Ausgabe 
13 (13.2.1853) 7
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Du sollst deinen Schöpfer preisen,Ich den Heiland voll Erbarmen,Unsern Gott wir beide insgesammt.Thu' auf die Kehle sangeSvoll,Damit im muntern WechselliedeUnsere Töne lieblich sich begegnen."

Und sogleich begann daS Nögelchen mit linder, leiser Stimme seinen Schlag,schwang sich dann höher und immer höher, wirbelte darauf eine Zeit lang schwebendauf der Höhe der Töne, und ließ dann, selbst schweigend, die Jungfrau an die Reihekommen. So wechselten sie in der heil. Fastenzeit stets bis sechs Uhr Abends.

Zum Contraste eine andere Geschichte, die sich erst vor einigen Monaten zuge-tragen hat. Die gefeierte Sängerin Sontag (Gräfin Rossi) produzirtc sich auf ihrerKunstreise in Amerika unter Anderm auch in der Stadt Boston in einem Privatconzertevor etwa 40l) puritanische» Geistlichen und Pastoren aller Secten. Alle waren vollEntzücken und einig in ihrem Lobe; ja einer der Pastoren that den AuSspruch:Wahr-lich, die Musik ist daö einzige und letzte Mittel, die verschiedenen ReligionSsecten zueinigen," und ertheilte der Sängerin seinen väterlichen Segen. Sonderbar, aberdock nicht ganz ohne Wahrheit! Genug, wenn die vielen Secten einmal die Sehn-sucht nach einer Einigung und Harmonie fühlen und die Möglichkeit derselben erkennen.DaS Uebiige wird der Herr machen, daß Alle in Liebe und Eintracht den Pastoral-tönen des Einen Hirten lauschen, km!,, iiat! (Oest. VolkSsr.)

Kaiser Ferdinands Nachtgebet.

Darnieder liegt der güt'ge Ferdinand;Die Krankheit hält Ihn an das Bett gebannt;Ein stechend Schmerz hält Tag und Nacht Ihn wachUnd macht den frommen Dulder matt und schwach.Der Priester an des Kranken Seite steht,Sie beten jetzt vereint das Nachtgebet.

Im Krankenzimmer kniet die KaiserinUnd blicket kummervoll zum Kaiser hin.Sie fleht Ihn ganz erschöpft und schwach und matt,Und gibt dem Priester liebevoll den Rath:Doch abzubrechen mit dem Nachtgebet,Da schon so sehr die Schwäche Ihn umweht.

Der Kaiser jetzt noch ein Gebet begehrt,Sein tägliches, das Ihm gar lieb und werth:Zch will, daß noch mir vorgebetct wirdZur unsern Herrn," ruft Er,der jetzt regiert!"Und nun im heißen, innigen GebetDer kranke Oheim für den Neffen fleht.

Er kennt die Last, die auf dem Theuren ruht!Darum des frommen Dulders AndachtSgluth.Nicht blos für Ihn hebt Er zu Gott den Blick;Er flehet auch für Seiner Völker Glück-O, ahm Ihn nach, du theures Vaterland!Bet' für den Kaiser, bet' für Ferdinand!

Christl. Feierabend.

Verautwoitlichi'l Redacteur : L, Schönchen

Üerlags-Juhaber: F E, Kremer.