen durchzogen, an den Ufern mit Palm- und Orangen-Wäldernbegränzt, die sich an den Hügeln hinaufziehen, bietet sie den Anblick eines blühenden,immergrüne» GartcnS. Niemals habe ich etwas malerischeres gesehen, als diesen Ha-fen, an dessen Spitze der Leuchtlhurm auf hohen Felsen steht, von scharfen- Klippenumgeben, an denen sich die Brandung bricht, die Wogen hoch zu ihm hinaus schleu-dernd, und in Schaum zerfließend, wie in ohnmächtiger Wuth zürnend über seineFestigkeit. Gibt eS wohl ein schöneres Bild der Kirche und ihrer Feinde! An diesemHafen liegt Gall, ein hübsches Dörfchen, dessen Häuser zwischen den Palmen undCypressen freundlich herausschauen. Auf einem Hügel außerhalb des OrteS stehtvon Bäumen beschattet daS katholische Kirchlein, da der Ort doch ein paar hundertKatholiken zählt. Als cS dunkel zu weiden anfing, schimmerte allmälig ein Lichtchennach dem andern aus dem dichten WaldcSgürtel, und umgab uns wie ein Kranz vonflimmernden Stcrnlein. Dazu der heiterste Himmel, und so frische, duftige Abend-luft, in die daS Brausen der brandenden Wogen von Ferne herübertönte, daß eS mirschien, cS müsse die Sage wahr seyn, daß hier daS irdische Paradies einst gestandenhabe. Leider stiege» wir hier nicht anS Land, da unser hochwürdigster Bischof undBater krank und leidend war in Folge eines Unfalls, der unS in große Bestürzungversetzte. Freitags den 5. November fiel er nämlich die Stiege hinabgehend in einunten geöffnetes Loch, das in ein Gewölbe hinabführt, wo daS Gepäck aufbewahrtwird. Unglücklicher Weise stieß er dabei gegen die Brust und brach sich eine Rippe.Er wurde sogleich zu Bette gebracht, und litt große Schmerzen. Der SchiffSarzt,der ihn behandelte, gab unS die trübe Aussicht, daß er vor zehn bis vierzehn Tagendas Bett nicht werde verlassen könne». Wir wiche» nicht mehr von seinem Lager,Eine die Andere abwechselnd, ihm frische Luft zuwehend, da die Hitze in der engenKajüte beinahe erstickend war, und all die kleinen Dienste ihm erweisend, die inunsern Kräften standen. Hier hatten wir täglich Gelegenheit, seine uuerschütterlicheGeduld und gründliche Frömmigkeit kennen zu lerne«. Kaum hatte der Arzt denSchaden verbunden, so war sein Erstes, daß er sein Brevier betete, obwohl er sichkaum rühren, noch athmen konnte, ohne den heftigsten Schmerz. Niemals hörtenwir eine Klage, niemals auch nur einen ungeduldigen Wunsch. Wenn wir unserMitleid auSsprache», wies er gewöhnlich auf daS Crucifir und sagte: WaS ist dasim Vergleiche mit uuserm Herrn? Dieß ist noch lange kein Fegfeuer, — lieber hierals dort! — Er war immer gleich heiter lind ruhig; täglich betete er mit unS diegewöhnlichen Gebete und den Rosenkranz, wie sonst. Auf seine» Wunsch hielten wireine dreitägige Andacht zum heil. LavcriuS, und siehe da! zu unserer großen Freudeund zur Verwunderung Aller konnte er schon am siebenten Tage außer dem Betteseyn. Seitdem besserte eS sich schnell, so daß er jetzt wenig mehr von diesem Uebelspürt. Da wir nicht a»S Land gingen, so kamen mehrere Neger zu uns an Bord,die den Bischof, oder wie sie sagten, den Priester und die Priesterinnc» sehen wollten.Sie brachten Früchte, Mccrmuschcln nnd sehr künstlich gearbeitete Schnitzwaren,Schatullen lc. die sie sich aber theuer genug bezahlen ließe». Wir gaben ihnen einigeRosenkränze, Bilder und Kreuzlein, mit denen sie große Freude hatten.
Am 15. November erreichten wir Madras, die erste indische Stadt. Schonvon Ferne sieht man eine lange Reihe niederer Gebirge, und die weißen, felsigenUfer. Näher kommend breitet sich die große, schöne Stadt, mit etwa 200,000 Ein-wohnern vor den Blicken auS. Da sie aber keinen eigentlichen Hafen hat, und dieBrandung an der Küste sehr heftig ist, so ist daS Lande» hier wirklich ein Wagestückund man braucht Muth sich dazu zu entschließen. Sobald das Schiff Halt gemachthatte, kamen eine Menge Boote vom Ufer, von Indianern geleitet, um die Passagiereans Land zu bringen. Doch die Gewalt der Strömung ist so heftig und daS Meerso unruhig, daß eS etwas sehr Schwieriges ist, vom Schiffe in dieselben zu gelangen.Man muß da gerade den rechten Augenblick erhäschen, einen Moment später, undder Kahn prallt wieder zurück, und der Hineinspringende liegt im Wasser. DasAnlanden selbst ist noch unangenehmer. Man wird da von der Gewalt der Wogen
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