Ausgabe 
13 (13.2.1853) 7
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gleichsam anS Land geworfen, und oft über und über mit Wasser begossen. Deßhalbwollte »nser hochwürdigster Bischof auch nicht, daß «ir die Stadt besuchten. Nochehe wir den Landungsplatz erreichten. sahen wir eine Menge Indianer zum Fischfangeausziehen. Nichts sonderbarer als vieser Anblick. Von Ferne glaubt man lauterschwarze Negerköpfe aus dem Wasser schwimmen ,u sehen, denn gewöhnlich sieht mandavon nichts als den Kopf, da die Wellen sie beständig auf und nieder tauchen.Sie stehen nur auf einer Art Balken, ten sie mit einem kleinen Ruder lenken, undeS ist zu verwundern, wie sie sich bei der so heftigen Bewegung im Gleichgewichteerhalten können, ohne von den über sie hinweg rollenden Fluchen hinweggcspült zuwerden. Gewöhnlich sind sie ganz ohne Kleidung; nur auf dem Kopfe haben sieeine spitzige Strohkappe, in denen sie auch die Briefe, Zeitungen zc. tragen, die siean Bord bringen wollen. Am Ufer sieht man große, schöne Gebäude und mehrereKirchen; weiter entfernt auf eine», Hügel die Kirche deS heiligen Apostels ThomaS,die über seinem Grabe erbaut ist. Leider ist aber auch diese in schismatischen Hän-den. Hier hat auch der große heilige XaveriuS eine Nacht durch gebetet und vomTeufel Verfolgung gelitten. ES macht mir immer Freude, wenn ich daran denke,daß über diese Meere ein heiliger Franz Xaver auch einst gesegelt, daß gerade vonda auS seine Gebete zum Himmel gestiegen sind. Nachdem mit der Kanone vomSchiffe auS das Zeichen zur Abfahrt gegeben wurde, wurden die Anker gelichtet,und unserer letzten Station, Calcutta, entgegengesteuert.

Freitags den 19. gegen vier Uhr Morgens lief das Schiff in die Mündungdes Ganges ein. Schon ein paar Stunden vorher kam der Pilot an Bord deSSckiffeS, daS ist ein eigens dazu bestimmter und wohlerfahrener Steuermann, derdas Schiff auf seiner Fahrt auf dem Ganges zu leiten hat. Da der Grund diesesStromes nur leichter Sand ist, so ist die Fahrt auf demselben für große Schiffegefährlich, weil die Gewalt deS Wassers den Sand bald da bald dorthin führt,Sandbänke und Untiefen bildet, und beständig die Lage derselben verändert. Deßhalbwaren immer ein oder zwei Männer beschäftigt, an beiden Seiten fortwährend daSSenkblei zu werfen, um die Tiefe zu messen. Wir waren schon ziemlich vorangekommen, als ich gegen acht Uhr aufs Verdeck kam, um die Ufer zu betrachteu.Doch da lag noch immer Himmel und Wasser vor mir; vom Ufer konnte daS Augekeine Spur erreichen. Hätte nicht die Farbe deS Wassers mich überzeugt, daß ichwirklich auf einem Strome sey, ich hätte ihn sür ein zweites Meer gehalten. Erstspäter gegen Abend verengte er sich mehr, und ließ uns die schönen, grünen Ufer,auf denen die Heerden weideten, und hie und da eine Hütte unter den Palmen unter-scheive». Endlich gegen sieben Uhr wurde der Anker vor Calcutta geworfen.Mit freudigem, dankbarem Herzen stimmten wir mit unserm hochwürdigstcu Bischofein Te Deum an. Glücklich über alle Erwartung hat uns der Herr über Meereund Wüsten geleitet. Kein Sturm hat den ruhigen Spiegel deS MeereS getrübt,keine Gewitterwolke den blauen Himmel umzogen, kein Unglück unS getroffen auf derganzen, langen Reise. Und über all daS hat er unS, als die Schooßkinder seinerVorsehung unter die Obhut eines Bischofs gestellt, der für unS Sorge trug, wiekaum ein Vater sie getragen hätte. ES ist mir unmöglich, all die Güte, Aufmerk-samkeit und Sorgfalt zu beschreiben, die unser bischöflicher Vater auf dieser Reise beijeder Gelegenheit u»S bewicS; er vergaß sich selbst in der Sorge für u»S. Hier inCalcutta , wo er unS in dem Hause eines seiner Freunde unterbrachte, da man indem Kloster der Unsrigcn keinen Platz für uns fand, erwies er unS die große Gnade,täglich in unserm Zimmer die heilige Messe zu lesen. Ich käme an kein Ende, wennich die Beispiele seiner Güte und Väterlichkeit aufzählen wollte. Gott weiß, wie vielwir seiner Huld und Gnade schulden, Er allein kann ihm genügend lohnen. Ichempfehle ihn indessen dem Gebete der Mission. Er hat wohl eine schwere Last, einegroße Bürde auf seinen Schultern, denn eine Diöcese in Indien ist etwas anders,als eine in Europa . Von der Lage deS Katholicismus, von den Hinder- und Be-schwernissen, von den Gewohnheiten des Landes und all dem übrigen Merkwürdigen