Ausgabe 
13 (27.2.1853) 9
Seite
66
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Straßburg, Lübeck und Minden beifallen, welche nachher insgesammt, Straßburg ausgenommen, durch sie in weltliche Erbfürst^ uhümer verwandelt wurden, waö wenig'stenS bei katholischen Fürstensöhnen nicht zu befürchten war.

Der Bischof Urban von Passau, dessen Hochstist in Oesterreich ansehnlicherGüter und nicht minder bedeutsamer Rechte sich zu erfreuen hatte, rückte mit Ablaufdes Jahrhunderts schnellen Schrittes dem Greisenalter entgegen. Ein Theil derDomherren sprach von der Nothwendigkeit einer CoadjutorSwahl und warf hiezu dasAuge auf den Herzog Philipp von Bayern, den das Domcapitel von RegenSburg als Schild gegen protestantische Umtriebe zu ähnlicher Absicht noch in zarter Kindheitals Bischof postulirt hatte. Maria meinte, zu jener Würde möchte ihr Leopold ebensowohl sich eignen, als der nicht viel ältere Neffe, worüber leicht, wäre der HerzogWilhelm von Bayern nicht eine so durchaus edle Natur gewesen, ein nie mehr zuheilender Bruch zwischen Bruder und Schwester hätte entstehen können. Die Hälftedes Capitels neigte sich auf Seite deS bayerischen Fürstensohnes, indeß die andere imVerein mit dem Bischof den Erzbijchof begünstigte. So waren bei einer ersten Wahldie Stimmen getheilt. Bald hierauf starb der Bischof, und der Papst erklärte: einerneuen Wahl bedürfe eS nicht, er bestätige den Erzherzog Leopold. Nur zwei Jahrespäter erkannten die übrig gebliebenen katholischen Domherren von Straßburg , diesesBiSthum, dessen bereits ein brandenburgischer Prinz sich bemächtigt hatte, lasse nurdadurch sich retten, wenn es einen Erzherzog als Bischof sich erbitte. Auch hiezuwurde Leopolv ersehen; so daß Maria wohl sich freuen mochte, ihren Zweitältestenüber der Bereinigung zweier der reichsten BiSthümer Deutschlands als ansehnlichenReichsfürsten begrüßen zu können.

Den nächstfolgenden Sohn, Maximilian Ernst, ließ sie unter die deutschen Ritter aufnehmen, unverkennbar in der Absicht, daß er, seinem Vetter, ErzherzogMaximilian von Tirol, in der Würde eines Großmeisters des Ordens nachfolgend,hiedurch ebenfalls ein mit selbststänvigen Rechten ausgestalteter Reichsfürst werde.Der Tod vereitelte die Absicht der Mutter, denn der jüngere Maximilian starb vordem ältern.

Auch dem jüngsten Sohn, Carl, sollte der geistliche Stand zu einer unabhän-gigern Stellung verhelfen, als sie nachgevornen Prinzen inSgemein beschicken ist.Ihm ward das reiche BiSthum Breslau , dann das nicht minder ansehnliche Brirenzu Theil, und die reichsfürstliche Stellung dadurch erhöht, daß das seinem Bruderzugedachte Großmeifterthum des deutschen Ordenö auf ihn überging, waö alles jedochdie Mutter nicht mehr erlebte.

In gleicher Weise war Maria auf Erhöhung ihrer Töchter bedacht. Man darfeS mit Recht seltsam nennen, daß der erste Anwurf, die älteste aus. ihnen mit demErben von Schweden und muthmaßlichen Nachfolger in Polen zu vermählen, durcheinen Juden gemacht wurde. Diesen hatte die Königin Anna von Polen , die letztedeS alten Jagellonen-Geschlechtes, blos als Privatperson zu solchem Zwecke an denGrätzer Hof gesendet. Nur der Schimmer einer Aussicht auf den Erbfürsten vonLothringen machte die Erzherzogin eine Zeit lang wohl unschlüssig, jedoch nichtabgeneigt. Denn sie schrieb dem Bruder:Wir haben nicht nur eine oder zweiTöchter, sondern wir haben ihrer Gottlob noch sechs, so daß wir nicht zu fest mitihnen prahlen dürfen." Ein anderes Mal bemerkt sie ihm:Wir haben zu vielDiendl." Bei allem Dem stand doch das fest bei der Erzherzogin : daß ein andererals ein kathol. Fürst um eine ihrer Töchter niemals sich bewerben dürfe; wie dennauch deS VaterS Testament eine jede, die mit einem Andersgläubigen sich verbindenwollte, der Aussteuer und deS HeirathSgutes verlustig erklärt. Der leichtfertige Re-ligionswechsel einem Fürstenstuhl zu lieb ist eine ausschließlich deutsche Errungenschaftneuerer Zeit, die zuletzt selbst in katholische Häuser Eingang gefunden hat.

Bei SigiSmund Bathori's, Fürsten von Siebenbürgen, Werbung um MariaChristina mochte die Aussicht auf den Fürstenthron, mußte die Fügung unterden Willen des Kaisers und in die mögliche politische Bedeutung dieser Vermählung