Ausgabe 
13 (27.2.1853) 9
Seite
68
URN (Seite)
  
 
Einzelbild herunterladen

«8

dem man nichts findet. Ich muß um Alles nach Wien schreiben, und Gott weiß,ob man eS dort findet? Hätte ich Zeit gehabt, so hätte ich eS von Mailand undanderwärts her kommen lassen. Jetzt aber ist die Zeit so kurj und ich weiß nicht,wo ich anfangen soll. Mir ist nur um den Wagen zu thun, denn ein Wagen, wieer für eine solche Braut sich schickt, ist nicht die Sache von sechs Wochen, dazubedarfS eben so viel Monate. Bei den Polen, die ohnedem ein hochtrabendes Volkfind und Alles in Acht nehmen, möchte ich doch nicht Spott aufheben. Dazu wirdman Alles umS Doppelte kaufen müssen; denn wissen die Kaufleute, daß man etwashaben muß, so verlangen sie gleich das Doppelte und wird man nehmen müssen,was man findet, eS sey gut oder schlecht. Meine Tochter erbarmt mich von Herzen,daß sie eS nicht genießen soll, wie ich ihr eS von Herzen gönne und wie es auchseyn sollte. Ihr mögt mir aus mein Wort glauben, die Sache bearbeitet mich der-gestalt, daß ich weder schlafen noch essen kann, nicht weiß, wo anfangen; dennsobald ich etwas bestellen will, heißt eS- die Zeit ist zu kurz. Will der König nichtwarten, dann freilich muß eS seyn; wie man aber in der ganzen Welt davon redenwird, daS dürfte wenig Freude bringen. Die Polen werden eS nicht glauben, daßman eine so kurze Zeit gehabt habe, denn sie wissen eS nicht. Auch für die Leutezum Dienst der Tochter ist nicht gesorgt; ehe man um dieselben sich umgesehen hat,sollte man schon fortziehen. So mangelt noch eine Hofmeisterin, eine Kammerfrau;ich werde nehmen müssen, wen ich finde, ob tauglich, ob nicht. Ihr könnt denken,wie eS meiner Tochter seyn wird, wenn sie Leute bekommt, die nicht für sie find.Sie muß wenigstens drei Kutscher, einige Lakaien, einen Capellan, eine Leibwäscherin,einen Tafeldiener für ihre Frauen haben, was gewiß nicht zu viel ist. Den Braut-wagen muß ich zu Wien machen lassen, nur von Goldstoff, denn in der Eile ist'Snicht möglich ihn zu sticken. Ich wollte, Euer Weib wäre hier, ich weiß, fie würdemir treulich helfen, denn eS wäre nöthig, daß Alles mir beistände. Ich fürchte nur,wir heben einen großen Spott auf; ich kann aber nicht anders, ich bin vor Jeder-mann entschuldigt. Grüßt mir, ich bitte Euch, die Frau tausendmal; sagt ihr. weilsie mir nicht helfen könne, solle sie Gott für mich bitten, daß ich nur ein wenig mitEhre bestehe. Lasset mich den sichern Hochzeitstag wissen, sobald ihr denselben erfahret."

(Schluß folgt.)

Careassone.

Während seines Aufenthaltes zu Rom hat der hochwürdigste Herr Bischof vonCarcassone an den Klerus und die Gläubigen seiner Diöcese ein Schreiben gerichtet,dem wir folgende Stellen entnehmen:

Die geheiligre Pflicht, welche unS momentan von Euch entfernt hat, ist Allenbekannt. Nach fünfjähriger Arbeit auf demjenigen Theile deS Feldes der Kirche,welchen der himmlische Vater uns anvertraut hat, sind wir zu dem, der denselbenhienieden vertritt, gekommen, um Rechenschaft von unserer Verwaltung abzulegen;wir sind gekommen, um dem großen Princip der Einheit und der Autorität, welchedie Grundfesten der katholischen Kirche sind, in seiner Person zu huldigen; wir sindgekommen, um gleichzeitig am Grabe des Apostels unsern Glauben zu befestigen,welchem JesuS Christus das Recht und die Pflicht ertheilt hat, seine Brüder darinzu bestärken und der noch immer in seinen Nachfolgern fortlebt; wir sind endlichgekommen, um zu Füßen des Stuhles der Wahrheit, von welchem herab Petrusdurch den Mund PiuS IX. noch immer spricht, neue Erleuchtung zu suchen. Indiesen schwierigen Zeiten, in diesen Zeiten der Kämpfe und Wirrnisse, wo der GeistdeS Zwiespalts und der Finsterniß seine Anstrengungen vervielfältigt, um daö ReichGotteS zu stören, ist eS für die Hirten der Seelen tröstlich, demjenigen ihre Zweifelund Befürchtungen auseinandersetzen zu können, der die Sendung und die Machterhalten hat, fie zu lösen und zu zerstreuen! Wie stärkend ist es für Euch und für