Ausgabe 
13 (13.2.1853) 7
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und ErzählenSMrthen will ich Ihnen in meinem nächsten Briefe mittheilen. Fürdießmal muß ich schließen. Morgen werden wir unsere Reise nach Chittagong antrete», wo vor der Hand unser Aufenthalt seyn wird. ES ist dort auch ein HauSder Schwester» von Loretto (uuter diesem Namen ist unser Institut in Indien, Amerika und England bekannt), doch sind dort nur drei Schwestern, die daher nothwendigHilfe bedürfen. Chittagong wird Ihnen vielleicht unbekannt seyn, doch werden SieeS unter dem Namen Islamabad auf jeder Karte finden.

Jch>s>age Ihnen nun nochmals ein herzliches Lebewohl, auch im Namen meinerlieben Schwestern. Ich weiß, daß Sie nun unsertwegen beruhigt sind, da Sie unsglücklich angekommen und in guten Händen wissen. Möge der liebe Gott Ihnen alldie Sorgfalt und Güte, die Euer.Hochwürdcn unS so väterlich bewiese«, tausendfachbelohnen. Niemals werden wir sie vergessen, niemals unterlassen für Euer Hochwür-den zu beten um den reichsten Segen des Himmels. Und wie sollte er Ihnen nichtwerden, da Sie vom Aufgauge bis zum Niedergange Kinder haben, die für ihrenguten MissionSvatcr zum Himmel flehen. Ich sende hier auch unsere Grüße nachBurghauseu und Allöiting. Möge» die lieben Schwester» für uuS beten, wie auchwir eS für sie thu». Zum Schlüsse empfehle ich mich und meine Gefährtincn auchIhre», fromme» Andenken, hochwürdigcr Herr Hofcaplan! Erflehen Sie u»S Kraft,Gesundheit und den Segen des Himmels, daß wir zur Ehre GotteS und zum Heileder Seelen recht Vieles wirken mögen.

Mit ausgezeichneter Hochachtung und Verehrung :c.

Fr. Maria Aloisia Pisani,I. St. M.

Musikalische Träume.

ES gibt Dinge auf der Welt, die etwas Ueberirdisches an sich zu haben unbeben sowohl eine Erinnerung an das verlorene Paradies, als eine Mahnung anden Himmel zu seyn scheinen. Solch' ein Ding ist anch die Musik. Wie rein istnicht ein mlisikaiischcr Genuß, verglichen mit andern irdische» Genüsse»? Und werweiß nicht, daß die Musik eine Sprache zum menschliche» Herzen ist, die unter allenZonen gleich verstanden wird?

So gewiß die Musik eine der ältesten Künste ist, so gewiß ist sie auch reli-giöse» Ursprungs, und sie kann diesen Ursprung nicht vcrläugncn. Gleich der Rcli-sgjM zieht die Musik dc» Menschen von dem Gemeinen ab, verfeinert seine Sitten,veredelt sein Gemüth und erschließt dem sehnsüchtigen Herzen eine höhere harmonischeWcltordnnng; beide üben eine unwiderstehliche Kraft auf deu Menschen. So erzähltman z. B. von dem allbekannten afrikanischen Negcrapostcl, 1)r. Knoblcchcr, daß ereinst, auf dem Nilflussc abwärts schiffend, in großer Gefahr war, von den Wildengefangen und getödtcl zu werde». Er ließ daS Schiff landen »nd spielte den WildenEiniges a»f einer Ziehharmonika vor, und siehe er und sie waren gerettet; aufdemselben Flecke steht nun eine christliche Capelle. Und waS von Heide» gilt, giltin mancher Hinsicht auch von Christen. Wer weiß nicht, daß viele Protestanten inder.Sirtinischcn Capelle zu Rom , wo die religiöse Musik in ihrer reinsten Blüthe sichcntfaltet, katholisch geworden sind?

Darum darf eS Niemand wundern, wenn die Musik schon in den erste» Zeite»deS ^Christenthums beim Gottesdienste angetroffen und stets mehr und mehr der hei-ligen Kirche dienstbar gesunden wird. Der fromme Ausdruck der Gefühle wurde zumGesänge, u»v der Zusammenklang der gläubigen Gemüthsstimmung in der Gemuudewurde zur heiligen Harmoniemusik. Am schönsten zeigt sich dieß im kirchlichen Cho-rale und in den majestätischen Orgelklängen.

Aber auch im gewöhnlichen Heben änßert die Musik eine wohlthuende Wirk-samkeit. Wie Vielen ist sie eine Erholung, Erheiterung und Erhebung über dieKleinlichkeiten deS AltagSlebenö; wie Vielen bringt sie neue Kraft, ja neue Gedanken;