Ausgabe 
13 (13.2.1853) 7
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wie Vielen verschafft sie Trost in den mancherlei trüben Stunden dieses Lebens!Man will wissen, daß bei Menschen, denen der Sinn für Musik abgeht, eine gewissekalte Einseitigkeit im GemüthSlebcn angetroffen werde. Wir wollen diese Ansicht nichtbestreiken; aber das ist sicher, daß sie eines unersetzbaren Mittels entbehren, sich mitden unausweichlichen und unvermeidlichen Disharmonien ans dieser Welt in Einklangund Versöhnung zu bringen.

In allen Dingen gibt eS Ausartungen und Extreme, also auch m der Musik.ES gibt eine geistliche und weltliche Musik, so wie eS ein geistliches und weltliche»Leben gibt. Ihr gegenseitiges Verhältniß ist hinlänglich in diesen Worten gezeichnet:Geistliche Musik schickt sich nicht fürs Theater, und weltliche Musik gehört nicht indie Kirche. Sentimentale Musik ist für kirchliche Zwecke eben so unbrauchbar undsade, als lärmende und polternde unausstehlich ist. WaS soll eine Solopurthie auSFra Diavolo" als Unterlage sür daS ,M in osrnatus est«? DaS Geistlose kannnie schön seyn.

Wo die Musik in der Kirche von Stümpern gemaßregelt wird, da unterbleibtsie besser. Ein einfacher NolkSgesang ist Gott gewiß angenehmer und für die Gemeindeerbauender, als ein mißlungenes und mißhandeltes Figural-Hochamt. Man kannsich aus der Kirche nicht so wie auS dem Theater entfernen, wenn man ob derMusik Langweile und Leere empfindet.

Weil im Himmel alle Disharmonien aufhören, so muß dort ganz eigentlichauch daS Vaterland der Musik seyn.

Und so steht eS auch in der heiligen Schrift. Von den Engeln ist eS bekannt,daß sie dem dreieinigen Gotte ein unaufhörliches «heilig, heilig, heilig" zujubeln,und von den unschuldigen Seelen versichert uns der heilige Johannes, daß sie einstein Lied singen werden, daS die andern nicht singen können. Und wo der Himmelin nähere Verbindung mit der Erde tritt, da erklingen die heiligen Musiktöne.So in der Nacht, wo Christus geboren ward, indem die Engel in den Lüften daSLloris in exoslsis" sangen; so spricht der heilige Bernard von den sieben Wortendes Erlösers am Kreuze als von sieben wohlklingenden Saiten auf der Cither deSKreuzholzeS.

Daraus erklärt eS sich auch, wie heilige Seelen gleichsam in der Vorahnungdes HimmelöglückeS diese himmlischen Harmonien noch in dem DießseitS vernehmenkönnen. Natürlich! So wie das Abbild dem Urbilde näher kommt, müssen die Dis-sonanzen dieses Lebens sich in Concordanz verwandeln, und je freier die Seele vonirdischen Schlacken wird, desto geeigneter ist sie, in Jubel und Lust miteinzustimmen,in den Jubel deS Himmels. DaS ist der Heiligen Schwanengesang!

Auch die Natur hat ihre Musik. In unbekannten Weisen klingen z. B. dieTöne der AeolSharfe. Es ist dieß daS Seufzen und Sehnen der Natur nach Erlö-sung, wie eS der heil. Paulus nennt (Römerbrief 8, 22). Je heiliger und erlöster(wenn man so sagen dars) der Mensch ist, desto mehr versteht er diese Musik, unddesto mehr participirt gleichsam die Natur an seiner Erlösung. Nur Ein Beispiel.

Zur hl. Rosa von Lima kam mit Untergang der Sonne ein kleines Vögelchenmit wunderlieblicher Stimme an ihr Zimmer hingeflogen, und setzte sich auf einennahen Baum, dort gleichsam daS Zeichen zur AnHebung deS Gesanges erwartend.Rosa rüstete sich, das Lob GotteS zu beginnen und forderte das Vögelchen im eigenenLiede, das sie dafür gedichtet, zum Wetlgesang heraus:

Heb' an, o liebe Nachtigall,

Singe süße Liedesweise!

Schmettre hohen Sang aus voller Kehle,

Damit wir den Herrn loben allzumal.

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*) Mit weiser Klugheit dringt daher Vater Kolping aus die Pflege des Gesanges in den vonihm gegründeten Gesellenvereinen,