Dreizehnter Jahrgang.
Sonntags-Beiblatt
zur
Augsburger Pojtzeitung.
27. Februar ^ N 1853.
Diese« «latt erscheint regelmäßig alle Sonntage. Der halbjährige Abounement«pret«4V kr., wofür e« durch alle kouigl. bayer. Postämter und alle Buchhaudumgea bezogen werde» kaun.
Die Erzherzogin Maria von Steiermark,
Mutter Kaiser Ferdinand des Zweiten.
RededeSHofrathSundReichshistoriographenvr. v. Hurte r-Am mann,gehalten in der Plenarversammlung deS Wiener Central-SeverinuS-verein es am 30. Januar 1852.
IV.
Hochansehnliche Versammlung I
Wie manches Anziehende und Herzgewinnende über das Verhältniß der Erzher-zogin Maria als Mutter zu ihren Kindern ich Ihnen bisher mitgetheilt habe, derStoff ist noch nicht erschöpft; er wird anziehender dadurch, daß wir auS allem ihremThun die Ueberzeugung gewinnen, daS rein menschliche Gefühl der Mutter habe durchdie Rücksichten, welche von fürstlicher Stellung bedingt sind, weder können zurück-gedrängt noch abgeschwächt werden; ja vielmehr dieses Gefühl und die auS demselbenhervorgehende Fürsorge habe diese Stellung sich dienstbar gemacht.
ES gibt gewisse natürliche Anmahnungen, welche auf unverkünstelte Individua-litäten mächtiger einwirken als die Verhältnisse, in die sie durch den Verlauf dergesellschaftlichen Gestaltung sind gestellt worden. Deßhalb wissen dergleichen Persön-lichkeiten über solche Verhältnisse sich emporzuheben. Unter jenen Anmahnungenstehen wohl diejenigen oben an, welche einer Mutter die Obliegenheit vor Augenhalten, auf bestmöglichste Versorgung ihrer Kinder, je nach Maaßgabe deS Ranges,der ihnen angewiesen ist, Bedacht zu nehmen. Dieses ließ sich Maria in einer Weiseangelegen seyn, in der sie kaum von irgend einer andern Mutter könnte übertroffenwerden.
Zu jener Zeit, in welcher sie lebte, waren die BiSthümer Deutschlands (obzum Besten, ob zum Nachtheil der Würde und deS erhabenen AmteS — dieß zuerörtern, liegt außerhalb unseres Gesichtskreises) mit landesherrlicher Macht, mitreichsfürstlichem Ansehen, mit wohlerworbenen reichen Einkünften und mit hoher welt-licher Bedeutung ausgestattet. Die Hausordnungen der weltlichen Fürstengeschlechternahmen je länger desto mehr darauf Bedacht, einer Theilung ihrer Länder pflicht-gebotene Schranken zu setzen. Bloß der Erstgeborne konnte fortan regierender Herrwerden. Wie die andern Brüder zu ähnlichem Rang sich erheben könnten erscheintdaher als Mariens geflissenste Sorge. Die von der Kirche abgefallenen Fürsten warenihr hierin mit großer Emsigkeit, mit folgenreichem Bemühen, und wahrlich nicht zuGunsten des durch sechzehn Jahrhunderte herabgeerbten Glaubens, vorangegangen. —Denn in wie viele BiSthümer hatten unkatholische Administratoren sich eingedrungen,von denen mir gerade zu dieser Zeit Magdeburg, Halberstadt, Merseburg, Ratzeburg ,